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Ueli Vogel-Etienne Der Zürcher Rechtsanwalt kämpft gegen die Missstände im Migrationsamt. Von Hugo Stamm

Der unscheinbare Held

Der Zürcher Regierungspräsident Hans Hollenstein (CVP) und seine Führungskräfte im Migrationsamt müssen sich warm anziehen. Nicht nur wegen des garstigen Frühlingswetters. Auch, weil sie Ueli Vogel-Etienne als Gegenspieler in der Affäre um das Migrationsamt haben (TA vom Dienstag). Der Rechtsanwalt ist von seiner Statur her zwar recht unauffällig. Sein Schatten wird aber mächtig, wenn er als Anwalt der kleinen Leute auf die Barrikaden steigt.

Hollenstein ist deshalb gut beraten, die Akten über den Zürcher Klärschlamm-Fall zu studieren. In diesem Lehrstück eines politischen Skandals aus den 90er-Jahren vertrat Vogel-Etienne die beiden Angestellten Angela Ohno und Hanspeter Heise, die die Korruption und widerrechtliche Entsorgung des Klärschlamms aufgedeckt hatten. Nachdem die Überbringer der schlechten Nachricht entlassen oder versetzt worden waren, lief Vogel-Etienne zur Hochform auf. Er erkannte, dass gegen den politischen Filz selbst das Recht oft keine taugliche Waffe ist. Deshalb nutzte er den öffentlichen Druck. Und: Wenn Vogel-Etienne auf der Akte steht, ist auch Vogel-Etienne drin: also knallharte Fakten und präzise Analysen.

Zusammen mit dem «Tages-Anzeiger» klärte er den Korruptionsfall um den Klärschlamm auf, bis auch die Politiker ihre Augen nicht mehr verschliessen konnten. Der Gemeinderat sah sich 1996 gezwungen, eine PUK einzurichten. Die Untersuchung bestätigte die Vorwürfe. Ohno und Heise wurden rehabilitiert und mit dem Prix Courage belohnt. Eigentlich hätte Vogel-Etienne ebenfalls ausgezeichnet werden müssen.

Wer dem 58-jährigen Rechtsanwalt zum ersten Mal begegnet, käme nie auf die Idee, dass er einen Kämpfer für Benachteiligte vor sich hat. Er ist stets korrekt gekleidet bis zur assortierten Krawatte und wirkt ein wenig beamtenhaft. Fast unscheinbar. Bis auf die hellwachen Augen. Seine Tarnung: Er wird gern unterschätzt. Mit seinen schnellen Gedanken und Analysen ist er seinen Gegnern oft einen Schachzug voraus. Seine Dossiers sind armdick und akribisch recherchiert.

Vogel-Etienne liebt die schwierigen Fälle und kämpft gern für gemobbte Angestellte. Einige Beispiele aus einer langen Liste: Nach der undurchsichtigen Entlassung des Höngger Stadtförsters Hans Nikles kam Etienne-Vogel zum Einsatz. Im Fall des Solothurner Stapo-Kommandanten Rolf Walker nahm es der Anwalt auch mit der Zürcher Kantonspolizei auf, die Walker unter fragwürdigen Umständen entlassen hatte. Im jüngsten Fall vertritt der Anwalt eine Familie, die kürzlich ihren 14-jährigen Sohn wegen einer Hirnhautentzündung verlor. Das Spital Männedorf hatte ihn irrtümlich gegen Schweinegrippe behandelt. Doch auch ein Vogel-Etienne gewinnt nicht immer. Das Gesetz ist oft auf der Seite der Arbeitgeber.

Vogel-Etienne ist auch sonst oft auf der Seite der Opfer. Seit Jahren kämpft er bei Roadcross (früher Strassenopfervereinigung) für die Hinterbliebenen von Raser-Opfern. Ausserdem setzt er sich in Tierschutzorganisationen für die Rechte der Tiere ein. Sein Herz schlägt auch für hungernde Kinder in Entwicklungsländern. So engagiert sich Ueli Vogel-Etienne als Vizepräsident des Kinderhilfswerks World Vision.

Zurück zum Fall aus dem Migrationsamt: 1998 wurde FDP-Stadtrat Hans Wehrli abgewählt. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Klärschlamm-Affäre, indirekt auch der unauffällige Anwalt Ueli Vogel-Etienne. Seien Sie also gewarnt, Herr Hollenstein.

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