«Wer Kinder verletzt, hat die Hölle verdient»

Den knapp 3-Jährigen, die 6-jährige Tochter, den 7-jährigen Sohn: Alle hat der Vater geschlagen. Jetzt wurde der Mann aus dem Filmbusiness verurteilt.

Wer seine Kinder schlägt, kann es mit der Justiz zu tun bekommen (gestellte Aufnahme).

Wer seine Kinder schlägt, kann es mit der Justiz zu tun bekommen (gestellte Aufnahme). Bild: Keystone

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Zugegeben, das Zitat ist ziemlich genau 17 Jahre alt. Aber es kann aus gegebenem Anlass nicht schaden, dem heute 42-jährigen, im Filmbusiness tätigen Mann diesen einen Satz, den er damals in einem Porträt über sich äusserte, in Erinnerung zu rufen: «Wer Frauen, Kinder oder Greise verletzt, der hat die Hölle verdient.»

Denn gestern Dienstag musste sich der Mann von Richter Robert Amsler sagen lassen: «Es scheint, dass Gewalt in Ihrer Familie etwas Normales war.» Und Amsler ergänzte: «Es ist schlecht, wenn ein Kind geschlagen wird.» Wenn die Gewalt eines Kindes mit der Gewalt des Vaters beantwortet werde.

Schlagspuren im Gesicht

Darum ging es damals, im Sommer 2014. Der kleine Sohn des Beschuldigten hatte einen Tag vor seinem dritten Geburtstag seine ältere Schwester gebissen und damit, trotz Aufforderung, offenbar nicht aufgehört. Da soll sich der Vater auf den am Boden liegenden Knaben gesetzt und mit der Hand mindestens je fünfmal so heftig auf die rechte und linke Gesichtsseite geschlagen haben, «dass sichtbare rote Schlagspuren im Gesicht entstanden, insbesondere der Fingerabdruck des Beschuldigten sichtbar war», wie es in der Anklageschrift heisst.

Im selben Jahr spürte auch der andere Sohn, damals siebenjährig, die harte Hand des Vaters. Er war anscheinend verschwunden gewesen und hatte während Stunden gesucht werden müssen. Diesem Knaben zog er Hose und Unterhose herunter und schlug mehrmals derart heftig mit der offenen Hand auf das nackte Gesäss, dass der Knabe in den folgenden Tagen Schmerzen beim Sitzen hatte.

«Normaler Klaps», «Fingerstüber»

Was ihm da vorgeworfen werde, sagte der 42-Jährige am Dienstag vor Gericht, «stimmt nicht, jedenfalls nicht so». Die Vorwürfe seien übertrieben. Man versuche, ihn als gewalttätig hinzustellen. Statt von Schlägen sprach er lieber von einem «normalen Klaps», aus Ohrfeigen wurden «Fingerstüber».

Gewisse Vorwürfe seien eine «Erfindung», um eine Strafanzeige zu stützen. Tatsächlich hatte die Kindsmutter im letzten Jahr Strafanzeige erstattet – nicht wegen der Kinder, sondern offenbar wegen Todesdrohungen des Mannes ihr gegenüber. Dieser Fall aber löste sich in Luft auf, jedenfalls war in der Anklageschrift davon keine Rede.

Richter Robert Amsler hielt die Vorwürfe aber nicht für übertrieben, sondern für «gut dokumentiert». Wegen mehrfacher Körperverletzung, begangen an einem Kind, verurteilte er den 42-Jährigen zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 30 Franken.

Betroffene zogen sich zurück

Für weitere Züchtigungen, neben den Söhnen auch an der damals gut sechsjährigen Tochter begangen, entging der Mann einer Verurteilung. Es seien Tätlichkeiten gewesen, urteilte der Richter. Tätlichkeiten sind Übertretungen, weshalb die Strafverfolgung nach drei Jahren verjährt.

Die Kindsmutter und die drei Kinder hatten schon vor dem Prozess ihr Desinteresse an einer Bestrafung erklärt. Das Paar ist seit längerem getrennt. Das Verhältnis sei inzwischen «sehr gut, tipptopp». Sagte der Beschuldigte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.05.2019, 08:59 Uhr

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Gesetzliches Züchtigungsverbot scheitert immer wieder

Bis 1978 war es Eltern ausdrücklich erlaubt, «die zur Erziehung der Kinder nötigen Züchtigungsmittel anzuwenden». Nach der Abschaffung dieser Erlaubnis trat aber kein ebenso ausdrückliches Züchtigungsverbot in Kraft.

Entsprechende Versuche scheitern seit Jahren. Zuletzt lehnte der Nationalrat im Mai 2017 eine entsprechende Motion der damaligen Winterthurer SP-Nationalrätin Chantal Galladé ab. Er folgte damit dem Antrag des Bundesrats. Er war der Ansicht, dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen ausreichen.

Damit will sich der Verein «Gewaltfreie Erziehung» nicht abfinden. Zum internationalen Tag der Kinderrechte lancierte der Verein im November 2017 eine Petition, die mittlerweile von 9000 Personen unterschrieben wurde.

Zudem ist die Walliser CVP-Nationalrätin Géraldine Marchand-Balet im vergangenen Sommer erneut mit einer Motion aktiv geworden. Sie verlangt ein vorbehaltloses Verbot jeglicher Körperstrafen und anderer erniedrigender Handlungen gegenüber Kindern. Der Bundesrat beantragt erneut die Ablehnung der Motion. (thas.)

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