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Über Umwege in ruhige Gewässer

Pamela Weisshaupt holte im Leichtgewichts-Skiff zum 2. Mal WM-Gold. Nun heisst das Ziel der Zürcherin Olympia 2012.

Im Konzert der Grossen spielt der Schweizerische Ruderverband seit Jahren keine Rolle mehr. Pamela Weisshaupt besetzt mit dem nicht olympischen Leichtgewichts-Skiff eine Nische, in der sie sich zur Nummer 1 hochgearbeitet hat. Die in Egg wohnhafte Betreiberin von Pam’s Ruderschule machte aus der Not eine Tugend. Im polnischen Poznan feierte sie gestern ihren zweiten WM-Titel in Folge.

An Olympische Spiele aber hat es Weisshaupt bisher nicht geschafft. Dreimal hatte die 30-Jährige vergeblich versucht, sich im Doppelzweier zu qualifizieren, der einzigen «leichten» Frauen-Klasse mit Olympiastatus. Entweder fehlte ihr die Klasse, das Glück, die richtige Partnerin oder von allem ein bisschen.

2007 hatte Weisshaupt mit dem Spitzensport schon einmal abgeschlossen. Ausgerechnet bei ihrem vermeintlich letzten Einsatz, einem halbherzig vorbereiteten Langstreckentest, merkte sie, dass die Leidenschaft doch noch nicht erloschen war. Nach dem Relaunch verpasste sie die Olympiateilnahme zwar deutlich. Doch die Basis für den WM-Titel als Skifferin im gleichen Sommer war gelegt.

Dass sich Weisshaupt im reifen Sportlerinnenalter zu einem der weltbesten «Leichtgewichte» entwickelt hat, liegt nicht zuletzt an Claudia Blasberg. Die Deutsche gewann 2000 und 2004 Olympiasilber, bevor sie zurücktrat und sich als Alphirtin und Trainerin im Tessin niederliess. «Sie schreibt das Rezept, und ich versuche, es nicht allzu sehr zu hinterfragen», erklärt Weisshaupt das Ferncoaching.

In ihrer ersten Karriere stand sich Weisshaupt manchmal selber im Weg. Sie liess sich in kein Schema pressen und rieb sich immer wieder an Verbandsfunktionären und -trainern. «Jetzt steht der Verband hinter mir, ich fühle mich getragen und voll unterstützt.» Immer wieder spricht Weisshaupt vom Vertrauen, das sie so sehr brauche und endlich von allen Seiten spüre. Für die Wende zum Guten waren nicht nur Personalwechsel verantwortlich. Weisshaupt veränderte auch ihre Attitüde. Leidenschaft, Genuss und Spass stehen für sie heute nicht nur als Instruktorin, sondern auch in der eigenen Karriere im Zentrum.

Das Training übertrieben

Nach der Goldmedaille vor einem Jahr in Linz war die Motivation so gross, dass es die Beflügelte in der Vorbereitung übertrieb. Übertraining, Rücken- und Kniebeschwerden hätten Weisshaupt beinahe die Saison gekostet. Sie absolvierte ihr eigenes (Schon-)Programm und schob die geplante Rückkehr in einen Doppelzweier auf. Die ersten Weltcup-Regatten durfte Weisshaupt auslassen. Mit Rang 4 gelang ihr beim Weltcup-Final auf dem Rotsee ein Comeback, das sie wieder zur (Gold-) Medaillenanwärterin machte.

Nach dem zweiten Titel ist es nun höchste Zeit, wieder in den Doppelzweier zu sitzen. Den Traum von Olympia hat Weisshaupt nämlich nicht begraben. Die Spiele 2012 in London sind das Ziel. Damit sich nach mehreren gescheiterten Versuchen doch noch einmal eine vielversprechende Partnerschaft ergibt, muss aber mindestens eine der Kandidatinnen ähnliches Engagement an den Tag legen.

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