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Vater der getöteten Kinder wegen Betrugs vor Gericht

Der Mann, dessen Frau 2015 in Flaach ZH ihre beiden Kinder und später im Gefängnis sich selbst getötet hatte, ist wegen mehrerer Delikte angeklagt.

Gewerbsmässiger Betrug, Zechprellerei, Urkundenfälschung und andere Delikte: Das Bezirksgericht Weinfelden befasst sich mit einem Fall, bei dem das tragische Leben des Angeklagten auf Schwindel und Illusionen basierte. (Archivbild)
Gewerbsmässiger Betrug, Zechprellerei, Urkundenfälschung und andere Delikte: Das Bezirksgericht Weinfelden befasst sich mit einem Fall, bei dem das tragische Leben des Angeklagten auf Schwindel und Illusionen basierte. (Archivbild)
Keystone
Es geht um den Mann, dessen Frau Anfang 2015 in Flaach ZH ihre beiden Kinder und später im Bezirksgefängnis Zürich sich selbst getötet hat.
Es geht um den Mann, dessen Frau Anfang 2015 in Flaach ZH ihre beiden Kinder und später im Bezirksgefängnis Zürich sich selbst getötet hat.
Sophie Stieger
Vor dem Eintreffen der Polizei verliess die Mutter den Tatort, konnte aber im Zuge der Fahndung kurze Zeit später verhaftet werden. (1. Januar 2015)
Vor dem Eintreffen der Polizei verliess die Mutter den Tatort, konnte aber im Zuge der Fahndung kurze Zeit später verhaftet werden. (1. Januar 2015)
Markus Heinzer, Newspictures
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Das Bezirksgericht Weinfelden TG befasst sich am 13. September mit einem Fall, der nicht aufgrund der Delikte, sondern wegen der Umstände interessiert: Es geht um den Mann, dessen Frau Anfang 2015 in Flaach ZH ihre beiden Kinder und später im Gefängnis sich selbst getötet hat.

Angeklagt ist der Mann des gewerbsmässigen Betrugs, der Zechprellerei, der Urkundenfälschung und mehrerer anderer Delikte. Mit seinen Antworten auf die Fragen des Gerichts wird der Beschuldigte wohl die bisherigen Kenntnisse über die Hintergründe der Tragödie um seine Sicht der Dinge ergänzen.

Bereits wenige Tage nach der Bluttat vom Neujahrstag 2015 war bekannt geworden, dass das Ehepaar via Internet Waren verkaufte, aber nicht lieferte. Zudem wechselte die Familie auffallend häufig die Wohnung unter Hinterlassung von Mietschulden.

Abwärtsspirale

Am 4. November 2014 wurden die Eltern festgenommen. Das war der Anfang vom Ende: Das Kartenhaus eines Lebens, das auf Schwindel und Illusionen basierte, begann zusammenzufallen. Und die Einweisung der Kinder in ein Heim im Zuge der Verhaftung setzte eine Spirale in Gang, die zur Bluttat am Neujahrstag und zum Suizid der Frau führte.

Zwar war die Mutter nach kurzer Zeit aus dem Gefängnis entlassen worden. Dennoch blieben die Kinder im Heim. Das zweijährige Mädchen und der fünfjährige Bub waren von der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) nicht definitiv platziert worden. Sie sollten dort jedoch bleiben, bis alle Umstände geklärt waren.

Weihnachten 2014 durften sie bei der Mutter verbringen. Anstatt sie zu Anfang des neuen Jahres zurückzubringen, erstickte die 27-Jährige die beiden. Im Sommer tötete sich die Frau im Gefängnis selbst. Eine von der Justizdirektion veranlasste Untersuchung ergab, dass die Kesb korrekt gehandelt, es jedoch bei der Kommunikation Schwächen gegeben habe.

Leben in einer Luftblase

Das psychiatrische Gutachten, das über die junge Frau erstellt worden war, zeigt unter anderem, dass sie und ihr Mann ein Leben unter dem Motto «Mehr Schein als Sein» führten.

Sie häuften Schulden an, lebten in einer selbst konstruierten Realität, hielten sich mit Betrügereien über Wasser und mogelten sich jeweils aus schwierigen Situationen heraus. Nun muss sich der Mann, der innert weniger Monate seine Kinder und seine Frau verlor, für dieses Leben in einer Luftblase verantworten.

SDA/nag

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