Frau stiftete Liebhaber an, den Ehemann umzubringen

Ein jetzt veröffentlichtes Urteil des Obergerichts Zürich zeigt, wie kaltblütig und berechnend eine Hausfrau ihren Mann ins Verderben schickte.

Das Obergericht hat die Strafe gegen die Ehefrau und den Liebhaber massiv verschäft und die beiden wegen versuchten Mordes verurteilt.

Das Obergericht hat die Strafe gegen die Ehefrau und den Liebhaber massiv verschäft und die beiden wegen versuchten Mordes verurteilt. Bild: Urs Jaudas

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Der Fall warf hohe Wellen: Am 15. Januar 2013 wurde am Dorfrand von Illnau-Effretikon ein Mann nachts beim Gassi-Gehen mit dem Hund von zwei Unbekannten brutal attackiert. Sie schlugen ihn mit einem Armierungseisen nieder und schlitzten ihm die Kehle auf. Der damals 37-jährige Schweizer überlebte schwer verletzt. Nachbarn vermuteten, dass der Mann Einbrechern oder Dealern über den Weg gelaufen sein könnte.

Im Winter 2013 wurde hier bei diesem Bänklein am Dorfrand von Illnau ein Mann von zwei Unbekannten lebensgefährlich verletzt. Bild: Stefan Hohler

Doch waren es weder Kriminaltouristen noch Drogenhändler: Bei den Tätern handelt es sich um ein Schweizer Brüderpaar um die dreissig, wobei der Ältere der Liebhaber der Ehefrau des Opfers war. Diese hatte ihn zur Tat angestiftet. Das Bezirksgericht Pfäffikon sprach im Februar 2015 die Hausfrau und den Liebhaber wegen versuchter vorsätzlicher Tötung schuldig. Es verurteilte die Ehefrau zu elf Jahren Freiheitsstrafe, der Liebhaber kam mit achteinhalb Jahren davon. Sein jüngerer Bruder erhielt wegen schwerer Körperverletzung vier Jahre, die zugunsten einer bereits begonnenen stationären Suchttherapie aufgeschoben wurden.

Ein Geheimprozess

Schon der damalige Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien statt. Auch die Berufungsverhandlung vor dem Obergericht im Oktober 2016 war ein eigentlicher Geheimprozess, und das Urteil wurde den Medien per Mitteilung zugestellt: Das Obergericht verurteilte die beiden nun wegen versuchten Mordes. Es erhöhte die Strafe massiv auf 16 Jahre für die Ehefrau und 13 Jahre für den Liebhaber. Der Ausschluss der Medien wurde mit dem Schutz der beiden schulpflichtigen Kinder des Ehepaares begründet.

Gegen den Ausschluss gelangte der Tages-Anzeiger ans Bundesgericht und bekam Recht: Der Ausschluss der Journalisten sei unverhältnismässig gewesen, entschied Lausanne, das Obergericht müsse das Urteil anonymisiert zugänglich machen. Dieses liegt nun vor. Es beschreibt ausführlich, wie die Ehefrau ihren Liebhaber dazu drängte und beauftragte, den Ehemann «aus der Welt zu schaffen». Die beiden hatten sich erst eineinhalb Monate vor der Tat über eine Internet-Dating-Plattform kennengelernt, wobei sich der Mann in sie verliebte. Ob auch bei der Frau die entsprechenden Gefühle vorhanden waren, bleibt laut Obergericht offen.

Mord schon ein Tag früher geplant

Klar sei aber, dass die Ehefrau dem Liebhaber sagte, dass sie mit ihm eine gemeinsame Zukunft wünsche und dass er dafür den Ehemann aus dem Weg räumen müsse. Der über beide Ohren verliebte Beschuldigte sei von der Frau faktisch vor die Wahl gestellt worden, den Ehemann zu töten, oder sich von den gemeinsamen Zukunftsplänen zu verabschieden, schreibt das Obergericht in seinem Urteil. Die Frau sagte dem Liebhaber, dass für ihren Ehemann eine Scheidung niemals in Frage komme. Er solle gedroht haben, sie umzubringen, falls sie eine Trennung verlange.

Der Mord hätte eigentlich schon einen Tag früher stattfinden sollen: Die Ehefrau schickte ihren nichtsahnenden Mann in einen abgelegenen Luftschutzraum, der als Musik-Übungslokal benutzt wurde. Ihr Bekannter wolle dort ein Mischpult für die Geburtstagsfeier seines Bruders ausleihen. Dabei, so der Auftrag der Frau, hätte der Liebhaber den Ehemann umbringen sollen. Er bekam jedoch kalte Füsse, aus dem Mord wurde nichts.

Eliminationsmord

Deshalb schickte die Frau den Ehemann am nächsten Tag «kaltblütig und berechnend ins Verderben». Sie sorgte dafür, dass er beim abendlichen Spaziergang zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort eintraf, wo der Liebhaber und dessen zur Verstärkung aufgebotener Bruder ihm abpassten. Für das Obergericht war das Vorgehen ein eigentlicher Eliminationsmord.

Im Gegensatz zur Frau, welche die Tat immer abgestritten und sie auf ihren Liebhaber abgeschoben hatte, war dieser grösstenteils geständig und zeigte eine gewisse Reue. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.08.2017, 17:43 Uhr

Deutliche Worte des Obergerichts

Kritik an Bezirksgericht Päffikon

Das Obergericht Zürich kritisiert das Urteil der Vorinstanz scharf. Das Bezirksgericht Pfäffikon hatte die Tat der Ehefrau und ihres Geliebten als versuchte Tötung qualifiziert und milde Strafen von elf und achteinhalb Jahren ausgesprochen. Für das Obergericht war die Tat ein eigentlicher Eliminationsmord, das Vorgehen der Frau «erschreckend egoistisch und gefühlskalt». Warum die Vorinstanz hier eine besondere Skrupellosigkeit verneine, sei «nicht im Ansatz verständlich». «Exakt das Gegenteil ist der Fall», schreibt das Obergericht. Als «geradezu grotesk» bezeichnet es das Argument der Voristanz, bei der Frau sei nicht von einer krass egoistischen Vorgehensweise auszugehen, weil sie die Tat nicht selber ausführte. Auch in einem andern Fall hat das Obergericht ein Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon kürzlich «unhaltbar» genannt. Es ging um den jungen Mann, der seinen Vater erschossen hatte. Er wurde wegen Totschlags zu fünf Jahren verurteilt. Für das Obergericht war es hingegen vorsätzliche Tötung, es erhöhte die Strafe auf elf Jahre. (hoh)

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