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Traurige Aussichten für den ÖV: «Wo wir fahren, geht Zürich»

Streiken Zürichs VBZ-Piloten oder streiken sie nicht? Am besten, man rechnet mit dem Schlimmsten.

Von Marcel Reuss Wie charmant sie doch flirteten, die drei Busfahrer vom VBZ-Werbeplakat: «Liebe Frauen: Es gibt noch Männer, die pünktlich sind, galant die Tür aufmachen und euch nach dem Ausgang unaufdringlich nach Hause bringen.» Die Zeiten haben sich leider geändert. Die lieben Zürcher Frauen fragen sich heute nicht mehr, ob ihr Chauffeur pünktlich kommt. Sie fragen sich, ob er überhaupt kommt.Das ist die Frage, die Zürich zurzeit bewegt. Zumindest jenes Zürich, das bisher glaubte, dass sich Umsteigen lohnt. Bis nächsten Donnerstag tut es das auch noch. Gescheiter aber, man bereitet sich bereits heute auf das Schlimmste vor: auf Billettautomaten, die vor sich hin rosten. Auf leere Tramtrassees, auf denen verwahrloste Kundenberater nach Schwarzfahrern suchen und nervöse Troubleshooter nach einem Gesamtarbeitsvertrag. Hört die Signale Noch ist das alles nur Hypothese, umso wichtiger ist für den Regenbogenabo-Besitzer das richtige Einschätzen der Lage. Folgende Nachrichten signalisieren eine Entspannung: 1. Die VBZ sichern ihren Piloten zu, die Führerkabine bereits während der Fahrt als Fumoir benützen zu können. 2. Die VBZ verbieten in Tram und Bussen ab sofort das Lesen von Gratiszeitungen. Das würde den Chauffeuren die 20 Minuten Pause zurückgeben, die sie zuvor mit Einsammeln vergeudeten. 3. Die VBZ versichern, dass Stadtrat Türler jeden Piloten, damit er sich wertgeschätzt fühlt, vor seinem Einsatz 20 Sekunden herzlich umarmen wird. Weil ein Stadtrat allein das aber nicht bewältigen kann, suchen die Verkehrsbetriebe in einem Casting nach Türler-Doppelgängern. Liebe Tageskarten-Löser, liebe Leserinnen, sollten Sie nichts in diese Richtung vernehmen, dann bitte rechnen Sie mit dem Extremfall. Rechnen Sie damit, dass sie nun zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem Auto in die Stadt müssen. Spazieren statt Tram sitzen Denken Sie positiv. Denken sie daran, dass Gehen gesünder ist als Sitzen. Denken Sie daran, dass Zürich eine schöne Stadt und verglichen mit Shanghai eine der kurzen Wege ist. Wie kurz, dafür müssen Sie allerdings ein Gefühl entwickeln. Die folgende kleine Übersicht soll Ihnen dabei helfen: Krankenschwestern aus Schwamendingen zum Beispiel wandern in 108 Minuten zum Triemlispital. Investmentbanker vom Züriberg in 26 Minuten zum Paradeplatz. Polizeireporter aus Höngg in 62 Minuten zum Stauffacher. Und Schulhausabwarte in 3 in die Turnhalle (Quelle: Google Maps). Radeln statt Bus fahren Wem Zürichs kurze Spazierwege trotzdem zu lang sind, dem empfiehlt sich als Tram-Ersatz das Velo. Denken Sie auch hier positiv. Denken Sie, dass Velofahren, weil gelenkschonend, noch gesünder als Gehen ist. Und denken sie, dass kein 32er Ihren Ritt durch die Langstrasse stören wird. Unsere Krankenschwester wird in 34 Minuten im Triemli, der Banker in 7 am Paradeplatz, der Polizeireporter in 17 am Stauffacher sein und der Abwart in 3 Minuten in der Turnhalle (Quelle: Züriplan). Gas geben statt nass werden Sollte es während des Streiks aber schütten, bleibt das Auto die bequemste Lösung: Mit 17 Minuten muss die Krankenschwester rechnen, mit 10 Minuten der Banker und mit 11 der Polizeireporter (Quelle: Google Maps). Und der Parkplatz? Herrje, bleiben Sie positiv, in Zürich ist zurzeit alles möglich. Hoffen Sie auf den Synergieeffekt eines gleichzeitigen Polizeistreiks. Und wenn man kein Auto hat? Ja, dann werden Sie am besten noch heute Mitglied von Mobility oder fahren vor dem grossen Streik mit dem letzten 31er zu einem Occasionshändler nach Schlieren. Image polieren Vor dem grossen Streik ist nach dem grossen Streik, und spätestens seit Bea Tschanz wissen wir: In der Krise muss man aktiv kommunizieren. Für die VBZ empfiehlt sich deshalb ein Fortführen der Erfolgskampagne. Unter dem Claim «Wo wir fahren, geht Zürich» könnte an jeder Limmatquai-Haltestelle stehen: «Hier können Sie lange warten, bis ein 4er kommt.» Anmerkungen: Krisenmanagement geht davon aus, dass sich Krisen managen lassen. Jüngste Beispiele legen allerdings anderes nahe. Lesen Sie deshalb unten, was Zürich droht, wenn der ÖV ganz abstürzt. «Hoffen Sie auf den Synergieeffekt eines gleichzeitigen Polizeistreiks.» Aktives Kommunizieren ist auch in der Krise wichtig: Zwei Vorschläge, die auf bisherigen VBZ-Sujets basieren. Fotomontage: TA Grafik

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