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Szenebeizer führt Zeltplatz

Gastronom Michel Péclard hat den Campingplatz Seebucht in Wollishofen übernommen. Am Samstag wird er mit einem neuen Fischrestaurant eröffnet.

Zürich - Campingplätze gelten als bieder und altbacken. Kein Ort für schicke Grossstädter. Einen Trendgastronomen würde man ebenso wenig als Chef eines Zeltplatzes vermuten wie Vegetarier im argentinischen Steak-Restaurant. Michel Péclard, Herr über sieben Betriebe, musste sich deshalb von Branchenkollegen wenig Schmeichelhaftes anhören: «Jetzt spinnst du aber völlig», war einer der höflicheren Kommentare. Auch sein langjähriger Geschäftspartner Marco Però schüttelte nur den Kopf, als er von den Zeltplatz-Plänen erfuhr.

Doch Péclard schlug alle Kritiken und Warnungen in den Wind, weil er an seine Idee glaubte. Der verschlafene Campingplatz am See war in seinen Augen ein Juwel, das man bloss polieren musste, um es zum Leuchten zu bringen. Anfang Jahr übernahm er deshalb den Campingplatz vom bisherigen Pächter, der ihn während rund 30 Jahren geführt hatte.

Fische frisch vom Zürichsee

In diesen Tagen herrscht auf dem Zeltplatz Seebucht eine angespannte Atmosphäre, wie sie kurz vor einer Theaterpremiere zu spüren ist. Handwerker sägen Bretter, streichen Wände und verlegen Böden. Die Seebucht wird für den grossen Auftritt am Samstag vorbereitet. Die Analogien zum Theater - so abwegig sind sie nicht. Péclard arbeitet seit Jahren bei seinen Gastro-Projekten immer mit den gleichen Bühnenbildnern zusammen. Dieses Künstlerteam gestaltete vergangenes Jahr etwa das ehemalige Café Schober neu, das Péclard als bisher letztes in sein Imperium (Pumpstation, Restaurant Coco, Café Balthazar u. a.) integrierte. Als «der schönste Stadtzeltplatz Europas» wird die Seebucht auf einem Flugblatt angepriesen. «Hier ist der See blauer & die Wiese grüner.»

Ob der See blauer ist, sei dahingestellt. Frischer kann der Fisch aber kaum sein, der im Camping-Restaurant Fischer’s Fritz auf den Teller kommt. Berufsfischer Adrian Gerny, der einzige auf Stadtgebiet, bringt seinen Fang täglich mit dem Boot vorbei und verarbeitet ihn vor Ort. Auch bei den anderen Spezialitäten setzt Péclard auf Produzenten aus der Region. Im täglich geöffneten Laden bietet der Bauernhof Stockengut aus Kilchberg seine Produkte an. Ebenso sind im Restaurant Riesling-Weine aller Winzer rund um den Zürichsee erhältlich.

Sollten Gernys Netze einmal leer bleiben - beim Besuch des TA war dies der Fall -, bieten sich als Alternativen auch Bioforellen (26 Franken) aus Zucht oder etwa Pouletflügeli im Chörbli à discrétion (25 Franken) oder Wiener Schnitzel mit Preiselbeeren (31.50 Franken) an. Das Interieur des Restaurants, das früher Chalet hiess, ist im mediterranen Stil gestaltet. Eine Mischung aus südfranzösischem Bistro und Sylter Strandbeiz. «Mit Fischer’s Fritz wollen wir dort weiterfahren, wo wir mit dem Restaurant Tramstation aufhörten.» Das Restaurant solle den Charme des Improvisierten besitzen und kein Schickimicki-Lokal werden. Campingplatz Seebucht, im Hintergrund das Restaurant. Fotos: Doris Fanconi M. Però. M. Péclard. A. Gerny.

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