170-Millionen-Betrug: Viele Geschädigte sind Zürcher

Gegen drei Verantwortliche der Investment-Firma ASE ist wegen Betrugs und anderen Delikten Anklage erhoben worden. Sie sollen rund 2500 Personen geschädigt haben.

Die inzwischen geschlossene BKB-Filiale an der Stockerstrasse in Zürich-Enge.

Die inzwischen geschlossene BKB-Filiale an der Stockerstrasse in Zürich-Enge. Bild: Keystone

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Einer der drei Beschuldigten war ein Ex-Kadermann der Basler Kantonalbank (BKB). Er war bis 2012 in der Private-Banking-Niederlassung in Zürich Teamleiter Externe Vermögensverwalter/Devisen. Die BKB-Niederlassung mit Sitz an der Stockerstrasse in Zürich-Enge war bis 2012 Depotbank der ASE Investment mit Sitz in Frick AG. Das Kürzel steht für Anlage, Sicherheit, Ertrag. Die BKB-Niederlassung in Zürich ist im November 2014 wegen fehlender Rendite geschlossen worden.

Laut Medienmitteilung der Aargauer Staatsanwaltschaft von heute Montag konnten in der Untersuchungen rund 2500 Geschädigte ermittelt werden, wovon sich 639 als Privatkläger am Strafverfahren konstituiert haben. Die eingeklagte Deliktsumme beträgt rund 170 Millionen Franken. Die Akten weisen einen Umfang von 448 Bundesordnern aus. Allein die Anklageschrift und Beilagen umfassen mehrere hundert Seiten. Die BKB hatte einen Betrag von 50 Millionen zurückgestellt, um einen Teil der Schadenssumme an ihre Kunden zu vergüten. Der Prozess gegen die Beschuldigten findet voraussichtlich im November 2016 vor dem Bezirksgericht Laufenburg AG statt.

Riesiges Schneeballsystem betrieben

Bei den drei Beschuldigten handelt es sich um den CEO und den VR-Präsident der Investmentfirma sowie den bereits erwähnten Ex-Kadermann der Basler Kantonalbank. Der hauptverantwortliche CEO ist weitgehend geständig und befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug. Die beiden anderen sind nicht geständig.

Die Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma hat im Mai 2014 gegen den ehemaligen Kundenberater der BKB ein fünfjähriges Berufsverbot auferlegt. Dagegen erhob er Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, wo er aber abblitzte.

Die ASE bot ihren Kunden Devisenhandel in unterschiedlichen Produkten an. Dabei kam es laut Staatsanwaltschaft zu diversen massiven Unregelmässigkeiten. So soll der Hauptbeschuldigte die erlittenen Verluste den Anlegern verheimlicht und ihnen stattdessen fiktive Gewinne vorgetäuscht haben.

Zürcher Kanzlei vertritt 380 Geschädigte

Die Löcher stopfte er, indem er auf sämtliche Mittel zurückgriff, denen er im Namen der ASE habhaft werden konnte. Er soll ein riesiges Schneeballsystem betrieben haben. Im April 2012 wurde aufgrund einer Strafanzeige der Basler Kantonalbank und mehreren Privatpersonen gegen die ASE ein Strafverfahren eröffnet. Drei Monate später wurde der Konkurs über die Firma eröffnet.

Die Zürcher Anwaltskanzlei Werder Viganò, die 380 ASE-Geschädigte vertritt, hat zusätzlich Strafanzeige wegen Geldwäscherei durch Unterlassung eingereicht, wie die «Schweiz am Sonntag» kürzlich meldete. Die BKB habe organisatorisch zu wenig getan, um Geldwäscherei zu verhindern. In der nun eingereichten Anklage ist Geldwäscherei aber nicht eingeklagt. Die entsprechende Anzeige von Werder Viganò wurde zurückgestellt. Falls im Prozess auf Geldwäscherei erkannt wird, will die Anwaltskanzlei die Sache weiterführen, schrieb die Zeitung.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.07.2016, 13:15 Uhr

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