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Titel (mind. 2-, max. 3-zeilig)Brandstifter: Häufig treibt sie Rache an

In Elgg legt jemand Brände. Für Experten ist klar: Der Täter kommt aus dem Dorf, er muss aber kein Pyromane sein.

Von Mario Stäuble und Stefan Hohler Zürich – Für die Einwohner von Elgg ist klar: «Es ist einer von uns». Dieser Ansicht ist auch Hans-Werner Reinfried vom Rechtspsychologischen Institut in Uster, wie er gegenüber der Agentur Keystone sagt. Der Täter, der in drei Wochen bereits fünf Brände gelegt hat, stamme wohl aus dem Ort selbst. Reinfried ist überzeugt, dass die Brandstiftungen nicht gegen bestimmte Personen gerichtet waren. Vielmehr habe der Täter sich leicht zugängliche und unbeobachtete Objekte ausgesucht. Es sei auch kein Zufall, dass nicht alle angezündeten Gebäude voll abgebrannt seien. «Viele Brandstifter lassen den lieben Gott mitentscheiden», so Reinfried. Die Täter verspürten Stolz, wenn sie lesen, welchen Schaden sie angerichtet haben. Die Ermittlung des Schuldigen dürfte schwierig werden: «Solche Leute sind schwer fassbar, selbst wenn man alle Leute im Dorf kennt.» Im Allgemeinen seien es unauffällige Menschen, die im Dorfleben durchaus integriert sein könnten. Ein Pyromane (griechisch, pyr = Feuer, mania = Raserei) ist eine Person, die sich von Feuer übermässig faszinieren lässt oder dadurch gar erregt wird. Diese Faszination kann sich auch auf Löschgeräte und Löschfahrzeuge beziehen. Der Pyromane ist gegenüber Feuern neugierig und aufgeregt, fühlt sich von ihnen angezogen und empfindet Vergnügen oder Erleichterung, nachdem er einen Brand gelegt hat. Oft ist Alkohol im Spiel Aber nicht jeder Brandstifter, der eine Reihe von Feuern legt, ist ein Pyromane. 2005 untersuchten finnische Forscher 90 Serienbrandstifter. Nur bei 12 stellten sie Pyromanie fest. Bei den restlichen 78 Tätern wurden andere psychische Probleme diagnostiziert: Sie litten unter Psychosen, hatten eine schwere Persönlichkeitsstörung oder waren geistig zurückgeblieben. Auffällig war, dass 70 Prozent der Brandstifter bei ihren Taten unter Alkoholeinfluss standen. Rund die Hälfte der untersuchten Personen waren «reine Brandstifter», das heisst, sie hatten ausser den gelegten Feuern keinerlei Straftaten begangen. Witold Tur, Psychiater und Gerichtsgutachter in Zürich, bestätigt den Befund der Studie: «Den klassischen Pyromanen gibt es kaum.» Viel häufiger sei Rache das Motiv. Meist handle es sich um junge Männer, die zwischen 20 und 30 Jahre alt seien. Gemein ist ihnen eine Affinität zu Feuer. «In den Fällen, die ich betreut habe, waren über drei Viertel der Täter in der freiwilligen Feuerwehr.» Laut Tur muss nicht immer eine psychische Krankheit vorliegen: Es gebe auch Täter, die ein Objekt aus rationalen Gründen «warm abbrechen» – etwa, um eine Versicherung zu betrügen. Der ebenfalls in Zürich arbeitende Psychoanalytiker Werner Disler sagt: «Das Legen von Feuer kann für jemanden ein Ventil sein.» Oft handle es sich um Personen, die in der Vergangenheit schwer traumatisiert worden seien. «In der Folge bauen diese Leute eine extremer Aggressivität auf.» Diese Wut richte sich nach aussen – gegen fremdes Eigentum, das in einer Art Racheakt zerstört werde. Dieses Verhalten könne sich sodann zur einer Serie entwickeln. Therapie hilft nicht immer Solange das Racheschema noch nicht zu stark ausgeprägt sei, könne man mit einer Trauma-Therapie Erfolge erzielen. Bei schweren Fällen sei dies kaum mehr möglich. Das Motiv des Elgger Brandstifters könne man erst beurteilen, wenn der Täter gefasst sei, so Disler. VideoInterview mit ExperteiPhone: Tagi-App aufTA+Mobile: SMS mit Text Plus an 4488

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