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Unterländer Gemeindevertreter halten die verlängerte Nachtruhe für überfällig

Die zusätzliche Stunde Nachtruhe ab dem 29. Juli freut die Bewohner rund um den Flughafen Zürich. Doch lange - sie finden zu lange - mussten sie darauf warten.

Unterland - «Endlich», sagt Ralph Weidenmann aus Nürensdorf, «verlängert der Flughafen seine Nachtruhe um eine Stunde.» Neu wird der Flugbetrieb in Zürich bereits um 23 Uhr eingestellt, bisher konnten Maschinen bis 24 Uhr starten und landen. Die neue Regelung gilt ab dem 29. Juli. Ein Wermutstropfen ist für den Co-Präsidenten des Bürgerprotests Fluglärm Ost (BFO), dass sich der Flughafen «nur unter dem Druck der höchsten gerichtlichen Instanz der Schweiz» zu diesem Entscheid durchgerungen hat.

Tatsächlich hat der Flughafen die siebenstündige Nachtruhe vor neun Jahren einst selbst beantragt, nachfolgend aber immer wieder bekämpft. Erst ein Bundesgerichtsentscheid von diesem April hat schliesslich bewirkt, dass der Flughafen das provisorische Betriebsreglement und somit die siebenstündige Nachtruhe umsetzen muss. Mittels Communiqué vom 6. Mai hat der Flughafen die Verlängerung kommuniziert (der TA berichtete).

Volk hat längst Ja gesagt

«Endlich ist der Entscheid getroffen», sagt auch Priska Seiler Graf, Präsidentin des Dachverbands Fluglärmschutz (DFVS), welcher sich weiter für acht Stunden Nachtruhe stark machen will. «Die sieben Stunden sind nun ein pragmatischer Kompromiss», kommentiert sie und räumt ein, dass das Zürcher Stimmvolk einer siebenstündigen Nachtruhe bereits an einer Volksabstimmung Ende 2007 zugestimmt hat. «Trotz rechtlicher Grundlagen mussten wir also lange auf die Umsetzung warten.»

Dieser Meinung ist auch der Gemeindepräsident von Rümlang, Thomas Hardegger: «Endlich ist es so weit», sagt er zur Verlängerung der Nachtruhe um eine Stunde, «wir mussten lange darauf warten.» Einsprachen hätten die Umsetzung immer wieder verhindert. «Die verlängerte Nachtruhe ist für die Rümlanger Bevölkerung ein grosser Gewinn», ist Hardegger überzeugt, «schliesslich handelt es sich um die sensiblen Stunden vor Mitternacht.» Er hofft indes, dass der Flughafen das neue Betriebsreglement strikt einhalten und nicht unter dem Deckmantel des Verspätungsabbaus ausdehnen wird.

Der Rümlanger Gemeindepräsident stellt sich zudem kritisch gegenüber der Flexibilisierung der Pistennutzung. So hatte der Flughafen im jüngsten Communiqué als Gegenleistung für die Verlängerung der Nachtflugsperre beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) verlangt, dass in den Tagesrandstunden von 6 bis 7 Uhr und von 21 bis 22 Uhr Starts auf der Piste 28 nach Westen zugelassen werden. Die Nutzung der Hauptabflugpiste ist heute zu diesen Zeiten nicht möglich. Eine entsprechende Änderung würde für Rümlang viel Mehrlärm bedeuten. Laut Flughafensprecherin Sonja Zöchling wäre die Gemeinde Rümlang in der Tat die Leidtragende bei einer flexibleren Nutzung der Piste 28, während von der verlängerten Nachtruhe alle lärmgeplagten Unterländer Gemeinden gleichermassen profitieren.

Solidarisierung mit Rümlang

Arnold Meyer, Gemeindepräsident von Winkel, befürchtet, dass die Fexibilisierung der Pistennutzung künftig umgesetzt wird. Obwohl seine Gemeinde vom Mehrlärm nicht betroffen wäre, solidarisiert er sich mit dem lärmgeplagten Rümlang. «Schliesslich trägt diese Gemeinde heute schon genügend Lärmbelastungen», findet er. Das Bundesgericht wird einst über die Pistennutzung entscheiden müssen; mehrere Beschwerden liegen derzeit vor.

Lärmresistent zeigt sich der neue Gesundheitsvorsteher von Opfikon, Jörg Mäder. Wie gut er den Fluglärm ausblenden kann, zeigte sich während der Flugeinschränkungen infolge des Vulkanausbruchs in Island. «Ich habe gar keinen Unterschied gemerkt.» Dennoch hält auch er die verlängerte Nachtruhe für einen Gewinn. Und für ein Zeichen, «dass der Flughafen die Bevölkerung rund um den Flughafen ernst nimmt». Mäder hält das Entgegenkommen des Flughafens für vertretbar. Schliesslich stehe jener wirtschaftlich gut da.

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