Sturm treibt Raddampfer auf Sandbank – Schaufelrad gebrochen

Urplötzlich aufziehende Sturmböen drückten den Raddampfer Stadt Rapperswil am Freitagabend beim Damm auf eine Sandbank. Der Dampfer musste abgeschleppt werden.

Linkes Schaufelrad kaputt: Die 101 Jahre alte Stadt Rapperswil, erkennbar am Kreuzmast.

Linkes Schaufelrad kaputt: Die 101 Jahre alte Stadt Rapperswil, erkennbar am Kreuzmast. Bild: ZSG

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Die Windmesswerte beim Flughafen Altendorf im App «Windfinder» zeigen es: Am Freitag um 16.30 Uhr stieg die Windstärke in der Nähe des Damms von Rapperswil von einem lauen Lüftchen innert Minuten auf 41 Knoten aus Süden an – das sind 75 km/h, Windstärke 9, ein ausgewachsener Sturm. Genau um diese Zeit passierte der Raddampfer Stadt Rapperswil auf dem Kurs zwischen Schmerikon und Zürich den engen Durchstich. Laut Conny Hürlimann, Mediensprecherin der Zürichseeschifffahrtsgesellschaft (ZSG), wurde der Dampfer im Heckbereich Richtung Rapperswil gedrückt, worauf er nach links auf die Untiefe zwischen Damm und der Insel Lützelau zusteuerte. Dabei berührte der Dampfer mit seinem linken Schaufelrad den Grund.

Anker geworfen, da manövrierunfähig

Der 101 Jahre alte Raddampfer wurde manövrierunfähig und setzte den Anker, um nicht weiter abgetrieben zu werden. Die meisten der 91 Passagiere konnten auf die MS Limmat umsteigen, die sich in der Nähe befand. Das war relativ einfach, weil der Wind fast ebenso schnell, wie er gekommen war, wieder abflaute. Sieben Fahrgäste wurden von der Seepolizei und dem Seerettungsdienst an den Schiffsteg Pfäffikon SZ gebracht.

Zum Abschleppen des 270 Tonnen schweren Dampfers wurde die 1200 PS starke Panta Rhei aus Zürich aufgeboten, die gerade ihren Tagdienst vollendet hatte. Der Umfang des Schadens dürfte gemäss Conny Hürlimann mehrere 10'000 Franken betragen. Unglücklicherweise hatte die Stadt Rapperswil erst im letzten Winter neue Schaufelräder bekommen.

100 Jahre alt und doch Hightech

Schaufelräder eines Dampfers sind eine ausgeklügelte Konstruktion, auch wenn sie vor über 100 Jahren entwickelt wurden. Die Schaufeln sind nicht starr wie beim Pedalo, sondern werden über ein Gestänge und einen Exzenter so gesteuert, dass sie nahezu senkrecht ohne Aufklatschen ins Wasser tauchen, das Wasser horizontal beschleunigen und wieder fast senkrecht ohne zu spritzen austauchen – wie ein guter Schwimmer.

Entsprechend anfällig sind diese 3,6 Meter grossen Schaufelräder. Treibholz im Wasser kann sie ebenso beschädigen wie die kleinste Grundberührung. Die beiden Zürichseedampfer wurden fast 100 Jahre lang durch die Originalräder angetrieben. Bei der Stadt Zürich brach 2010 ein Rad, als der Kapitän vor Erlenbach Volldampf gab. 2012 brach auch bei der Rapperswil bei der Anfahrt auf Richterswil ein Rad, ebenfalls wegen Materialermüdung. Im Laufe der Jahre wurden ursprünglich geschraubte Teile bei Reparaturen zusammengeschweisst, was zu Spannungen in der Kontruktion führte.

Doch zum Glück hatte Werftchef Hans-Peter Sigg 2010 im Stadtarchiv die vergilbten Originalpläne von Escher-Wyss aus dem Jahr 1909 gefunden. Diese Pläne bildeten die Grundlage, um in den letzten Jahren für beide Dampfer neue Schaufelräder zu bauen. Pro Schaufelrad rechnete die ZSG damals mit 150'000 Franken.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2015, 13:20 Uhr

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