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Ursula Gross Leemann ist weg vom Fenster, und alle schweigen

Jetzt ist es offiziell: Auf der FDP-Kandidatenliste für die Kantonsratswahlen fehlt die Küsnachter Lokalpolitikerin. Warum sie fallen gelassen worden ist, bleibt unklar.

Von Peter Meier Was der «Tages-Anzeiger» letzte Woche publik gemacht hat, hat sich bestätigt. Ursula Gross Leemann hat sich mit der FDP des Bezirks überworfen. Sie, die zurzeit noch auf dem ersten Ersatzrang der kantonsrätlichen FDP-Abordnung des Bezirks Meilen figuriert, taucht auf der gestern veröffentlichten Kandidatenliste fürs kommende Jahr nicht mehr auf. Die Küsnachter Finanzvorsteherin, eine der profiliertesten FDP-Politikerinnen an der Goldküste, hat sich selber aus dem Rennen genommen. Dies, weil sie von der FDP-Findungskommission auf den wenig Erfolg verheissenden zweitletzten Listenplatz verbannt worden war. Mit Gross Leemanns Verzicht dürfte ihre politische Karriere, zumindest jene auf der überkommunalen Ebene, am Ende sein. Dies räumt sie indirekt ein, wenn sie sagt: «Ich werde in meiner Wohngemeinde weiterhin mit grosser Freude politisieren.» Schlecht honorierte Wahl Undank ist der Welten Lohn – an den Stossseufzer aus den Korintherbriefen dürfte sich die 52-jährige Rechtsanwältin und Mediatorin dieser Tage wohl mehrfach erinnert haben. «Ich kann den Entscheid des Wahlgremiums auch heute noch nicht nachvollziehen», sagte Gross Leemann gestern. Ihre Platzierung im hintersten Viertel des Listenfelds empfindet sie als «Missachtung des Wählerwillens von 2007», als sie am Wahltag zwei Plätze gutmachte und auf den ersten Ersatzrang vorrückte. Ob sie bei ihrem Auftritt vor dem Findungsgremium allenfalls eine schlechte Figur gemacht hat, will Ursula Gross Leemann offenlassen. Unbeantwortet lässt sie auch die Frage, ob umstrittene politische Positionsbezüge Grund für die schlechte Platzierung gewesen sein könnten. Bekannt ist, dass Gross Leemann einige Parteiexponenten gegen sich aufbrachte, als sie für eine Erhöhung der Pauschalsteuer für reiche Ausländer plädierte. Eher schlecht vorstellen kann man sich dagegen, dass sie bei der freisinnigen Bezirks-Nomenklatura in Ungnade gefallen sein könnte, weil sie bei der Debatte um den neuen Finanzausgleich für eine moderatere Abschöpfung von Steuergeldern für reiche Gemeinden eine Bresche schlug. Wie erklärt sich also die schlechte Rangierung Gross Leemanns auf der Kandidatenliste? Bezirksparteipräsidentin Bettina Schweiger will darüber nicht mehr reden. «Ein Anrecht auf einen vorderen Listenplatz gibt es bei uns nicht», hielt sie kurz angebunden fest. Absolut gilt das Fehlen von Privilegien für einen Spitzenplatz nicht. Wiederwahlwillige Kantonsparlamentarier sind reglementsgemäss gesetzt. Die Spitze der FDP-Wahlliste zieren für die kantonalen Wahlen vom nächsten 3. April deshalb FDP-Kantonalpräsident Beat Walti und Katharina Kull-Benz (beide Zollikon). Den Sitz des zurücktretenden Gaston Guex (Zumikon) soll die Meilemer Finanzvorsteherin Beatrix Frey-Eigenmann verteidigen. Zambotti für Gross Leemann Sollte die Grand Old Party im Seebezirk ihre Wählerstärke halten können, hätte der Stäfner FDP-Präsident Peter Vollenweider die beste Chance, im Verlaufe der Legislatur nachzurücken. Ihn haben die FDP-Delegierten am vergangenen Donnerstagabend auf den vierten Listenplatz gesetzt. Auf den weiteren Rängen folgen die Küsnachter Schulpflegerin Lena Schneller, der Zumiker Gemeinderat Matthias Rüegg und Christian Schucan, Exekutivmitglied in Uetikon. Komplettiert wird die Liste mit Susan Tanner (Männedorf), Fabian Krek (Erlenbach), Regula Baggenstos (Herrliberg), Patrick Beetz (Stäfa) sowie Marianne Zambotti-Hauser (Meilen). Letztere gehört dem gewerbenahen Parteiflügel an und ersetzt auf der Liste Ursula Gross Leemann. Das Durchschnittsalter der freisinnigen Kandidatinnen und Kandidaten liegt bei 43 Jahren.

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