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Velos kommen in die Fussgängerzone

Die Stadt will die Fussgängerzonen für Velos öffnen. Die Fussgänger haben dort zwar weiterhin Vortritt, der Fachverband der Fussgänger ist dennoch dagegen.

Von Jürg Rohrer Zürich – Fuss- und Veloparadies Zürich-City – mit diesem Ziel hat der Stadtrat ein neues Verkehrskonzept für die Innenstadt beschlossen (TA vom Donnerstag). Geplant sind neue Tempo-30-Zonen in der Enge und im inneren Seefeld, eine Begegnungszone in der südlichen Löwenstrasse, wo Fussgänger Vortritt haben und für Autos Tempo 20 gilt, sowie neue Fussgängerzonen im Gebiet Jelmoli und Münsterhof. Auf den Hauptstrassen ändert sich nichts, dort gilt weiterhin Tempo 50. Weite Teile der Zürcher Altstadt sind heute schon Fussgängerzonen, in denen Autos nur mit Sonderbewilligung und Velos nur auf den wenigen signalisierten Routen verkehren dürfen. Neu will die Stadt die Fussgängerzonen für Velos grundsätzlich öffnen und zum Mischverkehr übergehen. Fahrverbote soll es an gefährlichen Orten weiterhin geben, doch werden diese speziell signalisiert. Heute ist es genau umgekehrt: Die Erlaubnis auf den Velorouten wird eigens angezeigt. Eine Umfrage von Tagesanzeiger.ch mit 642 Antworten hat ergeben, dass 48 Prozent die Öffnung begrüssen, während 52 Prozent ablehnen. Abgelehnt wird die Öffnung auch von Thomas Schweizer, Geschäftsleiter von Fussverkehr Schweiz, dem Fachverband der Fussgängerinnen und Fussgänger. Er befürchtet, dass die Velofahrenden in diesen Mischzonen zu schnell unterwegs und die Fussgänger die Leidtragenden sind. Velorouten durch die Fussgängerzonen hält Schweizer für richtig, die heutige Situation sei praktikabel. Aber Velos in jeder Gasse hält er für falsch. «Keine Konflikte» Versteht der städtische Velobeauftragte, dass den Fussgängern ob der angekündigten Öffnung ihrer Zone angst und bange wird? «Nur bedingt», antwortet Urs Walter vom Tiefbauamt. «Wir haben ja heute schon mehrere Orte, an denen die Fussgängerzonen für Velos offen sind: Rennweg, Kuttelgasse, Kirchgasse. Mir ist nicht bekannt, dass es dort regelmässig zu Konflikten kommt. Auch in der Stadelhoferstrasse oder in den Quaianlagen gibt es vergleichbare Situationen, die seit langem funktionieren.» Walter betont, dass die geplante Öffnung keine Erfindung der Stadt Zürich sei, sondern dass es solche Zonen in der ganzen Schweiz gebe, beispielsweise in Winterthur, Stein am Rhein oder Chur. Im Übrigen handle es sich um einen Auftrag aus dem regionalen Richtplan aus dem Jahr 2000, der vorsieht, dass die Fussgängerbereiche auch für Velofahrende durchlässig sind. Selbstbeherrschung gefragt Bauliche Massnahmen, um die Velofahrenden zum Schritttempo zu motivieren oder zu zwingen, sind nicht geplant. Die Oberflächen der Gassen bleiben, wie sie sind. Doch wer sorgt dafür, dass wirklich nur Schritttempo gefahren wird, zumal dieses Tempo ja ohnehin nicht genau definiert ist? Der Velobeauftragte: «Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass sich die Velofahrenden an die Vorschriften halten. Die Situationen sind in der Regel so, dass die Velofahrenden von alleine in angepasstem Tempo fahren. Sollten sich dennoch Missstände ergeben, muss darauf reagiert werden, zum Beispiel mit Öffentlichkeitsaktionen oder auch Kontrollen. In der Innenstadt ist eine Kultur des Miteinanders nötig. Dafür steht das neue Verkehrskonzept.» Wo es gefährlich werden könnte, sieht das neue Verkehrskonzept Verbotstafeln für Velos vor. Die steile Strehlgasse kommt dafür infrage, und auch auf der Bahnhofstrasse wird das Veloverbot wohl bleiben, weil dort die Verhältnisse mit den vielen Leuten und den Trams ohnehin schon heikel sind. Wann die Stadt die bestehenden Fussgängerzonen öffnen oder eine neue Zone mit Durchlass für Velos einrichten wird, ist noch offen. Einen Zeitplan für das neue Verkehrskonzept Innenstadt gibt es nicht, einzig einen Zeithorizont: 10 bis 15 Jahre. Dass es noch dauern wird, hat voraussichtlich auch juristische Gründe: Das Tiefbauamt geht davon aus, dass die Öffnung der Fussgängerzonen ausgeschrieben werden muss, da es sich um eine neue Signalisation handelt. Und dann ist mit Einsprachen zu rechnen. Der «Todesstoss» Zum Kampf gegen das neue Verkehrskonzept «mit aller Macht» hat gestern die SVP aufgerufen. Für sie bezweckt der Stadtrat damit, den motorisierten Individualverkehr bis in 15 Jahren aus der Stadt zu verdrängen, was für das städtische Gewerbe den «Todesstoss»bedeuten würde. Pro Velo Zürich dagegen spricht von einem «Quantensprung». Auf dem Limmatquai hat es genug Platz für Räder und Füsse. In den Gassen rundum müssen sie in Zukunft zusammenrücken. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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