Flughafen Zürich AG verliert gegen Opfiker Hausbesitzerin

Seit 11 Jahren läuft ihr Entschädigungsverfahren – nun hat eine Frau aus Glattbrugg recht bekommen vor dem Bundesverwaltungsgericht. Ein Ende des juristischen Hickhacks?

Am Fluglärm scheiden sich die Geister: Nun hat eine unterländer Hausbesitzerin eine Entschädigung zugesprochen erhalten.

Am Fluglärm scheiden sich die Geister: Nun hat eine unterländer Hausbesitzerin eine Entschädigung zugesprochen erhalten. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Nichts deutet darauf hin, dass die Höhe der Entschädigung von der Vorinstanz unrichtig festgelegt worden wäre.» Zu dieser lapidaren Feststellung gelangt das Bundesverwaltungsgericht in seinem 23-seitigen Urteil. Es geht um 83'000 Franken: Diesen Betrag hat die eidgenössische Schätzungskommission einer Liegenschaftsbesitzerin in Opfikon am 27. Mai 2009 zugesprochen.

Der Entscheid der Schätzungskommission kam erst auf Geheiss des Bundesgerichts – der höheren Instanz – zustande. Zunächst hatten die Schätzer entschieden, die Eigentümerin habe keinen Anspruch auf Entschädigung.

Und bereits zuvor hatte es eine juristische Auseinandersetzung gegeben zur Frage der Verjährung, welche die Flughafen Zürich AG vor der Schätzungskommission geltend gemacht hatte.

Ostanflug: Fall für Strassburg?

Das juristische Hickhack über alle Instanzen begann im Juni 1999 mit der Einleitung des formellen Enteignungsverfahrens zur Festsetzung der Entschädigungshöhe. Und noch ist es denkbar, dass die Flughafen AG den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts ans Bundesgericht weiterzieht. Das wäre dann die dritte Beschwerde der Flughafenbetreiberin in diesem Fall. «Die Beschwerdefrist ist noch nicht abgelaufen; wir werden uns rechtzeitig überlegen, ob wir den Entscheid weiterziehen,» sagt Sonja Zöchling, Kommunikationsverantwortliche der Flughafen Zürich AG. Grundsätzlich ändere das jüngste Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nichts an der Behandlung von Entschädigungsforderungen, sagt Zöchling.

Für den Zürcher Anwalt der Opfiker Eigentümerin, Peter Ettler, ist der jüngste Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts «erfreulich», aber nicht von entscheidender Bedeutung. Immerhin sei denkbar, dass jetzt in weiteren Fällen ähnlich entschieden werde.

Entscheid für Anflugschneise Süd ausstehend

Ettler bearbeitet allein in Opfikon 130 Lärmentschädigungsfälle. Davon sind inzwischen rund 30 zurückgezogen und weitere 30 durch Einigung mit der Flughafen Zürich AG bereinigt worden. Viele Verfahren sind noch hängig.

Ettler vertritt auch Wohneigentümer in den Gemeinden Höri, Oberglatt und Rümlang, wo sich der Streit zunächst noch um die Frage der Verjährung dreht. Für seine Klienten in Bassersdorf, Nürensdorf und Kloten erwägt der Anwalt einen Weiterzug des Bundesgerichtsurteils von Anfang Juli dieses Jahres an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg. Die Bundesrichter hatten damals entschieden, dass in der Ostschneise eine Lärmentschädigung nur dann ausgerichtet werden muss, wenn jemand sein Eigentum vor dem 1. Januar 1961 erworben hat. Und dies, obwohl der Ostanflug erst im Herbst 2001 eingeführt worden war. Ein analoger Entscheid für die Anflugschneise Süd ist noch ausstehend.

Noch viele Jahre Dauer

Während bisher nur die Entschädigungsfrage von Einfamilienhäusern geregelt war, hat die eidgenössische Schätzungskommission in einem Pilotentscheid im März dieses Jahres einer Mehrfamilienhausbesitzerin in Opfikon-Glattbrugg einen Minderwert von 17,5 Prozent auf ihrer Liegenschaft zugesprochen. Dieser Entscheid ist von der Flughafen Zürich AG wie auch von der Besitzerin der Liegenschaft ans Bundesverwaltungsgericht weitergezogen worden, wie der abtretende Präsident der Schätzungskommission des Kreises 10, Albert Staffelbach, auf Anfrage bestätigt.

Der ganze Prozess der Lärmentschädigung dürfte noch viele Jahre dauern. Nach Angaben von Albert Staffelbach wurden rund 2500 Begehren für eine Lärmentschädigung eingereicht. Etwa 1400 sind noch hängig, wenn man davon ausgeht, dass jene 1100 Forderungen, die den Ostanflug betreffen, durch den Bundesgerichtsentscheid erledigt sind, was wegen des möglichen Weiterzugs des Urteils noch keineswegs sicher ist.

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus dem Unterland gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an unterland@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2010, 21:20 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Überraschen Sie mit kaltem Kaffee

Die heissen Tage sind zurück. Und mit ihnen die Lust auf erfrischende Getränke. Ein kalter Kaffee wird auch die anspruchsvollsten Geniesser begeistern und in regelrechte Baristas verwandeln.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Dürre: Ein Teich in der Nähe der texanischen Ortschaft Commerce ist vollständig ausgetrocknet. Für die nächsten zehn Tage werden in der Region Temperaturen von mehr als 37.7 Grad erwartet. (16.Juli 2018)
(Bild: Larry W.Smith/EPA) Mehr...