Überfälle und Attacken im Minutentakt

Zwei Männer haben im vergangenen Jahr innert weniger Minuten je fünf brutale Raubüberfälle und Messerattacken verübt. Nun kommen sie vor Gericht.

Im Klingenpark im Kreis 5 versuchte der Täter fünf Passanten niederzustechen.

Im Klingenpark im Kreis 5 versuchte der Täter fünf Passanten niederzustechen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bei den beiden Beschuldigten handelt es sich um einen heute 25-jährigen Tamilen und einen 26-jähriger Iraker. Sie werden sich Ende August vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten müssen.

Der erste Fall hatte sich am 27. Mai 2015 kurz vor Mitternacht ereignet. Damals alarmierten mehrere Passanten die Stadtpolizei, weil sie in der Umgebung Zoll-/Josef- und Langstrasse im Kreis 5 überfallen worden waren. Die Vorfälle ereigneten sich alle innerhalb einer halben Stunde. Die Beute der Raubserie: 124 Franken.

Ein Opfer drei Wochen lang arbeitsunfähig

Die beiden Täter bedrohten ihre Opfer mit einem Messer, in drei Fällen wurden sie auch handgreiflich. Einem jungen Mann schlug der Beschuldigte mit der Faust mehrmals gegen den Kopf, bis dieser ihm zwei Zwanzigernoten und etwas Münz herausgab. In einem weiteren Fall hielten sie eine Messerklinge an den Bauch des Opfers und versetzten ihm einen Faustschlag ans Auge. Zwei Beraubte wurden so stark verletzt, dass sie im Spital behandelt werden mussten. Einer war in der Folge drei Wochen lang arbeitsunfähig.

Die ausgerückte Polizeipatrouillen konnte die beiden Räuber, die sich in Gebüschen versteckten, noch in der Tatnacht verhaften. Der Tamile wurde wegen bandenmässigen Raubs angeklagt. Sein minderjähriger Komplize, ein damals 17-jähriger Schweizer, musste sich in einem separaten Verfahren vor der Jugendanwaltschaft verantworten.

Der Staatsanwalt verlangt für den Tamilen eine Strafe von viereinhalb Jahren. Diese soll zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben werden. Diese Massnahme dauert in der Regel maximal vier Jahre. Sie wird nicht im Gefängnis Pöschwies abgesessen, sondern im Massnahmenzentrum Uitikon, wo der junge Mann, der keinen Beruf erlernt hatte, eine Ausbildung absolvieren kann.

Mit Fleischermesser losgegangen

Beim zweiten Prozess geht es um eine Messerattacke auf Passanten, die ebenfalls im Kreis 5 verübt wurde. Ein heute 26-jähriger Iraker ging in der Nacht des 11. August 2015 innerhalb von zwanzig Minuten auf fünf Passanten los – dass diese nicht oder nur leicht verletzt wurden, ist dem Zufall und der schnellen Reaktion der Opfer zu verdanken.

Laut Anklageschrift versuchte der Iraker, mit einem Fleischermesser (Klingenlänge 19 Zentimeter) wahllos auf Passanten im Park einzustechen. Im ersten Fall konnte ein Mann den Angriff mit dem Arm abwehren und erlitt eine Schnittverletzung. Beim zweiten Angriff auf zwei Männer konnten diese fliehen. Die Identität dieser beiden Männer ist nicht bekannt.

Danach rannte der Iraker laut Anklageschrift in «leicht gekrümmter Kampfhaltung brüllend» auf das Lokal «Il Ristorantino» am Rande des Klingenparks auf ein viertes Opfer zu. Er versetzte dem Mann einen Tritt ans Schienbein und versuchte auf ihn einzustechen. Doch ein anderer Passant konnte den Wütenden im letzten Moment noch wegstossen. Der Iraker versuchte nun, auf diesen Passanten einzustechen, und verfehlte nur knapp dessen Hals. Danach wandte sich der Täter erneut dem ersten Opfer zu, der in Todesangst wegrannte und fliehen konnte.

Nach dieser Attacke entfernte sich der Iraker, weil er die Sirene der alarmierten Stadtpolizei hörte. Die Polizisten konnten den Mann beim Sihlquai verhaften. Der arbeitslose Mann soll nun wegen versuchter Tötung und versuchter schwerer Körperverletzung für neun Jahre ins Gefängnis. Was der Grund für die wahllose Messerattacke war, geht aus der Anklageschrift nicht hervor.

Erstellt: 08.08.2016, 14:03 Uhr

Artikel zum Thema

Gewalttätiges Wochenende: Raub und Schlägereien in Zürich

Die Stadtpolizei hatte am Wochenende viel zu tut. Neun Personen hat sie wegen Raubstraftaten und Körperverletzungen verhaftet. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Blogs

Geldblog Wie Sie auf US-Dividenden-Stars setzen

Mamablog Kinder sollten lügen dürfen

Die Welt in Bildern

Notlage: Eine palästinensische Flüchtlingsfamilie wärmt sich bei kaltem Wetter im Süden des Khan-Younis-Flüchtlingslagers im Gaza-Streifen an einem Feuer. (21. Januar 2020)
(Bild: Mohammed Saber/EPA) Mehr...