Und dann liessen sich Firmen plötzlich seltener hier nieder

Die Zürcher Standortförderung ist erfolgreich. Es sei denn, die Politik macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Das zeigt ein neuer Bericht.

Die «Greater Zurich Area» boomt: Seit 2009 gab es 835 Neuansiedlungen.

Die «Greater Zurich Area» boomt: Seit 2009 gab es 835 Neuansiedlungen. Bild: Urs Jaudas

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Die Zahlen sind eindrücklich – und eindeutig. Zwischen 2009 und 2017 hat die «Greater Zurich Area» (GZA), die Standortförderung der Kantone Zürich, Glarus, Graubünden, Schaffhausen, Solothurn, Schwyz, Uri und Zug, Jahr für Jahr zwischen 90 und 100 Unternehmen in der Region angesiedelt. Nur ein Jahr fällt aus dem Rahmen. 2014 gelangen nur 71 Ansiedlungen.

Der Grund für die Delle liegt auf der Hand: Am 9. Februar jenes Jahres sagten die Stimmbürger mit 50,3 Prozent Ja zur Masseneinwanderungsinitiative. «Das hat ganz klar dazu geführt, dass Ansiedlungen schwieriger wurden», sagt Reto Sidler, Mediensprecher der GZA. «Unklare Verhältnisse schrecken die Unternehmen ab.» Als sich in der politischen Debatte abzeichnete, dass die Initiative wohl doch nicht so drastische Folgen hat, kamen rasch wieder mehr Firmen. 2015 waren es bereits 93, 2016 schon wieder 105.

55 Millionen Steuereinnahmen

Die Zahlen stammen aus einem Bericht der Beratungsfirma Ernst & Young, den die GZA heute veröffentlicht hat. Ernst & Young hat darin den Erfolg der GZA für die Jahre 2009 bis 2017 untersucht. Gemäss dem Bericht arbeitet die Standortförderung «substanziell und nachhaltig». Seit 2009 hat die GZA 835 Unternehmen hier angesiedelt und damit 7423 Vollzeitstellen geschaffen. Zwar gelingt nicht jede Neuansiedlung, aber neun von zehn Unternehmen bleiben gemäss dem Bericht auch über längere Zeit hier.

Das Wachstum zahlt sich in Form von Steuereinnahmen aus. Ernst & Young schätzt die jährlichen Mehreinnahmen «vorsichtig» auf ungefähr 55 Millionen Franken, und das bei Kosten von etwa 6,5 Millionen Franken pro Jahr für die Standortförderung. Nicht eingerechnet seien dabei die positiven Effekte ausserhalb des eigentlichen Unternehmens, beispielsweise in Form von Aufträgen für regionale Zulieferbetriebe.

Aus der Schweiz nach Europa

Was aber macht die Region so erfolgreich? Laut Pressesprecher Reto Sidler sind drei Faktoren ausschlaggebend. Der wichtigste ist mit Abstand die Verfügbarkeit von Fachkräften und jungen Talenten, und hier sei Zürich, abgesehen von den politischen Einschränkungen, gut unterwegs: «Dank der hohen Lebensqualität und der guten Löhne fällt es internationalen Firmen nicht schwer, Fachkräfte hierherzuholen.»

Zentral sei zweitens der möglichst ungehinderte Zugang zu Europa, so Sidler: «Viele Firmen sind nicht primär am Schweizer Markt interessiert, sondern am europäischen.» Das zeigen auch die Zahlen im Bericht: Vier von fünf Firmen operieren gemäss eigenen Angaben international. Fast 60 Prozent sind dabei sogar über Europa hinaus tätig.

Eine weitere wichtige Rolle spielt die Stabilität der Schweiz. Umgekehrt gilt, je unklarer die künftigen gesetzlichen Vorschriften sind, desto eher entscheiden sich die Firmen für andere Standorte. Die Steuerlast hingegen ist laut Sidler nur noch ein untergeordnetes Kriterium: «Es gibt mittlerweile zahlreiche steuergünstige Standorte, die sich dennoch nicht durchsetzen konnten. Die Unternehmen wollen vor allem ihre Kosten langfristig planen und ein attraktives Umfeld bieten können.»

Erstellt: 11.12.2018, 11:56 Uhr

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