Zu Fuss vom Bündnerland nach Genf

Renato Loppacher war ein stark übergewichtiger Sofahocker. Nun will er seinem Leben eine Wende geben: Wandernd durchquert er die Schweiz und sammelt dabei Geld für eine Umweltorganisation.

Renato Loppacher hat regelmässig trainiert. Nun fühlt er sich fit für den langen Marsch.

Renato Loppacher hat regelmässig trainiert. Nun fühlt er sich fit für den langen Marsch. Bild: David Baer

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Der Rucksack steht bereit, ebenso Zelt, Schlafsack und Wanderschuhe. Am Montag in einer Woche soll es endlich losgehen: Renato Loppacher macht sich auf einen langen Marsch quer durch die Schweiz. An seiner Arbeitsstelle hat der Werbetechnik-Projektleiter vier Wochen Ferien eingegeben. In dieser Zeit sollten die 630 Kilometer von Müstair nach Genf mit Tagesetappen von rund 25 Kilometern zu bewältigen sein.

«Ich wollte einmal eine Auszeit nehmen und etwas komplett Anderes machen», erklärt der 31-jährige Bassersdorfer, der seit der Ausbildung ohne Unterbruch gearbeitet hat. Eigentlich hatte er zuerst an einen Einsatz im Kosovo mit der Armeeeinheit Swisscoy gedacht. Weil er abgelehnt wurde, kam er auf die Idee mit der Wanderung. Und anstatt nur für sich alleine zu marschieren, entschloss er sich, auch gleich eine gemeinnützige Organisation zu unterstützen.

Auf seiner Homepage, wo er regelmässig Fotos und Berichte publizieren wird, können sich Spender eintragen, die ein Projekt der Umweltorganisation Pro Natura unterstützen wollen. Sie haben die Wahl, ob ihr Geld für die Wiederansiedlung von Bibern, für die Gründung neuer Nationalpärke oder für Pro Natura generell verwendet werden soll. Bis jetzt seien rund 1500 Franken gesprochen worden, sagt Loppacher.

Über schneebedeckte Pässe

Eine Sportkanone war Loppacher bis anhin nicht gerade. Im Gegenteil: «Ich war ein richtiger Couch-Potatoe.» Vor einem Jahr redete der Arzt dem 140 Kilogramm schweren Mann ins Gewissen: «So kann es nicht weitergehen.» Das gab dem Übergewichtigen einen Kick. Er stellte die Ernährung um und liess sich von seiner Mutter auf Nordic-Walking- Touren mitnehmen. Zu seiner Überraschung fand er Gefallen daran. Innerhalb eines Jahres konnte er 25 Kilogramm abspecken. «Ziel wäre ein Körpergewicht mit zweistelliger Zahl», wünscht sich Loppacher. Seit er im Januar auch noch mit dem Rauchen aufgehört hat, stagniert das Gewicht – aber immerhin konnte er es halten.

Die Wanderung wird ihn von Müstair im Osten des Kantons Graubünden über St. Gallen, Glarus, die Innerschweiz, die Kantone Bern und Freiburg bis nach Genf führen. Gleich zu Beginn sind der 2149 Meter hohe Ofenpass und der 2606 Meter hohe Scalettapass zu überwinden. Auf beiden dürfte nach den vergangenen kühlen Tagen noch Schnee liegen. Der Weitwanderer wird sich Gamaschen überziehen und eventuell Schneeschuhe anschnallen. Aus Kostengründen will Loppacher meist im Zelt übernachten; sollte es stark regnen, wird er sich zwischendurch aber auch ein richtiges Bett in einem Hotel leisten.

Für seine Durchquerung der Schweiz hat er bewusst die langsamste Reisemöglichkeit gewählt. Ein paar Bekannte werden ihn etappenweise begleiten, und seine Frau wird ihn besuchen.

Das Wandern geht weiter

Die meiste Zeit wird Loppacher aber alleine unterwegs sein. Er ist gespannt, was das stundenlange Gehen in der Natur aus ihm machen wird. «Ein Ziel ist es, den Kopf durchzulüften», sagt Renato Loppacher. Als Kind sei er viel im Freien gewesen, in den letzten Jahren jedoch nicht mehr oft.

Seit er im Herbst den Plan gefasst hat, die Schweiz zu durchwandern, trainiert Loppacher regelmässig. Kürzlich startete er von seiner Wohnung aus Richtung Tösstal und landete nach neun Stunden im 38 Kilometer entfernten Gibswil. Langsam wird er nun etwas kribbelig: Nach monatelangem Planen geht es nun bereits ans Packen. Ob er es bis Genf schaffen wird, weiss er noch nicht. Sicher ist aber: Nach dem Monat auf Wanderschaft will Loppacher sich weiterhin regelmässig bewegen.

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus dem Unterland gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an unterland@tages-anzeiger.ch

Erstellt: 07.05.2010, 19:53 Uhr

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