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Umfahrung des Neeracherrieds gefährdet

Der Kanton will die Strasse durch das Neeracherried sanieren statt verlegen. Die Naturschutzverbände sind erzürnt.

Neerach - Im kantonalen Richtplan ist die Umfahrung des Neeracherrieds bereits vorgemerkt. Der Kantonsrat hat vor drei Jahren einstimmig beschlossen, das Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung zu schützen und die heutige Zerschneidung durch die Wehntaler- sowie die Glattalerstrasse aufzuheben. Das Ried sollte südlich entlang dem Fischbach umfahren werden.

Inzwischen hat der Kanton im Rahmen einer Zweckmässigkeitsstudie alle Varianten einer Umfahrung geprüft und die Gemeinden dazu angehört. Gestern nun präsentierte er seine Schlussfolgerung: Vorläufig soll auf die Umfahrung verzichtet werden, weil jede Variante für die umliegenden Gemeinden Mehrverkehr bringe. Die stark baufällige Wehntalerstrasse - sie wird wegen der eingesunkenen Betonplatten aus den 50er-Jahren auch Holperpiste genannt - soll nun saniert werden. «Vorderhand wird auf die Umfahrung verzichtet», sagt Anselm Schwyn vom Amt für Verkehr, «der Eintrag im Richtplan bleibt aber bestehen.» Um mit den Gemeinden einen Konsens zu finden, brauche es noch etwas Zeit. Den Zeithorizont setzt er bei zehn bis zwanzig Jahren an.

Erleichtert über die neuste Mitteilung aus der Volkswirtschaftsdirektion sind die umliegenden Gemeinden. Diese haben sich gegenseitig abgesprochen und hätten die Variante einer Untertunnelung des Moors favorisiert. Der Kanton hat diese Variante geprüft, aber verworfen, weil sie mit 200 Millionen Franken zu teuer geworden wäre. Mit der Sanierung der Strasse können die Gemeinden nun gut leben.

«Verstoss gegen Richtplan»

Mit empörten Medienmitteilungen reagierten hingegen fast alle Parteien sowie der Naturschutz. Stefan Heller, Co-Präsident des Vogelschutzes ZVS/BirdLife Zürich: «Das kantonale Amt verstösst gegen den Moorschutz und gegen die gültige Richtplanung des Kantons.» Ob das Vorgehen rechtens ist, will er abklären. Heller befürchtet, dass mit einer Sanierung der Strasse die Umfahrung des Moors «auf den Sankt-Nimmerleins-Tag» verschoben wird. «Der Kanton zementiert den Istzustand. Ich glaube nicht, dass er in zehn Jahren mit den Gemeinden anders verhandeln kann.»

Das Vorgehen des Kantons missbilligt auch der grüne Kantonsrat Robert Brunner aus Steinmaur. «Man hätte die Gemeinden nicht in die Grobplanung einbeziehen und sie mit unfertigen Lösungen konfrontieren dürfen. Der Kantonsrat hat sich klar für die Süd-umfahrung entlang dem Ried ausgesprochen. Das hätte der Natur sowie der Bevölkerung nur Vorteile gebracht.»

Diese Südumfahrung hätte allerdings vom Bundesamt für Umwelt eine Ausnahmebewilligung bedingt, weil das Moor entlang dem Fischbach noch immer tangiert gewesen wäre. Aber auch Stefan Heller vom Vogelschutz hätte darin kein Problem gesehen: «Das Moor wäre dennoch geschützter gewesen als heute.»

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