Zürcher Velohändler überlistet E-Bike-Dieb

Weil ein Kunde «sein» E-Bike viel zu günstig verkaufen wollte, hat ein Fahrradhändler die Polizei aufgeboten.

Wurde argwöhnisch: Veloverkäufer Thomas Ernst. Archivbild: Sophie Stieger

Wurde argwöhnisch: Veloverkäufer Thomas Ernst. Archivbild: Sophie Stieger

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Eigentlich nimmt Thomas Ernst keine gebrauchten Fahrräder mehr an. Am neuen Standort seines Veloladens hats zu wenig Platz für das Occasions-Business. Doch dieser Verkäufer, ein junger Mann, noch nicht 18, kommt ihm verdächtig vor. Er habe das Elektro-Mountainbike von seinen Eltern bekommen, aber keine Verwendung dafür, sagt er. 750 Franken will er für das Fahrrad, das neu 4300 Franken kostet und etwa anderthalbjährig ist. Weder einen Schlüssel noch den Kaufbeleg kann er vorweisen.

Ernst gibt vor, das Fahrrad erst Probefahren zu wollen. Ob er das Velo über Nacht hier lassen könne, fragt er den Verdächtigen. Der junge Mann zögert, willigt dann aber ein. Kaum aus dem Laden, sichtet Ernst die Rahmennummer und macht das Geschäft ausfindig, in dem das Velo verkauft wurde. Doch der Geschäftsführer will den Namen des rechtmässigen Besitzers des Velos nicht herausrücken – aus Datenschutzgründen. Ernst wählt die Nummer der Stadtpolizei. Und tatsächlich: Das Fahrrad ist als gestohlen gemeldet.

Für eine Verhaftung reicht es nicht

Am nächsten Morgen, als der ahnungslose Verkäufer seine 750 Franken bei Ernst abholen will, zieht dieser die Stadtpolizei Zürich bei. Für eine Verhaftung reicht es aber nicht. Der junge Mann erzählt den Beamten jetzt, er habe das Velo von einem Kollegen, wie Ernst berichtet.

Gemäss Polizeisprecher Michael Walker sind die polizeilichen Abklärungen in diesem Fall noch nicht abgeschlossen. Ob dem jungen Mann ein strafrechtlich relevantes Verhalten nachgewiesen werden kann, müsse die zuständige Untersuchungsbehörde aufgrund des Polizeirapportes entscheiden.

Derartige Fälle sind selten, sagt Velo-Züri-Inhaber Ernst. Vielleicht drei- oder viermal im Jahr hat er das Gefühl, dass ihm jemand ein geklautes Velo unterjubeln will. Und nicht immer hat er Lust, Sherlock Holmes zu spielen. Dann lehnt er einfach ab. Dass Velos geklaut werden, ist allerdings alles andere als selten, wie die Zahlen der Stadtpolizei zeigen.

Am meisten Velos kommen im Kreis 4 weg

3546 gestohlene Fahrräder wurden der Stadtpolizei Zürich 2014 gemeldet, dem vorläufig schlechtesten Jahr für Velobesitzer in der Stadt. 2015 waren es 3218, im vergangenen Jahr 2750. Am meisten Fahrräder werden im Kreis 4 entwendet: 657 Stück waren es im Jahr 2014, 447 wurden im vergangenen Jahr gemeldet.

Damit Velohändler Hehlerware erkennen, sei es wichtig, dass bestohlene Velobesitzer den Diebstahl auch meldeten, sagt Ernst. Das geht seit ein paar Jahren ganz einfach elektronisch, etwa auf der Website der Stadtpolizei Zürich. Auch wenn die gemeldeten Diebstähle in den vergangenen zwei Jahren rückläufig sind: Ernst glaubt nicht, dass weniger Velos gestohlen wurden. Dass weniger Diebstahlmeldungen eingegangen sind, könne auch damit zu tun haben, dass es seit 2011 die Velovignette nicht mehr gebe, gibt er zu bedenken. Davor war vielen Velofahrern ihre Rahmennummer bekannt, mit denen ein Fahrrad eindeutig identifiziert werden kann. Und wenn der Besitzer sie nicht kannte, dann zumindest die Versicherung. Ernst empfiehlt, dass man sich die Rahmennummer gleich beim Kauf aufschreibt, so hat man sie im Ernstfall parat.

Beliebt bei Dieben: Elektro-Velos

Obwohl für das Wechseln des Akkus ein Schlüssel gebraucht wird, und obwohl moderne E-Bikes über GPS und Smartphone jederzeit lokalisierbar sind: Sie sind wegen ihres hohen Wiederverkaufswerts bei Velodieben beliebt. Laut Kriminalitätsstatistik nimmt die Zahl der geklauten E-Bikes seit 2013 stark zu, während die Gesamtheit der Velodiebstähle zurückgeht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.12.2017, 11:43 Uhr

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