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Traum vom ganzjährigen Spielbetrieb

Bei Urban Futsal Zürich ist Marco Primerano Präsident, Trainer und Spieler. Die klare 5:13-Startniederlage konnte er nicht verhindern. Dennoch glaubt er an den Klassenerhalt &endash und die Zukunft der Randsportart.

Von Dennis Bühler, Thalwil Auf der kleinen, handlichen Taktiktafel schiebt Marco Primerano farbige Magnete hin und her, dirigiert seine Mitspieler, redet eindringlich auf sie ein. Zwölf Minuten sind gespielt, soeben hat sein Team das 1:1 kassiert. Nach gutem Beginn droht NLA-Aufsteiger Urban Futsal Zürich von Croatia 97 Appenzell überrannt zu werden. Die Worte von Spielertrainer Primerano fruchten wenig, zu gross ist der Qualitätsunterschied. Der Meister von 2010 ist den Zürchern überlegen, 7:1 lautet das Verdikt zur Pause, mit der Schlusssirene muss Goalie Elbasan Canaj zum dreizehnten Mal hinter sich greifen. Trotzdem sagt Primerano: «Wir sind stolz, gegen diesen Gegner fünf Tore erzielt zu haben.» Auch ihm ist klar: «Wir mussten Lehrgeld bezahlen.» Konditionell sei sein Team noch nicht auf der Höhe, und auch das «Wirgefühl» fehle noch. Einige Spieler sind erst seit wenigen Wochen dabei. Präsidium ist Familiensache Bis zur U-17 hat Primerano beim FC Zürich gespielt, danach bei Blue Stars in der 2. Liga. «Doch da hat es mir abgelöscht», sagt der 26-Jährige. Als Verteidiger habe er den Ball nur nach vorne schlagen müssen, danach habe er sich gelangweilt. Seine Fussballkarriere war beendet &endash bis ihm sein vier Jahre jüngerer Bruder Carlo vor drei Jahren vorschlug, Futsal auszuprobieren. Von den TV-Übertragungen kannte er diese besondere Form des Hallenfussballs. Die Brüder Primerano begannen bei US Avellino Zurigo in der NLB, der zweiten und tiefsten Spielklasse. Bald überwarfen sie sich mit dem Trainer, wollten aber nicht mehr vom Futsal lassen. Der Ball, der kaum aufspringt und so zu Flachpässen zwingt, das schnelle, dynamische Spiel in Fünferteams, die Regel, ab dem fünften bei jedem weiteren Foulspiel einen Penalty zu verhängen; all das faszinierte die Primeranos.Am 5. Februar 2009 gründeten die Schlieremer ihren eigenen Verein. Marco übernahm die Führung, Carlo unterstützte seinen Bruder als Vizepräsident. Im Internet suchten sie Mitspieler, beim Sportamt der Stadt Zürich bewarben sie sich um Turnhallen. Schon am Ende der zweiten Saison, im vergangenen Februar, stieg Urban Futsal Zürich in die NLA auf. «Unser Verein soll Menschen verschiedener Herkunft zusammenbringen», sagt Marco Primerano. Im Tor steht ein Kosovare, davor wirbeln Portugiesen, Brasilianer, Italiener, Schweizer. Für Futsal die Stelle gewechselt In der Schweiz fristet Futsal noch immer ein Schattendasein: Keine 20 Zuschauer beobachten die vier Spiele, die am Sonntag in der Sporthalle Sonnenberg in Thalwil ausgetragen werden; neben Beach Soccer und Firmen- sowie Behindertenfussball wird Futsal vom Schweizerischen Fussballverband dem Bereich «Breitenfussball» zugerechnet. «Im internationalen Vergleich haben wir 20 Jahre Rückstand», sagt Marco Primerano. In Brasilien beispielsweise gehört Futsal zur Ausbildung jedes Talents. Pelé, Zico, Bebeto oder Ronaldo hätten ihre Technik und Geschicklichkeit auch dem Futsal zu verdanken, heisst es. Per Mail erhalten die Primeranos immer wieder Bewerbungen von südamerikanischen Trainern, die gerne zu Urban Futsal Zürich wechseln würden. Sie müssten sie dann jeweils aufklären, dass man in der Schweiz mit Futsal noch kein Geld verdienen könne, sagt Marco Primerano. Deshalb hat er das Traineramt selbst inne, ehrenamtlich, zusätzlich zu den Aufgaben als Präsident. Um mehr Zeit für seinen Klub aufwenden zu können, hat der Einkaufsfachmann vor zwei Wochen eine neue Stelle angetreten, näher bei seinem Wohnort Schlieren und dem Zürcher Schulhaus Bühl, wo die Trainings stattfinden. Die zeitliche Belastung sei extrem, sagt er. In den Mittagspausen aktualisiere er jeweils die Vereinswebsite.Schade findet Marco Primerano, dass in der Schweiz nur in den Wintermonaten Futsal gespielt wird. Während bei Spitzenteams wie Seefeld oder Croatia 97 Appenzell fast alle Spieler in erster Linie Rasenfussball spielen und Futsal nur zur Überbrückung der Winterpause nutzen, will Primerano bei seinem Verein voll auf Futsal setzen. Ein ganzjähriger Spielbetrieb sei Voraussetzung, um international den Anschluss zu schaffen, glaubt er. Vom Potenzial und der Attraktivität der Randsportart ist Primerano genauso überzeugt wie vom Klassenerhalt seiner Mannschaft. «18 Treffer, das ist doch wunderbar für die Zuschauer», sagt er und fügt lachend an: «Auch wenn in diesem Spiel leider zu viele Tore auf der falschen Seite fielen.» Marco Primerano (r.) und Urban Futsal Zürich wurden von Croatia 97 Appenzell zwar klar in die Schranken gewiesen. Sein Einsatz kennt aber kaum Grenzen. Foto: Sabina Bobst

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