Busse für Parkkontrolleur

Nach einem handgreiflichen Streit wegen eines falsch parkierten Autos ist ein Sachbearbeiter der Stadtpolizei vom Einzelrichter verurteilt worden.

Wegen eines Bussenzettels haben sich ein Autofahrer und ein Sachbearbeiter der Stadtpolizei geprügelt.

Wegen eines Bussenzettels haben sich ein Autofahrer und ein Sachbearbeiter der Stadtpolizei geprügelt. Bild: Keystone

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«Amtsmissbrauch und einfache Körperverletzung» lautet der Vorwurf gegen den Sachbearbeiter/Kontrolle Ruhender Verkehr – «Gewalt und Drohung gegen Beamte und einfache Körperverletzung» wird dem Automobilisten vorgeworfen. Da Anzeige und Gegenanzeige eingereicht wurde, hat der Staatsanwalt beide Parteien angeklagt, nun musste der Einzelrichter entscheiden.

Was ist passiert? Im Dezember 2016 parkierte ein heute 45-jähriger Monteur seinen Lieferwagen ausserhalb eines Parkfeldes an einer Strasse in Zürich-Wiedikon, um in einem Restaurant ein Paket abzugeben. Als er nach einigen Minuten wieder zurückkommt, ist soeben der 41-jährige Sachbearbeiter der Stadtpolizei dabei, eine Busse auszustellen. Bis zu diesem Zeitpunkt stimmen die Anschuldigungen in den beiden Anklageschriften noch überein, danach gehen sie diametral auseinander.

«Ich ficke deinen Vater und deine Mutter»

So heisst es beim Sachbearbeiter, dass sich er sich mit «Grüezi, Stadtpolizei» und Namen vorgestellt habe, worauf der Monteur wortlos in den Wagen stieg und rückwärts wegfuhr und das Auto einige Meter entfernt parkierte. Dabei habe er den Sachbearbeiter mit dem Rückspiegel gestreift. Dieser sagte laut: «Gahts eigentlich no? Hast du ein Problem mit der Polizei», worauf der Autofahrer auf Serbisch zurückrief: «Ich bring dich um. Ich ficke deinen Vater und deine Mutter.» Beide Männer sind Schweizer mit serbischen Wurzeln.

Als der Sachbearbeiter den Monteur fragte, ob er ihn bedrohen wolle, schlug dieser gegen seinen Arm. Der Sachbearbeiter reagierte laut Anklageschrift mit einem Befreiungsschlag und der Monteur warf ihn kräftig von sich weg. Der Parkkontrolleur fiel zwischen sich dort befindliche Metallstangen (sogenannte Velobügel) auf den Boden und verletzte sich am Rücken. Nicht genug, der Monteur rief ihm noch auf Serbisch zu, dass er nicht die Polizei anrufen solle, er wisse, wo er sei.

Aus diesen Gründen verlangt der Staatsanwalt für den Monteur wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte und einfache Körperverletzung eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 60 Franken. Zudem soll er die Untersuchungskosten von 2000 Franken bezahlen.

Unvermittelt mit Fäusten zugeschlagen

In der zweiten Anklageschrift im Fall des Sachbearbeiters/Kontrolle Ruhender Verkehr steht nichts mehr mit «Grüezi Stadtpolizei» drin, sondern der Beschuldigte soll den Monteur grusslos und in lautem aggressivem Ton gefragt haben, ob er ein Problem mit der Polizei habe. Als der Monteur erneut ins Restaurant ging und nach zwei Minuten herauskam, habe der Parkkontrolleur unvermittelt mit beiden Fäusten auf Kopf und Oberkörper eingeschlagen, sodass der Autofahrer rücklings gegen einen Gartenzaun des Restaurants fiel und sich leicht verletzte.

In diesem Fall verlangt der Staatsanwalt wegen Amtsmissbrauch und einfacher Körperverletzung ebenfalls eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 30 Franken sowie die Bezahlung der Untersuchungskosten von 2000 Franken.

Ein ganzer und ein «halber» Freispruch

Am Prozess von heute Montagnachmittag vor dem Einzelrichter des Bezirksgerichts Zürich bekräftigten die beiden Beschuldigten ihre gemachten Aussagen. So sagte der Falschparkierer, dass der Sachbearbeiter ihn laut angeschrien und geschlagen habe. «Deshalb habe ich mich auch gewehrt und ihn weggestossen», so der Autofahrer.

Der Sachbearbeiter gab zwar zu, sich tätlich gewehrt zu haben, sein Gegner habe aber nur «Kratzer» erlitten. Der andere habe ihn bedroht und seine Eltern beleidigt. Eine Verurteilung wegen Amtsmissbrauch würden ihn wohl die Stelle bei der Stadtpolizei kosten. Der Einzelrichter sprach den Falschparkierer vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Beamte frei. Der Sachbearbeiter/Kontrolle Ruhender Verkehr wurden bezüglich Amtsmissbrauch freigesprochen, aber wegen Tätlichkeit zu einer Busse von 600 Franken verurteilt.

Die Aussagen des Falschparkierers seien von drei Augenzeugen untermauert worden, während der Sachbearbeiter pauschale Aussagen gemacht habe. Abschliessend sagte der Richter, dass der Staatsanwalt den Fall mittels eines Strafbefehls einfacher und billiger hätte erledigen können. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.02.2018, 16:42 Uhr

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