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Tenöre singen für Männedorfs Frauen

Das Frauenpodium lud zum musikalischen Frühlingsanfang in die Villa Alma.

Männedorf - Die Halle der Villa Alma hat eindrückliche Ausmasse, und doch sitzen die Zuhörer an diesem Donnerstagnachmmittag dicht gedrängt im Herzstück des privaten Alters- und Pflegheims am See. Die Sonne strahlt durch die geöffneten Flügeltüren des angrenzenden Wintergartens und erhellt den düsteren, getäfelten Raum mit der imposanten Treppe und dem Kamin an der Wand.

Eingeladen hat das Männedörfler Frauenpodium, ein Interessenverband, der vor 35 Jahren entstanden ist, kurz nach der Einführung des Frauenstimmrechts. Feministische Töne werden heute in der Villa Alma aber nicht angeschlagen, es steht vielmehr ein Nachmittag der leichten Melodien unter dem Titel «La vie en rose» auf dem Programm. Die Themen aus den Siebzigerjahren stünden beim Frauenpodium nicht mehr im Vordergrund, erklärt Marie-Louise Thoma.

Sie begrüsst zusammen mit ihrer Mitorganisatorin Catherine Werder die Gäste und bedankt sich im gleichen Atemzug bei den Hausherren, der Familie von Muralt: Schon zum achten Mal geniesse das Frauenpodium für seinen Frühlingsanlass Gastrecht in der prächtigen Villa.

Hell und klar erklingt im Rücken des Publikums die berühmte Arie aus Giuseppe Verdis Oper «Rigoletto»: «La donna è mobile», singen der Männedörfler Andri Calonder und sein Partner Enrico Orlandi, bekannt als Swiss Tenors, während sie die Treppe hinab- schreiten. «Die Frau ist launisch» - eine augenzwinkernde Verneigung vor dem Frauenpodium.

Das Podium hat sich gewandelt

Ob das vor 35 Jahren möglich gewesen wäre? Damals ging es um anderes: Männedörflerinnen hatten sich zusammengetan, um einander zu helfen. «Nachdem wir die politische Mitsprache erwirkt hatten, bestand ein grosser Bedarf an Beratung, wie mit den neu erworbenen Rechten umzugehen sei», erklärt Thoma. Was beschäftigt die Frauen? Welche Möglichkeiten gibt es für sie? Werden sie gefördert? Das waren damals die Fragen.

So haben die Aktivitäten des Frauenpodiums über die Jahre das ganze Spektrum eines Frauenlebens abgedeckt, von der Frauenförderung bis zum Wiedereinstieg in den Beruf. «Wir haben eine ganze Generation begleitet», sagt Thoma. Heute stehen für die rund 500 Frauen, die sich dem Podium angeschlossen haben, Besuche von Ausstellungen oder Referate zu aktuellen Themen im Vordergrund. Die Nachfrage danach ist gross: Das Jahresprogramm sei jeweils 14 Tage nach dem Erscheinen schon ausgebucht, sagt Thoma. Das gilt auch für den Frühlingsanlass, an dem die beiden Tenöre geschickt bekannte Melodien von Verdi verflechten, bis sie schliesslich mit dem neapolitanischen Gassenhauer «Funiculi Funicula» beim schwarzen Steinway-Flügel mit den Rosensträussen am anderen Ende der Halle anlangen. Es folgen Klänge aus dem Film «Der Pate» und Operetten von Lehár und Kálmán.

Kniefall vor junger Sängerin

Dann ist die Reihe an der mit Spannung erwarteten Jungsopranistin Annina Gieré, welche die Arie der Kleopatra aus G. F. Händels «Cäsar»-Oper vorträgt. Gieré hat gerade erst mit eindrücklichen Auftritten bei der Heubühne in Feldmeilen von sich reden gemacht (TA vom 19. 3.). Begleitet wird sie am Flügel von ihrer Mutter, der Herrlibergerin Corina Gieré. Die Pianistin ist musikalische Leiterin der Opernwerkstatt am Konservatorium Zürich und der «Operella» in der Feldner Heubühne.

Annina Gieré singt sich durch Werke von Mozart und Brahms, hängt ein russisch gesungenes Lied von Rachmaninow an und eine jugendlich verträumte Variante von «La vie en rose» der legendären Edith Piaf. Und als sie auch noch in die Rolle der Dietrich schlüpft - «Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt» -, gibt es für die beiden Tenöre kein Halten mehr: Sie umschwärmen die Sängerin wie Motten das Licht. Grosser Beifall und als Zugabe ein dreistimmiges «O sole mio» beendeten einen Nachmittag voller frühlingshafter Melodien. Dynamischer Auftritt des Sängers Andri Calonder. Foto: Daniel Kellenberger

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