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Unterirdische Wunschausstellung

Zehn namhafte Schweizer Künstler stellen ihre Werke in der Luftschutzanlage in der Bülacher Altstadt aus. Mit der «untenoben» hat sich der Initiator und Kunstfan Mischa Klaus einen Traum erfüllt.

Von Sarah Sidler Bülach – «Untenoben», so nennt Initiator Mischa Klaus seine internationale Kunstausstellung, die heute Abend erstmals ihre Pforten für die Öffentlichkeit öffnet. «Das Zürcher Unterland hat in den vergangenen 30 Jahren keine vergleichbare Kunstausstellung gesehen», sagt Klaus, der in der dritten Generation die gleichnamige Konfiserie in der Bülacher Altstadt betreibt. Der Kurator der Ausstellung, der Bülacher Eisenplastiker Ueli Gantner, steht nebenan, nickt und präzisiert: «Ich würde sogar sagen, in den vergangenen 50 Jahren wurde nichts Vergleichbares organisiert.» Die Kunstwelt habe sehr intensiv auf die Ausstellung reagiert. Unter dem Label Kunstgenuss organisiert Klaus zum fünften Mal einen Anlass dieser Art. Innert der Vorbereitungszeit eines Jahres ist es ihm gelungen, zehn teils international bekannte Künstler davon zu überzeugen, in Bülach auszustellen. Es sind etablierte Kunstschaffende und hoffnungsvolle Talente. Das Hauptargument des Initiators: Leidenschaft, seine Liebe zur Kunst. «Einzelne Künstler habe ich regelrecht überreden müssen, um nach Bülach zu kommen», sagt er verschmitzt. Sein Engagement hat sich gelohnt: Ab heute sind in Bülach Werke von zehn seiner elf Wunschkünstler ausgestellt. Zu sehen sind filigrane Skulpturen aus Holz, massive Plastiken aus Eisen, farbige Lichtinstallationen, bewegte Reliefs und verschiedenste Bilder. Unter den Ausstellern befinden sich Künstler wie Silvio Mattioli, Jacques Laissue, Ivo Soldini und Robert Indermaur. Die Ausstellungstücke durfte Klaus teilweise selbst bestimmen. «Diese Ausstellung ist meine Wunschliste. Am liebsten hätte ich alle Werke bei mir zu Hause.» Lust auf Wiederholungstäter Klaus lässt sich seine Kunstaffinität etwas kosten: Er trägt das gesamte finanzielle Risiko der Ausstellung selbst. Wie hoch sein Budget ist, will er aber nicht verraten. Lediglich: «Allein das Marketing kostete mich 20 000 Franken.» Und was allein der Transport sowie die Versicherung eines 120 Kilogramm schweren Bronzekopfes kostet, könne man sich ja denken. «Um finanziell herauszukommen, müssen einige namhafte Exponate verkauft werden», ist er sich im Klaren. Die Werke befinden sich in einer Preisklasse zwischen 3600 Franken für vier Bilder und 27 000 Franken für eine Skulptur. Klaus will mit der Ausstellung jedoch keinen finanziellen Gewinn machen: «Mein Anliegen ist es, die Kunst an die Öffentlichkeit zu bringen. Ich will der Bevölkerung den Zugang dazu ermöglichen und sie sogar zu Wiederholungstätern machen.» Er hat vor, einige Exponate nach einer Weile auszutauschen, um den Erlebniswert der Ausstellung zu erhalten. Auch für solche, die sie ein zweites Mal besichtigen. Unterirdische Ausstellung Der besagte, 120 Kilogramm schwere Bronzekopf ist ein Werk Soldinis. Er befindet sich im sogenannten Raum der Menschen. Durch einen schmalen Gang verbunden, kommt der Besucher über die Schafsweide zum archaischen Raum, zum Raum der Stille oder des Lichts. Die Werke wurden so angeordnet, dass eine «kraftvolle Symbiose» oder ein «offensichtlicher Diskurs» entstand. «Wir haben versucht, allen Werken genügend Platz zu geben, damit sie ihre optimale Wirkung erzeugen können», sagt Klaus. Der Luftschutzkeller in der Altstadt Bülachs gibt den passenden Rahmen dazu. Ist mit dieser Ausstellung ein neuer Kunstraum entstanden? Kunstausstellung untenoben, Luftschutzanlage Kopfgasse, Bülach: Freitag, 10. September, bis Sonntag, 9. Oktober. Öffnungszeiten unter: www.untenoben.ch Mischa Klaus im Raum des Lichts. Alle Ausstellungsstücke hätte er am liebsten bei sich zu Hause. Foto: Gesa Lüchinger

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