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Hat die SZU ein Sicherheitsproblem?

Eine Seniorin ist von der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn mitgezogen und schwer verletzt worden. Der Schlussbericht zum Fall bringt nun schwerwiegende Fakten an den Tag.

Eine der Türen des Wagentyps, der in den Unfall involviert war. Kleber an den Flügeltüren warnen nun neu die Passagiere beim Ein- und Aussteigen.
Eine der Türen des Wagentyps, der in den Unfall involviert war. Kleber an den Flügeltüren warnen nun neu die Passagiere beim Ein- und Aussteigen.
SZU

Eine 78-jährige Frau will im Januar 2016 in die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) Richtung Hauptbahnhof einsteigen. Ehe ihr dies gelingt, schliesst die Tür und klemmt ihren Arm ein. Der Zug fährt los. Das Unheil nimmt seinen Lauf: Die Frau wird mitgezogen, fällt nach einigen Metern hin und bleibt schwer verletzt auf dem Perron liegen.

Im eben erschienenen Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) heisst es: «Der nicht den aktuell anerkannten Regeln der Technik entsprechende Einklemmschutz der Türen meldete dem Lokführer fälschlicherweise korrekt verriegelte Türen.» Wären die SZU-Türen mit heute üblichen, modernen Schutzelementen ausgerüstet gewesen, hätte der Unfall laut Sust verhindert werden können.

Noch nie passiert in der SZU-Geschichte

Hat die SZU ein Sicherheitsdefizit? SZU-Direktor Armin Hehli ist nicht dieser Ansicht. «Unsere Sicherheits- und Warnfunktionen haben funktioniert. Ich bedauere, dass dieser Unfall mit schweren Folgen für die Passantin passiert ist», sagt er gegenüber Redaktion Tamedia. Einen Vorfall solcher Tragweite habe es in der Geschichte der SZU noch nie gegeben. Die Unfalltür war Bestandteil eines Triebwagens des Typs Be 556, Baujahr 1992. Acht solche Fahrzeuge hat die SZU aktuell im Betrieb.

Aufgrund der Türkonstruktion dieser acht Triebwagen sei es nicht möglich, in den vertikalen Handschutzgummis einen Einklemmschutz einzubauen, sagt Hehli. Die Gummiprofile seien aber so dimensioniert, dass sich ein ungefähr acht Zentimeter breiter Gegenstand – also eine Hand oder ein Arm – auch bei geschlossener Tür mit geringem Kraftaufwand herausziehen lasse. Weshalb dies der 78-jährigen Frau nicht gelungen sei, wisse er nicht.

Erste Massnahmen getroffen

Die SZU hat nun Massnahmen ergriffen, damit ein solcher Unfall nicht mehr passiert. Auf allen Türflügeln finden sich Kleber mit entsprechenden Symbolen, welche die Passagiere beim Ein- und Aussteigen warnen und ihnen das richtige Verhalten zeigen. Zudem verhindert neu das Drücken der Türstopptaste ein Schliessen der Türen, und es geht automatisch ein Signal in den Führerstand, wenn dieser Knopf gedrückt wird – auch bei bereits geschlossener Tür.

Laut Hehli will die SZU so schnell wie möglich alle acht Fahrzeuge des Typs Be 556 mit einem modernen, zeitgemässen Passagierschutz nachrüsten. Für die Optimierung des Türsicherheitssystems hat die SZU dafür im vergangenen Jahr finanzielle Mittel bereitgestellt. Der Kostenpunkt der Nachrüstung sei allerdings noch nicht absehbar. Eine durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) zulassungsfähige und betrieblich zuverlässige Lösung beanspruche noch weitere Zeit, sagt der SZU-Direktor.

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