Mit Hypnose Spinnenphobie nehmen

Am 25. September findet in Kloten die 15. Internationale Insekten- und Spinnentierbörse statt. Wer Angst vor Spinnen hat, kann sich dort kostenlos einer Hypnose unterziehen lassen.

Die Rote Chile-Vogelspinne hilft ihm bei der Arbeit. Früher musste er sie noch beim Bauern einfangen: Hypnotiseur Ivo Rütsche mit seiner Cassandra.

Die Rote Chile-Vogelspinne hilft ihm bei der Arbeit. Früher musste er sie noch beim Bauern einfangen: Hypnotiseur Ivo Rütsche mit seiner Cassandra. Bild: David Baer

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Haben Sie Höhen- oder Flugangst? Oder gar eine Spinnenphobie? Kein Problem für Hypnose-Therapeut Ivo Rütsche: Denn besonders die Spinnenangst sei mittels Hypnose relativ einfach zu behandeln, sagt Rütsche. «Die Erfolgschance liegt bei 98 Prozent.» Die Methode ist jedoch nicht unumstritten.

Wer eine Hypnose ausprobieren möchte, hat an den kommenden Insekten- und Spinnentierbörsen in Kloten und Oberglatt Gelegenheit dazu. Dort führt Ivo Rütsche mit einem Kollegen kostenlose Behandlungen für Besucher durch. Während der Sitzung wird ihnen ein positives Erlebnis mit einer Spinne suggeriert, eine sogenannte Wirksuggestion. So stellt sich der «Patient» während der Hypnose vor, dass er eine Spinne in der Hand halte. «Ich führe dabei einen Monolog», sagt Rütsche.

Angst abgeschaut

Während einer Stunde fühle man sich wie «von einer Wolke umgeben». Ob man den Therapieerfolg auch gleich an einer lebenden Spinne testen möchte, sei jedem selbst überlassen – erzwungen werde gar nichts. Es seien auch schon Freudentränen geflossen, als eine Frau letztes Jahr nach einer Sitzung eine Vogelspinne in der Hand halten konnte.

Gerade bei Spinnenphobien zeige die Hypnose Wirkung, da die Angst vor Spinnen meist von den Eltern «abgeschaut» sei, sagt Rütsche. «Wirklich schlechte Erfahrungen mit Spinnen haben in der Schweiz aber nur wenige Leute gemacht.»

Gefährliche Traumata

Anders sehe es mit Traumata aus, die durch eine Rückführung hervorgerufen werden können. Bei dieser Art von Hypnose werden Erinnerungen geweckt und therapeutisch aufgearbeitet. In solchen Fällen verweise er seine Patienten nach der Hypnose an einen Psychologen. Bei Erlebnissen, die zuvor jahrelang verdrängt wurden, sei meist eine psychologische Betreuung vonnöten.

So auch bei einer 18-jährigen Patientin, die sich für Hypnosesitzungen entschied, weil sie an einer Kälteallergie litt. «In Wirklichkeit wurde sie im Alter von sieben Jahren durch einen Jungen sexuell missbraucht», sagt Rütsche. Dies sei in einem kalten Raum passiert, wo der Junge sie gezwungen habe, ihre Kleider auszuziehen. Ihre Kälteallergie rührte von daher, die Patientin hatte dies jahrelang verdrängt. «Der Körper muss die Erlebnisse – gute wie schlechte – verarbeiten. Ansonsten zeigen sich andere Symptome.»

«Humbug für labile Leute»

Die Hypnose an sich sei nicht gefährlich: So könne er während der Sitzung ganz einfach jemanden aus der Hypnose herausholen. Durch Setzen eines «Triggers», wie beispielsweise das Tippen auf die Schulter, könne der Patient aus der Hypnose geholt werden. Tippt er ihm auf die Stirn, gleite er wieder hinein.

Rütsche kümmert sich schon seit drei Jahren nebenberuflich um die Ängste und Phobien anderer. So habe ihn die Hypnose schon als 13-Jähriger fasziniert. Darum habe er sich früher stundenlang in der Bibliothek verschanzt, um darüber zu lesen. Seiner Mutter, die das Ganze als Humbug für labile Leute abtat, erzählte er nichts davon.

Zeitlich unbeschränkte Behandlung

Vor vier Jahren entschied er sich, eine Ausbildung am Basler Ausbildungs- und Therapiezentrum zu absolvieren. Seit drei Jahren teilt er sich die Praxis mit zwei weiteren Therapeuten, die auf Massagen spezialisiert sind. Sogar seine Mutter, die anfangs skeptisch war, vermittle ihm heute Patienten.

Das Besondere an seiner Therapiesitzung sei, dass sie zeitlich unbeschränkt ist: «Hat jemand Höhenangst, gehe ich nachher mit ihm auf den Üetliberg-Turm», sagt Rütsche. Eine Sitzung kostet 150 Franken, einzig die Raucherentwöhnung 350 Franken: «Damit auch nur kommt, wer wirklich die Finger von den Glimmstengeln lassen will.»

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Erstellt: 21.09.2010, 21:04 Uhr

Kostenlose Hypnosebehandlung

Wer die Internationale Insekten- und Spinnentierbörse vom Samstag, 25. 9. trotz Spinnenphobie geniessen will, stattet Ivo Rütsche dort als Erstes einen Besuch ab. Die Behandlung ist gratis.

Internationale Insekten- und Spinnentierbörse vom Samstag, 25. 9., Zentrum Schluefweg in Kloten, 9–16 Uhr.

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