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Trotz Polit-Wirren: Mehrheit der Zürcher will neues Fussballstadion

Angeführt von der SP bekämpfen die Gegner seit Wochen das Projekt. Aber laut einer repräsentativen Umfrage liegen die Befürworter vorne.

Das Projekt «Ensemble» kurz erklärt: Darüber stimmen die Stadtzürcher am 25. November ab. Video: Tamedia/Keystone/Wibbiz

Einen Monat vor der Abstimmung in der Stadt Zürich über ein neues Fussballstadion auf dem Hardturm liegen die Befürworter laut einer Umfrage vorne: Demnach würden 54 Prozent der Stadtzürcher Stimmbevölkerung ein Ja in die Urne legen.

Relativ wenige, nur 27 Prozent würden die Vorlage ablehnen. Auffällig ist, dass noch 19 Prozent unentschlossen sind oder keine Angaben machten, wie aus der heute Dienstag veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts Demoscope im Auftrag der SRF-Sendung «Schweiz aktuell» hervorgeht.

Das Resultat der Umfrage überrascht, weil insbesondere die stärkste Partei der Stadt, die SP, das Projekt heftig bekämpft. Auch die Grünen haben die Nein-Parole herausgegeben. In der Basis scheinen die Gegenargumente allerdings nur mässig zu verfangen. Laut Umfrage würden 43 Prozent der linken Wählerinnen und Wähler ein Ja einwerfen, 39 Prozent würden Nein sagen.

Und so sieht es heute aus: Die Brache des ehemaligen Hardturmstadions.
Und so sieht es heute aus: Die Brache des ehemaligen Hardturmstadions.
Ennio Leanza, Keystone
Bekämpft das Stadionprojekt: Die SP und die Grünen bekämpfen das Stadionprojekt gegen ihre eigenen Stadträte.
Bekämpft das Stadionprojekt: Die SP und die Grünen bekämpfen das Stadionprojekt gegen ihre eigenen Stadträte.
Melanie Duchene, Keystone
Simpel und direkt: Mit einem Ja werben die Befürworter für das Projekt «Ensemble».
Simpel und direkt: Mit einem Ja werben die Befürworter für das Projekt «Ensemble».
Melanie Duchene, Keystone
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Bei der Frage nach den Vorteilen der Vorlage nannte eine Mehrheit von 35 Prozent das Argument, dass Zürich ein «richtiges» Fussballstadion erhalten würde. Bei den Nachteilen nannten die Teilnehmenden die Hochhäuser respektive den Schattenwurf an erster Stelle.

Die telefonische Umfrage wurde vom 15. bis 23. Oktober bei insgesamt 1000 in der Stadt Zürich stimmberechtigten Personen ab 18 Jahren durchgeführt. Der Fehlerbereich liegt bei +/-3,1 Prozentpunkten. Auch abzüglich dieser Unschärfe geht die Umfrage als davon aus, dass bei der Momentaufnahme Mitte Oktober eine Mehrheit das Stadionprojekt wollte. Werner Reimann, der mit seinem Team von Demoscope die Umfrage durchführte, sagt gegenüber Radio SRF, dass ihn die Deutlichkeit des Ergebnis überraschte. In den Medien habe man den Eindruck gehabt, Gegner und Befürworter hielten sich in etwa die Waage.

Die Resutlate können derzeit nicht mit anderen Umfragen verglichen werden. Die Kampagnen-Leiter der Stadionbefürworter liessen zwar eine durchführen, halten sie aber laut «NZZ am Sonntag» unter Verschluss – offenbar aus taktischen Gründen.

Stadion mit Wohnungen und Büros

Die Stimmberechtigten entscheiden am 25. November, ob die Fussballclubs FCZ und GC auf dem Hardturm-Areal eine neue Heimat erhalten. Das Projekt «Ensemble» der Investoren HRS, Immobiliengefässe der Credit Suisse sowie Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ) sieht auf dem rund 55'000 Quadratmeter grossen Areal ein Stadion für rund 18'000 Zuschauer, 174 Genossenschaftswohnungen und zwei 137 Meter hohe Wohn- und Bürotürme mit rund 600 Wohnungen vor. Die gesamten Investitionen belaufen sich auf rund 570 Millionen Franken.

Der Investor will mit den Wohntürmen das Stadion querfinanzieren. Dadurch müsste sich die Stadt weder am Bau noch am Betrieb finanziell beteiligen. Mit einem reduzierten Baurechtszins auf den Baufeldern, auf denen die Türme stehen werden, unterstützt sie das Projekt aber trotzdem: Der Einnahmeverzicht beläuft sich jährlich auf maximal 1,7 Millionen Franken.

Die Parteien sind gespalten – teilweise sogar intern: Ja zum Stadion sagen neben dem Stadtrat die Parteien FDP, GLP, SVP, BDP und EVP, Nein die SP und die Grünen, die AL hat Stimmfreigabe beschlossen. Es haben sich verschiedene Komitees gebildet, beispielsweise ein bürgerliches Nein- und ein linkes Ja-Komitee.

Die SP hat eine Initiative für ein von der Stadt finanziertes Stadion ohne Hochhäuser gestartet und will sie noch vor der Abstimmung einreichen. Stadionkritiker wollen ausserdem mittels Stimmrechtsrekurs die Abstimmung verschieben. Sie haben bereits angedroht, sollte der Bezirksrat erst nach dem 25. November rechtskräftig entscheiden, gegen das Abstimmungsergebnis vorzugehen.

SDA/ij

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