Zum Hauptinhalt springen

Unsicherheit spielt Temporärbüros in die Hände

Noch trauen die Firmeninhaber der Wirtschaftslage nicht. Sie zögern deshalb, Arbeiter fest anzustellen.

Von Pia Wertheimer Oberland – Die erstarkte Konjunktur stimmt die Oberländer Unternehmen optimistisch. Geht es darum, Arbeitnehmer anzustellen, hält sich aber ihre Zuversicht in Grenzen: Statt Personal unbefristet an Bord zu holen, nutzen viele Firmen Dienste von Temporärpersonalvermittlern. Dies lässt bei diesen Büros die Kassen klingeln. Vergangene Woche publizierte der weltgrösste Arbeitskräftevermittler Adecco seine Zahlen: Er verzeichnete im zweiten Quartal einen Gewinn von 97 Millionen Euro. Noch ein Jahr zuvor erlitt Adecco einen Verlust von 147 Millionen. Nicht nur der Stellenvermittlungsriese ist im Aufwind, auch die regionalen Büros haben Hochkonjunktur. Die Rapperswiler Firma Workmanagement hat eine Niederlassung in Wetzikon und beschäftigt in ihren vier Filialen 16 Angestellte. Diese vermitteln derzeit rund 250 temporäre Arbeitskräfte. Laut Geschäftsführer Martin Schneider macht sich die Genesung der Wirtschaft zuerst im temporären Bereich bemerkbar, während dies bei den vermittelten Festanstellungen nur zögernd der Fall sei. Der Umsatz im Temporärbereich steige bereits seit Jahresbeginn. Dies sei bei den Festanstellungen erst seit dem Frühsommer spürbar. Aus temporär wird unbefristet «Die Firmen, die temporäre Arbeitskräfte beschäftigen, unterbreiten diesen wieder häufiger Festanstellungsverträge», sagt Schneider. Dieser Aufwärtstrend sei nicht in allen Bereichen gleich stark spürbar: «Im Sektor Bau haben wir inzwischen Mühe, Arbeitskräfte zu finden.» Zwar sei dies typisch für die Sommermonate, aber in diesem Mass seit 2008 nicht mehr festzustellen gewesen. Der Industrie- und Techniksektor erholt sich indessen langsamer. Typischerweise gibt es im kaufmännischen Bereich nicht viele temporäre Jobs. «Hier ist die Nachfrage von Kundenseite leicht gestiegen – das ist ungewöhnlich. Die Arbeitnehmer sind daran aber nur selten interessiert», weiss Schneider. Der Workmanagement-Geschäftsführer zeigt sich, was die Wirtschaftslage betrifft, für die kommenden Monate zuversichtlich. «Wir haben wegen der Festanstellungen bereits viele Temporär-leute verloren. Das zeigt die wachsende Sicherheit der Firmen.» Der Markt werde sich immer mehr Richtung Festanstellungen bewegen. Mit einer Agentur in Uster, elf weiteren in der Deutschschweiz, 90 Mitarbeitern und über 7500 temporären Arbeitskräften ist Bellini einer der Grossen auf dem Markt der Arbeitskräftevermittler. Geschäftsführer George Tzionas ging mit dem Unternehmen während der Krise «durch eine leichte Dämpfung». Aber auch Bellini spüre seit einem halben Jahr den wirtschaftlichen Aufschwung. Die Krise habe ihre Spuren hinterlassen: «Die Kurzfristigkeit hat zugenommen.» So fragten die Unternehmen heute vermehrt nach Arbeitern, die schon morgen ihre Tätigkeiten aufnehmen könnten. «Gleichzeitig entscheiden sie sehr kurzfristig, ob sie das Arbeitsverhältnis verlängern wollen oder nicht», sagt Tzionas. Dies zeige, dass die konjunkturelle Unsicherheit noch nicht weg sei. In einer ganz anderen Liga spielt Fredy Wüst. Er ist Mitinhaber der Jobfactory. In der Niederlassung Pfäffikon und in zwei weiteren Filialen vermitteln 13 Mitarbeiter hauptsächlich Handwerker. Ende 2008 brach bei ihm das Industriegeschäft radikal ein, und auch das Bauhauptgewerbe litt. «Wir haben uns darum aufs Baunebengewerbe konzentriert.» Nahezu ungebrochen zeigte sich nämlich die Nachfrage nach Elektro-, Sanitär- und Heizungsmonteuren. Das Geschäft mit der Industrie hat in den letzten Monaten mit plus 25 Prozent wieder massiv zugelegt. «Wir wurden regelrecht überrascht.» Wie die Grossen seiner Branche spürt auch er den zögernden Optimismus der Betriebe, die mit Festanstellungen zuwarten. «Das spielt uns im Temporärgeschäft in die Hände.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch