Vivi Kola verkauft sich viel besser als erwartet

Das im Juni wieder lancierte Getränk aus Eglisau ist erfolgreich in die erste Saison gestartet und mittlerweile auch ausserhalb der Region erhältlich. Nur die Schliessung des Thurella-Abfüllbetriebs trübt die Euphorie.

Erfolgreich: Der 36-jährige Eglisauer Christian Forrer hat das bis 1986 produzierte Vivi Kola im Juni dieses Jahres wieder auf den Markt gebracht.

Erfolgreich: Der 36-jährige Eglisauer Christian Forrer hat das bis 1986 produzierte Vivi Kola im Juni dieses Jahres wieder auf den Markt gebracht.

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Er sei doch wahnsinnig, hätten ihn einige gewarnt, als er mit der Idee kam, Vivi Kola wieder auf den Markt zu bringen. Christian Forrer hat den Schritt dennoch gewagt – und ist überrascht, wie gut das Retro-Getränk nun ankommt. Eine Mindestmenge von 23'000 Flaschen hat er im Eglisauer Abfüllbetrieb der Thurella AG abfüllen lassen. Er rechnete damit, dass die Flaschen nach einem Jahr verkauft sein sollten. Weg waren sie nach drei Wochen.

«Es war eine grosse Begeisterung zu spüren», erinnert sich Forrer. Aber auch nach dem Hype im Juni blieben die Verkaufszahlen konstant gut. Auf eine zweite Abfüllung von 50'000 Flaschen folgt nächste Woche die dritte mit noch einmal so vielen «Gütterli», wie Forrer die Einheiten gern nennt. Er bedauert bloss, dass es wohl die letzte Lieferung aus den Hähnen der finanziell angeschlagenen Thurella sein wird. Wer nach der Schliessung des Betriebs in Eglisau per Ende Jahr die Flaschen füllen wird, ist noch offen. Forrer führt Gespräche mit verschiedenen Anbietern.

Mit Veloanhänger auf Tour

Dem Erfolg von Vivi Kola tat die Negativmeldung aber keinen Abbruch. Der Verkaufsleiter für das Ladenlokal in der Eglisauer Altstadt konnte den Aufwand bald nicht mehr allein bewältigen. Nun hilft zusätzliches Personal beim Kundenservice oder fährt – mit einem Veloanhänger voll Vivi Kola – von einem Stadtzürcher Restaurant zum nächsten und beackert das Feld potenzieller Kunden.

Ein Dutzend Restaurants in Zürich beliefert Forrer mittlerweile mit dem Süssgetränk. In drei Läden, wie etwa dem «Chäs und Brot» in Wollishofen, dem «nah und fein» am Rigiplatz und dem «Bachser Märt» im neu gestalteten Viadukt, stehen die Flaschen mit den bunten Etiketten in den Regalen. Mit Verkaufsstellen von Nürensdorf über Winterthur bis nach Uster und Stäfa ist das Netz im Kanton Zürich schon dicht. Aber auch in Basel, Langnau BE, Frauenfeld und sogar in einem Berggasthaus in Surcuolm GR ist das Getränk erhältlich. Der Eigentümer des Gasthauses kennt Forrer und hat es in sein Sortiment aufgenommen. Geschäftsführerin Beatrice Hug sagt: «Weil hier viele Vivi Kola nicht kannten, war der Anfang harzig.» Nachdem aber in einer Vitrine und mit Flyern auf das neue Produkt hingewiesen wurde, stieg die Nachfrage. «Nun verkaufen wir es sehr gut.» Hug vermutet, dass vor allem die Schweizer Herkunft dafür ausschlaggebend ist.

Beinahe Tränen in den Augen

Davon geht auch Kaspar Müri vom Zürcher Getränkelieferanten Intercomestibles aus. Müri ist überrascht über den Erfolg: «Wir haben noch nie ein Produkt eingeführt, das auf Anhieb so gefragt war.» Müri ist aufgefallen, dass vor allem Herren im Alter zwischen 50 und 60 häufig an der Rampe stehen und nach Vivi Kola verlangen. Bei vielen älteren Leuten wecke das Getränk Erinnerungen an die «guten alten Zeiten», sagt Müri. «Als ich meinem Vater ein Fläschchen vorbeibrachte, hatte er beinahe Tränen in den Augen.» Dass Vivi Kola mit 1.55 Franken pro Flasche rund ein Drittel mehr kostet als übrige Kolas, sei nebensächlich, sagt Müri. Für ein regionales Produkt würden immer mehr Kunden gern tiefer in die Tasche greifen. Das zeige sich auch bei Getränken wie Turbinen-Bräu, ­Pepita oder Elmer Citro, die vom Trend zu regionalen Produkten profitierten.

Forrer scheint den Nerv der Zeit getroffen zu haben. «Viele sind von den grossen Marken enttäuscht und lechzen nach Authentizität», sagt Forrer. Gut laufe auch das zweite Vivi-Produkt, der Vivi Café, der aus grünen Edelbohnen aus aller Welt im Ladenlokal in Eglisau frisch geröstet wird. Noch zögerten Restaurants allerdings, den Kaffee aus Eglisau zu verwenden, weil viele an andere Zulieferer und deren Produkte gebunden seien. «Ich habe feststellen müssen, dass Vivi Kola und Vivi Café zwei völlig verschiedene Geschichten sind», sagt Forrer. «Aber gross können beide werden.»

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Erstellt: 14.10.2010, 20:58 Uhr

Nach 24 Jahren wieder zum Leben erweckt: Vivi-Kola. (Bild: PD)

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