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Subventionierte Kurse vor dem Aus?

Im Unterland gibt es 20 hauswirtschaftliche Fortbildungsschulen. Nun droht den Angeboten das Ende, falls ein parlamentarischer Vorstoss dreier Kantonsräte durchkommt.

Von Sarah Sidler Unterland – Die Schulgemeinden sollen keine öffentlichen Kurse mehr im hauswirtschaftlichen Bereich anbieten müssen. Dies finden die Kantonsräte Corinne Thomet-Bürki (CVP Kloten), Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen) sowie Andreas Erdin (GLP, Wetzikon) und haben im Frühjahr eine Initiative lanciert, um das Gesetz über die hauswirtschaftliche Fortbildung abzuschaffen. Der parlamentarische Vorstoss wurde im März von 112 Kantonsräten angenommen und wird derzeit in der kantonsrätlichen Kommission für Bildung und Kultur beraten. Anfang des nächsten Jahres wird definitiv über die Vorlage abgestimmt. «Würde die Initiative angenommen, wird das entsprechende Gesetz abgeschafft und die Schulgemeinden haben keine Verpflichtung mehr, ein Mindestangebot an Kursen im Bereich der hauswirtschaftlichen Fortbildung bereitzustellen», sagt Marc Kummer, Amtschef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamtes. Der Kanton würde sich auch nicht mehr an den Kosten beteiligen. Davon betroffen wären 20 hauswirtschaftliche Fortbildungsschulen im Zürcher Unterland. Derzeit bieten sie Kurse wie «Orientalischer Küchenzauber», «Autotechnik und Pannenhilfe für Frauen» oder «Herbstzauber» an. Initiative breit abgestützt Es könne nicht sein, dass die Schulgemeinden diese Kurse anbieten müssen, sagt Mitinitiant Matthias Hauser. Das Gesetz schreibt heute vor, dass die Schulgemeinden mindestens eine Lektion pro 30 Einwohner anbieten müssen. Der SVP-Kantonsrat findet, Kurse anzubieten, sei Sache von Privaten. Floristen, Nähateliers oder die Landfrauen könnten dies übernehmen. Zudem sei das Gesetz veraltet: Es sei verfasst worden, als noch nicht alle Schüler die Handarbeit, Hauswirtschaftsschule oder den Werkunterricht besuchen mussten. Hauser sagt, er sehe nicht ein, wieso der Kanton, der sonst an allen Ecken und Enden spare, die Angebote mit rund 1,3 Millionen Franken jährlich subventioniere. Einsparungen wären auch in den Gemeinden möglich. Diese bezahlen oftmals die Differenz zwischen den Beiträgen des Kantons und den vorgegebenen Kurskosten. «Die Initiative wurde im Rat quer durch alle Parteien – ausser von der SP – unterstützt», sagt Hauser. Das Kantonsparlament sei überzeugt, dass die hauswirtschaftliche Fortbildung nicht mehr Aufgabe des Staates sei. Die Annahme der Initiative hätte laut Kanton zur Folge, dass die Gemeinden selbst entscheiden können, ob sie hauswirtschaftliche Fortbildungskurse anbieten wollen. Die ganze Finanzierung läge im Ermessen der Schulgemeinden. Marlies Fahrni, Präsidentin der Oberstufenschulgemeinde Regensdorf, hofft, dass die Initiative angenommen wird: «Ich persönlich unterstütze das Anliegen.» Die Organisation der Kurse sei nicht die Kernaufgabe einer Oberstufenschulpflege, sagt sie. Fahrni kann sich nicht vorstellen, dass die Schulgemeinde für die zusätzlichen Kosten aufkommen würde, wenn die Subventionen des Kantons gestrichen werden. «Die Angebote müssten eingestellt werden.» In Regensdorf hätte diese Massnahme keinen Stellenabbau zur Folge. Die hauswirtschaftliche Fortbildung ist in Bülach der Berufswahlschule angehängt. Gemäss dem Leiter der Berufswahlschule, Walter Fehr, müssten keine Personen entlassen werden, falls das Gesetz tatsächlich abgeschafft wird. «Wir müssten uns überlegen, ob wir diese Kurse weiterhin anbieten, wenn keine Pflicht mehr besteht», sagt er. Die Weiterführung der Kurse würde jedoch nicht an der fehlenden finanziellen Unterstützung des Kantons scheitern: Die meisten Angebote im Bereich der hauswirtschaftlichen Fortbildung seien kaum gefragt. «Es erfordert viel Aufwand, die Kurse jeweils zu füllen», sagt er. Und weil sich der administrative Aufwand für weniger als 20 Kurse nicht lohnt, kann er sich vorstellen, dass das Angebot in Bülach eingehen wird. «Es erfordert viel Aufwand, die Kurse jeweils zu füllen.» Walter Fehr, Leiter der Berufswahlschule Bülach

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