Hat ein Triemli-Mitarbeiter eine halbe Million Franken abgezweigt?

Ein Informatiker soll mithilfe gefälschter Rechnungen Elektronik im Internet bestellt haben. Für sich persönlich, auf Kosten des Spitals.

Gegen einen Informatiker des Stadtspitals Triemli läuft derzeit ein Ermittlungsverfahren.

Gegen einen Informatiker des Stadtspitals Triemli läuft derzeit ein Ermittlungsverfahren. Bild: Samuel Schalch

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Jahr 2020 fängt nicht gut an für das Stadtspital Triemli. Zuerst mussten die Verantwortlichen 176 Millionen Franken vom neuen Bettengebäude abschreiben. Und nun steht auch noch ein ehemaliger IT-Mitarbeiter im Fokus der Zürcher Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf: Er soll zwischen 2017 und 2019 für private Einkäufe in Elektronik-Onlineshops über mehrere Hundert Tausend Franken ausgegeben haben – auf Kosten des Stadtspitals.

Wie der Finanzblog «Inside Paradeplatz» berichtet, soll der Mitarbeiter dazu Rechnungen gefälscht und so an den internen Kontrollstellen des Spitals vorbeigeschleust haben. Die Finanzseite nennt den Aargauer Onlinehändler Brack.ch, einen Anbieter, der sowohl Firmenhardware und Konferenzanlagen, Speicherserver und Dokumentenscanner verkauft als auch Unterhaltungselektronik wie Gaming-PCs und Fernseher.

Vorwurf des Betrugs

Die Oberstaatsanwaltschaft Zürich bestätigt das aktuelle Ermittlungsverfahren. Gegen den Verdächtigen, der laut «Inside Paradeplatz» derzeit noch nicht gefasst wurde, wird wegen Betrugs ermittelt. «Wie immer gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung», sagt Erich Wenzinger von der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich.

Das Spital hat dem Ex-Mitarbeiter inzwischen fristlos gekündigt. Schon im Dezember 2019 wurde er wegen Vermögensdelikten angezeigt, lässt die Kommunikationsabteilung des Stadtspitals wissen. Und auch auf die Sicherheitslücke reagierte das Spital: «Als Sofortmassnahme wurden die Kontrollmechanismen bei den Bestell- und Rechnungsfreigaben verschärft,» heisst es von Seiten des Spitals.

In den Jahren 2017 und 2018 gab das Stadtspital Triemli laut offiziellem Budgetplan 4,5 Millionen beziehungsweise 4,7 Millionen Franken im Jahr für die Anschaffung von IT-Hardware aus. Und damit rund halb so viel, wie insgesamt für den Einkauf von medizinischen Geräten veranschlagt war.

Während das Verfahren läuft, kann sich das Stadtspital weder zur Höhe der veruntreuten Summe äussern, noch zu den IT-Ausgaben generell. Das Thema schlug jedoch in der Verwaltung grosse Wellen.

Erstellt: 24.01.2020, 16:15 Uhr

Artikel zum Thema

Das Bettenhaus im Triemli ist nur noch halb so viel wert

Die Stadt schreibt 176 Millionen Franken ab, damit das Spital rentabler wird und nicht von der Spitalliste fliegt. Mehr...

Aufatmen am Zürcher Triemli-Spital

Die Finanzkontrolle hat zwar Mängel bei den Arzthonoraren aufgedeckt. Aber es gibt keine Belege, dass das Stadtspital geschädigt wurde. Mehr...

Todesrate an Zürcher Spitälern nimmt ab

Die Mortalität in der Herzchirurgie ist am Unispital und am Triemli tiefer als erwartet. Aus welchen Fehlern die Ärzteschaft gelernt hat. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Traumpisten und Bilderbuchdörfer

In dem Bündner Hochtal können Feriengäste in der Nationalparkregion des Schweizerischen Nationalparks in eine intakte Welt eintauchen.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Kunst-Blumen: Zum Valentinstag schenkt Banksy der Stadt Bristol eine neues Werk. Das Blumen werfende Mädchen schmückt eine Wand im Stadtteil Barton Hill. (14. Februar 2020)
(Bild: Finnbarr Webster) Mehr...