Zum Hauptinhalt springen

SVP erobert Unterländer Agglo

In Opfikon wählt heute jeder Zweite SVP. Vor 20 Jahren war es noch jeder Zehnte: Nirgends legte die SVP so stark zu wie in der Agglomeration.

Von Fabian Boller Die Stadt Opfikon hat wenig gemeinsam mit der strahlenden Sonne auf den SVP-Plakaten und dem Bild einer heilen Welt. Fluglärm, Autobahn, Grossüberbauungen, Bordelle, eine hohe Arbeitslosenquote und ein hoher Ausländeranteil prägen das Image des Zürcher Vororts. Trotzdem oder gerade deshalb ist die Rechtspartei in Opfikon auf dem Vormarsch wie sonst nirgends im Kanton. Zwischen 1987 und 2007 erhöhte die SVP ihren Wähleranteil in Opfikon von 34 auf 48 Prozent. Opfikon ist kein Sonderfall. Unter den zehn Gemeinden, in denen die SVP in den letzten 20 Jahren im Kanton Zürich am meisten zulegte, befinden sich acht Vorortsgemeinden. Neben Opfikon gehören aus dem Unterland auch Regensdorf, Kloten, Wallisellen und Rümlang dazu. Eine neue Studie im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunktes Demokratie (Nfs) stellt denn auch fest, dass die SVP längst von einer Bauern- zu einer Agglo-Partei geworden ist. Sie gewinnt nicht mehr in ländlichen Gemeinden wie Oberembrach oder Wasterkingen, sondern in vorstädtischen Gebieten mit hohem Ausländeranteil und niedrigem Durchschnittseinkommen. «Die Bewohner einiger dieser Gebiete gehören zu den Verlierern der Globalisierung», sagt Daniel Kübler, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Zürich und Mitverfasser der Studie. Diese Menschen hätten drastische Veränderungen erfahren. Wo früher Kühe geweidet hätten, stünden heute hässliche Industriebauten. Viele Opfiker oder Rümlanger würden daher einer besseren Vergangenheit ihrer Gemeinden nachtrauern und deshalb die Liste der SVP in die Urne werfen. Agglo entscheidet Wahl Obwohl sich die SVP, so Kübler, wohl nicht bewusst an die Vorstädter wende, würden die Agglomerationen bei den nationalen Wahlen immer matchentscheidender. Denn vor 60 Jahren lebten nur gut die Hälfte der Schweizer in vorstädtischen Gebieten, heute sind es fast 75 Prozent. Während in den Goldküstengemeinden eher die FDP gewählt wird und die Stadtzentren links-grün beherrscht sind, dominiert in den genannten Unterländer Kommunen die SVP. Sie konnte in diesen Gemeinden in den letzten 20 Jahren massiv an Wähleranteil zulegen (siehe Tabelle). Laut Kübler fehlen der SP und zum Teil auch den Mitteparteien schlicht die Rezepte, um die Wähler in den Vorstädten abzuholen. «Wer weit aussen in der Agglomeration lebt, ist auf ein Auto angewiesen. Wieso soll er eine Partei wählen, die sich hauptsächlich für den öffentlichen Verkehr einsetzt?», fragt Kübler. Ähnlich verhalte es sich mit dem Thema Kinderkrippen. Aufgrund der tiefen Siedlungsdichte mache es in manchen Vorstädten keinen Sinn, an jeder Ecke eine Kinderkrippe zu eröffnen. Doch die SP stosse genau in diese Richtung. Priska Seiler Graf, SP-Kantons- und Klotener Stadträtin, ist in der Agglomeration aufgewachsen. Sie sei sich durchaus bewusst, dass die Wähler in den Vorstädten bei den Wahlen zunehmend an Bedeutung gewinnen würden, sagt sie. «Wir machen uns oft Gedanken, wie wir diese für uns gewinnen können.» Allerdings sei dies schwierig, wenn man mit differenzierten Lösungen antrete und nicht so wie die SVP mit einfachen und plakativen Mitteln. Der Raum Glattal entwickle sich jedoch immer mehr zur «Glattstadt», sagt sie, «er erhält eine eigene Identität mit urbanen Problemen». Sie hofft darauf, dass die SP in diesem Umfeld wieder besser Fuss fassen kann. Erfolg dank Ausländerpolitik Dem widerspricht die Regensdorfer SVP-Kantonsrätin Barbara Steinemann. Sie sieht sogar noch mehr Wählerpotenzial in den Agglos. «Die Gemeinden haben alle einen hohen Ausländeranteil und hohe Sozialhilfequoten», sagt sie. Und die SVP sei die einzige Partei, die auf Missstände in diesen Bereichen hinweise. Wo die Tristesse regiert, ist die SVP mit restriktiver Ausländer- und Sozialpolitik seit Jahren auf dem Vormarsch.Foto: Sibylle Meier

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch