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«Tyrannisch, grausam, erniedrigend»

Mark W. und Barbara N. erhielten hohe Strafen. W. wird nicht verwahrt, wurde aber sofort verhaftet.

Von Thomas Hasler Wila/Zürich – Er unterwerfe sich der weltlichen Gerichtsbarkeit, hatte Mark W. unter Berufung auf die Bibel zum Abschluss des Prozesses gesagt. Nun hat die Gerichtsbarkeit entschieden: Der 44-jährige Vater der misshandelten Salome und Gabriela wurde zu einer Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt. Entgegen dem Antrag von Staatsanwalt Ulrich Weder verzichtete das Gericht auf eine Verwahrung des Vaters. Die 62-jährige Barbara N. muss für sieben Jahre ins Gefängnis. Salome erhält eine Genugtuung von 75 000 Franken. Gabriela starb, nachdem sie von Lea K. zu Tode geschüttelt worden war. Lea K. wird im Frühjahr der Prozess gemacht. Für das Geschworenengericht war «völlig klar», dass die Angeklagten mit ihrem Erziehungs- und Strafsystem eine schwere Schädigung der Mädchen in ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit in Kauf genommen hatten. «Jeder halbwegs vernünftige Mensch» wisse das, sagte Gerichtspräsident Pierre Martin. Dass die Schädigung schwer war, gehe «mit aller Deutlichkeit» aus den Beurteilungen der Fachärzte hervor. In ständiger Angst gelebt Die Kinder, so Martin, hätten in ständiger Angst vor Bestrafung gelebt. Es sei «zynisch», wenn die Angeklagten sagten, die Kinder hätten gehorchen können. Es sei richtig, von «tyrannischen, unmenschlichen, grausamen und erniedrigenden» Tathandlungen zu sprechen. Warum das Geschworenengericht von den beantragten Strafen von zwölf und acht Jahren abwich, begründete er nicht näher. Mark W. sei der Hauptverantwortliche, Barbara N. habe in einer «gewissen Hörigkeit» gegenüber W. und den Lehren von Jakob Lorber gehandelt. Eine Verwahrung von Mark W. lehnte das Gericht ab. Diese Massnahme wäre unverhältnismässig. Der 44-Jährige sei nicht der hochgefährliche Täter, der spontan eine Katastrophe auslöse. Er sei ausserhalb der Kindererziehung nicht gefährlich. Zudem könnten ihm die Behörden auch nach Verbüssung der Freiheitsstrafe Weisungen erteilen, um weitere Straftaten zu verhindern. In einer ersten Stellungnahme sagte Staatsanwalt Ulrich Weder, er könne mit dem Urteil leben. Die Verteidiger Dario Zarro und Marianne Schaub, welche die Angeklagten im Auftrag des Staates vertreten hatten, wollen die schriftliche Begründung des Urteils abwarten, ehe sie über das weitere Vorgehen entscheiden. Nach dem Urteil wurde Mark W. von Polizisten verhaftet und abgeführt. Der Brite wird wegen Fluchtgefahr in Sicherheitshaft gesetzt. Normalerweise bleiben Verurteilte auf freiem Fuss, solange das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Der Hauptangeklagte Mark W. vor dem Geschworenengericht, rechts die Mitangeklagte Barbara N.Illustration: Linda Graedel

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