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Und ewig streiten sie um Glocken

Gespräche mit der Kirchenpflege Egg über eine Reduzierung des Kirchengeläuts sind gescheitert. Der Antragsteller muss sich nun überlegen, ob er einlenken oder an den Gemeinderat gelangen soll.

Richard-Mark und Nancy Dodds wohnen mit ihren drei Kindern seit acht Jahren in der Nähe der reformierten Kirche Egg. Das Glockengeläut sei zu laut, finden sie. Störend sei es vor allem an Wochenenden, wenn dreimal je 15 Minuten lang mit allen fünf Glocken geläutet werde. Sie wollten wissen, wie laut das ist. Mit einem Messgerät der Zürcher Baudirektion haben sie es herausgefunden: 97,2 Dezibel. Das ist so laut wie ein Güterzug, der mit 80 km/h im Abstand von 7,5 Metern vorbeidonnert. Richard-Mark Dodds hatte der Kirchenpflege vorgeschlagen, mit baulichen Massnahmen den Lärm zu senken und sich bereit erklärt, einen Teil der dabei entstehenden Kosten zu übernehmen. Auf diesen Vorschlag sei die Vertretung der Kirchenpflege aber nicht eingetreten, weil der Kirchturm erst kürzlich renoviert wurde, sagte Dodds.

Am 5. Juli kam es zum Gespräch zwischen den Konfliktparteien. Dies, nachdem sich Dodds an die Medien gewandt hatte und im Juni ein Artikel über den Streit um das Kirchengeläut erschienen war. Dodds schlug vor, am Samstag- und am Sonntagabend die Kirchenglocken um 19 Uhr nicht mehr 15, sondern nur noch 5 Minuten zu läuten. Er habe den Eindruck gehabt, dass dies als akzeptabler Kompromiss aufgenommen worden sei. Diese Hoffnung zerschlug sich, als er Mitte Juli ein Schreiben der Kirchenpflege erhielt. Sie teilte ihm mit, dass sein Anliegen besprochen wurde. Resultat: «Die Kirchenpflege kann sich mit einer Reduktion des Läutens am Samstag- und Sonntagabend auf je 5 Minuten nicht einverstanden erklären.» Begründung: «Das Ein- und Ausläuten des Sonntags ist ein bedeutendes, in unserer Tradition verankertes kulturelles Gut, und die Kirchenpflege hat bei ihrer Entscheidung die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung mitzuberücksichtigen.»

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