«Nein Schatz, nicht!» – dann stach er zu

Nach dem Züri-Fäscht eskalierte ein Gerangel am Bahnhof Rüti. Ein Mann zückte ein Messer. Nun drohen ihm 14 Jahre Gefängnis.

Nach dem Besuch des Züri-Fäscht sind zwei deutsche Gerüstbauer auf dem Heimweg im Zürcher Oberland niedergestochen worden. Bild: Doris Fanconi

Nach dem Besuch des Züri-Fäscht sind zwei deutsche Gerüstbauer auf dem Heimweg im Zürcher Oberland niedergestochen worden. Bild: Doris Fanconi

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«Hey, häsch es Problem» – dieser verhängnisvolle Spruch hatte im Nachgang des Züri-Fäscht 2016 für drei junge Männer dramatische Konsequenzen: Zwei erlitten lebensgefährliche Stichverletzungen, der Dritte muss sich vor Gericht verantworten. Ihm droht wegen mehrfach versuchter vorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren.

Der Beschuldigte, ein damals knapp 20-jähriger in der Stadt Zürich wohnhafter Iraker, war am 2. Juli 2016 um 1 Uhr mit seiner Freundin auf dem Nachhauseweg. Sie wollten zusammen in ihre Wohnung ins Zürcher Oberland. Auf dem Perron des Bahnhofs Rüti, wo das Paar mit der S-Bahn angekommen war, gingen zwei Männer hinter ihnen wer. Sie hatten zuvor ebenfalls am Züri-Fäscht gefeiert und waren ohne T-Shirt unterwegs. Die beiden deutschen Gerüstbauer im Alter von 29 und 31 Jahren unterhielten sich gemäss Anklageschrift lauthals miteinander. Der Beschuldigte drehte sich mehrmals zu den beiden Männer um und blieb stehen. Wieso ist unklar. Dann fiel der verhängnisvolle Satz: «Hey, häsch es Problem», sagte der Beschuldigte zum jüngeren der beiden Deutschen.

Freundin stellte sich zwischen die Männer

In der Folge kam es laut Anklageschrift zu gegenseitigen Beschimpfungen und zu einem «nicht intensiv geführten Gerangel mit Schupfen und Stossen». Die Schweizer Freundin des Irakers trat zwischen die beiden fremden Männer und ihren Freund. Sie wollte schlichten: «Nein Schatz, nicht!», rief sie. Er hörte nicht und stach mit einem Messer unvermittelt und wuchtig auf die beiden Deutschen ein.

Die Folgen waren gravierend: Der 29-Jährige wurde vier- bis fünfmal an Halsschlagader, in Brust und Hände getroffen. Dank einem Passanten, welcher ihm die klaffende Wunde am Hals zudrückte und somit verhinderte, dass er noch mehr Blut verlor, überlebte der 29-Jährige die Messerstiche. Der 31-Jährige erlitt mindestens eine Stichverletzung im Brustkorb. Er versuchte noch, dem fliehenden Täter nachzurennen, brach aber wegen seiner Verletzung zusammen. Der Täter wurde kurz darauf verhaftet, er befindet sich seither in Untersuchungshaft.

Messer als Beweismittel weiterhin nicht gefunden

Staatsanwalt Adrian Kaegi klagt den Iraker nun wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung an. Es sei nur dem Zufall zu verdanken gewesen, dass die Messerstiche die beiden Männer nicht getötet hätten. Kaegi verlangt eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren. Der Prozess vor dem Bezirksgericht Hinwil findet im Januar statt. Das Tatmesser als wichtiges Beweismittel ist bis heute unauffindbar. Laut Anklageschrift konnte es trotz Einsatz von Spürhunden nicht gefunden werden.

Die Attacke hat für die beiden Gerüstbauer gravierende Folgen. Der Jüngere muss wegen der Verletzungen an den Halsgefässen Blutverdünnungsmittel einnehmen und die Beweglichkeit der Hände ist eingeschränkt. Sein Kollege leidet psychisch unter der Tat und hat erhebliche Schlafstörungen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2017, 11:00 Uhr

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