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Titel (max. 3-zeilig) TitelVom Blutzucker zum blutigen Herbst

Gesehen & Gehört Gesehen & gehört Journalisten und Politiker landen in den Ranglisten über den schlechtesten Ruf regelmässig ganz vorne. Und beide Berufe schaffen es immer wieder, der jeweils anderen Gattung den noch schlechteren Ruf anzuhängen. Wir versuchen das natürlich an dieser Stelle auch. Und zwar mit einer exakten und untendenziösen Beschreibung, wie Politiker ihren eigenen Blutzuckerwert interpretieren. Anlass war der gestrige Welt-Diabetes-Tag. Auf Initiative von Regine Sauter (FDP, Zürich) als Präsidentin der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft, piksten die Diabetes-Beraterinnen Silke Hauf und Verena Kron etwa 100 Kantonsräten in den Finger. In dem Tröpfchen Blut massen sie den Blutzuckerwert. Als Erste streckte Karin Maeder (SP, Rüti) ihren Zeigefinger hin. Resultat: 5,5 Millimol pro Liter. Als Bildungsfachfrau interpretierte sie diesen Wert natürlich auf ihre Art. «Note 5 bis 6 &endash also fast sehr gut.» Auch die FDP versuchte, das Tröpfchen mit den 5,3 Millimol Blutzucker von Parteipräsident Beat Walti auf die eigene Mühle zu lenken. «Diese Messung beweist, was alle Frauen längst behaupten», sagte Fraktionschef Thomas Vogel: «Wir haben einen süssen Parteipräsidenten.» Die Recherche des Journalisten ergab: Walti ass ein Honigbrot zum Frühstück. * Weniger süss ist die Stimmung im Kantonsrat derzeit an den Sitzungen der Kommissionen. Wenn nicht alles täuscht, wird jede Direktion beim Kanton bald bluten müssen &endash jedenfalls, wenn es nach den bürgerlichen Parteien geht. Grund: Die sieben Prozent Steuererhöhung, die Finanzdirektorin Ursula Gut (FDP) beantragt, um Budget und Pensionskasse zu sanieren, werden im Rat einen schweren Stand haben. Deshalb sind die Bürgerlichen bemüht, das Budget zusammenzustreichen, um 300 bis 400 Millionen Franken einzusparen. Einen Hinweis, wo es schmerzen könnte, lieferte Gymi-Lehrer Markus Späth (SP, Feuerthalen). Er sprach von «Zechprellerei» im Zusammenhang mit dem gestern beschlossenen Mehraufwand bei der Administration in der Bildungsdirektion. Denn die gleiche Kommission sei drauf und dran, beim Budget der Bildungsverwaltung zehn Prozent zu sparen &endash das wären über vier Millionen Franken. Was Markus Späth antönte, ist Sprengstoff. Denn offenbar ist eine Mehrheit der Parteien (SVP, FDP, CVP, GLP) bereit, eine heilige Kuh zu schlachten und bei der Bildung von der Volksschule bis zur Uni zu sparen. EVP-Fraktionschef Peter Reinhard kontert diesen möglichen Angriff so: «Wer bei der Bildung mit dem Rasenmäher sparen will, braucht selber etwas Bildung.» Weitere Angriffe planen die Sparparteien unter anderem gegen das Opernhaus und gegen die Jugendhilfe. * Während sich beim Budget der Kampf mit harten Bandagen erst abzeichnet, herrscht zwischen Ärzten und Apothekern im Streit um die Medikamentenabgabe seit Jahren offener Krieg. Chirurg Karl Zweifel (SVP, Zürich) geisselte gestern in einer persönlichen Erklärung die «Schlaumeierei» der Apotheker, weil sie trotz mehrfachem Volksentscheid zugunsten der Ärzte erneut an die Gerichte gelangt sind. Draussen im Foyer verglich Zweifel die Apotheker gar mit «Pferdesattlern», weil sie einer aussterbenden Berufsgattung angehörten. Apothekerpräsident Lorenz Schmid (CVP, Männedorf) warf darauf Zweifel eine «typische und sogar für Ärzte schockierende Arroganz» vor. Auch Zweifel liess sich nicht lumpen: Statt christlicher Nächstenliebe stehe bei Schmid Eigennutz im Vordergrund. * Nächstenliebe &endash zumindest innerhalb der SVP-Fraktion &endash demonstrierte dafür Chirurg Karl Zweifel. Er operierte kürzlich Fraktionskollege Hansueli Züllig (SVP, Zürich) an der Halswirbelsäule. Züllig ist auf dem Weg der Besserung und lässt ausrichten: «SVP-intern finden wir für alles eine Lösung.»Ruedi Baumann Diabetes-Beraterin Silke Hauf (l.) misst Blutzucker bei Regine Sauter. Foto: Sophie Stieger

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