Väterdemo vor Dielsdorfer Bezirksgericht

Zwei Männerorganisationen protestieren am Samstag gegen «staatliche Diskriminierung» bei Trennung und Scheidung. Vor dem Bezirksgericht Dielsdorf findet eine Kundgebung statt.

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Die Protestaktion ist ungewöhnlich. Ein Vater, dem durch ein Verfahren am Bezirksgericht der Kontakt zu seinem Kind verloren zu gehen droht, wird am Samstag symbolisch ein einfaches Holzkreuz, Kerzen und Blumen hinterlegen. Hinter der Kundgebung stehen die Vereine Mannschafft und VeV (Verantwortungsvoll erziehende Männer und Frauen) – zwei private Selbsthilfeorganisationen, die sich für die Gleichberechtigung beider Elternteile einsetzen (siehe Box).

Am Samstag um 10 Uhr startet die Demonstration «gegen die staatliche Diskriminierung von Vätern bei Trennung und Scheidung». Oliver Hunziker ist der Präsident des Vereins VeV und präsidiert die Schweizerische Vereinigung für gemeinsame Elternschaft, in der sich 13 NGOs zusammengeschlossen haben.

Hunziker hat auch das Schreiben ans Bezirksgericht unterzeichnet. Darin laden die Organisatoren zum konstruktiven Dialog ein. «Wir können Sie beruhigen, es sind keine halsbrecherischen oder gar illegalen Aktionen geplant», heisst es im Brief ans Richterkollegium. «Wir werden uns lediglich versammeln und anschliessend zum Einkaufszentrum marschieren, wo wir versuchen werden, die Menschen auf die Problematik hinzuweisen.»

«Es zerreisst mir das Herz»

Dem Brief beigelegt ist ein Schreiben des betroffenen Vaters, der in Dielsdorf wohnt. Mit einer Schweigeminute wolle er seinen Unmut über die herrschende Gesetzgebung und die damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen ausdrücken. Durch die Trennung von seiner Frau habe er den Kontakt zu seinem Kind eingebüsst. «Es ist aus meinem Leben gerissen worden, und es zerreisst mir wortwörtlich das Herz.» Jedes Kind habe das Recht auf seine beiden Eltern – und beide Eltern hätten das Recht auf ihre Kinder.

Der Mann kämpfe darum, sein Kind zu sehen, sagt der Präsident von Mannschafft, Michel Craman. Wegen des laufenden Gerichtsverfahrens wolle er anonym bleiben. Protestaktionen seien eher selten – auch wenn sein Verein um die 700 Mitglieder zähle: «Dazu fehlt die Manpower.»

In der Schweiz geht über die Hälfte der Ehen in die Brüche. Tausende minderjährige Kinder werden so jedes Jahr zu «Scheidungswaisen», wie die Väterorganisationen kritisieren. Sie setzen sich für eine gemeinsame elterliche Verantwortung ein, die nicht bei der Trennung oder Scheidung endet. Väter können die Beziehung zu ihren Kindern bislang nur aufrechterhalten, wenn die Mütter dies auch zulassen, sagt Oliver Hunziker. Er kritisiert die «systematisch einseitige» Behandlung solcher Fälle durch die Vormundschaftsbehörden und die Gerichte. Diese seien wohl häufig aus ideologischen Gründen «pro Mutter» eingestellt.

Gerichtspräsidentin bedauert

Die Präsidentin des Bezirksgerichts, Christina Steiner, zeigt auf Anfrage Verständnis für die Aktion. «Das mit der gemeinsamen elterlichen Sorge ist ein ganz schwieriges Problem.» Wenn sich ein Elternteil im Scheidungsfall einer gütlichen Lösung widersetze, könne es zu Härtefällen für einen Elternteil kommen. «Das ist für die Betroffenen sicher schmerzlich.» Den Vorwurf der Väterorganisationen, dass die Richter grundsätzlich für die Mutter Partei ergreifen und Sorgerechtsfälle «systematisch einseitig» behandeln würden, weist sie aber strikt zurück. «Das stimmt einfach nicht.» Rein statistisch seien zwar mehr Männer vom Entzug des Sorgerechts betroffen, das hänge aber unter anderem wesentlich mit der während der Ehe gelebten Rollenverteilung zwischen Mann und Frau zusammen, die das Gericht bei seiner Entscheidung berücksichtige.

Es handle sich ihres Wissens um die erste Aktion dieser Art in Dielsdorf, so Christina Steiner. Auch wenn sie Verständnis für die Anliegen der Organisatoren habe, sei der von ihnen geforderte «konstruktive Austausch» mit den Richtern aber nicht möglich. «Wir dürfen nicht über konkrete Fälle diskutieren.»

Nach der Kundgebung beim Bezirksgericht werden die Teilnehmer der Väterdemo zum Einkaufszentrum CD Center marschieren. Dort ist ein Informationsstand geplant. Es handle sich um eine friedliche Manifestation, betont Michel Craman. Der Event wird musikalisch von einem Akkordeonspieler begleitet, zudem gibt es für alle eine Gratisbratwurst.

Die Organisatoren der Väterdemo hoffen aber auch weiterhin auf die Politik. Die gemeinsame elterliche Verantwortung soll juristisch zum Regelfall werden. Noch in diesem Herbst wird der Vernehmlassungsvorschlag des Bundesrates erwartet, um die Gesetzgebung anzupassen.

Erstellt: 22.10.2008, 22:45 Uhr

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