Eigene Angestellte trickste Sozialamt aus

Eine Sachbearbeiterin der Sozialen Dienste Zürich betrog ihre Arbeitgeberin um 350'000 Franken. Nun muss sie 160'000 Franken abstottern.

Das Bezirksgericht hat eine ehemalige Mitarbeiterin der Sozialen Dienste wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt. (Bild: Urs Jaudas)

Das Bezirksgericht hat eine ehemalige Mitarbeiterin der Sozialen Dienste wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt. (Bild: Urs Jaudas)

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Dass sich die Sozialen Diensten mit Betrugsfällen herumschlagen müssen, kommt immer wieder vor. Dabei handelt es sich aber vor allem um Sozialhilfebezüger, die schwarzarbeiten oder nicht alle Vermögensteile angeben. Am Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich am Mittwoch stand aber nicht ein Sozialhilfebezüger vor den Richtern, sondern eine ehemalige Sachbearbeiterin. Die Schweizerin, welche für die Zahlung von Rechnungen der Sozialhilfeempfänger zuständig war, hatte nicht nur für die Klienten Zahnarzt-, Arztrechnungen und Mieten beglichen, sondern von den Sozialen Diensten auch ihre eigenen, privaten Rechnungen bezahlen lassen.

Die Frau erstellte fiktive Zahlungsanweisungen und liess diese von den zuständigen Sozialarbeitern visieren. Als Buchungstext gab sie beispielsweise den Namen eines Zahnarztes an, in Tat und Wahrheit wurden aber ihre Stromrechnung oder die Miete bezahlt. Zudem verschickte sie zu hohe Rechnungen und liess sich die Differenz mittels Check auszahlen. Insgesamt verursachte die Frau den Sozialen Diensten zwischen Juli 2003 und November 2016 einen Schaden von rund 350 000 Franken – im Monat durchschnittlich über 2000 Franken. Der Fall flog bei einer internen Überprüfung anfangs 2017 auf und die Sozialen Dienste reichten Strafanzeige ein.

Warum sie das gemacht habe, wollte der Richter wissen, sie habe doch einen anständigen Lohn verdient? «Ich kann es mir auch nicht richtig erklären», sagte die Frau um die vierzig. Luxus sei es nicht gewesen. Sie habe sich zwar eine schöne Wohnung geleistet, aber sie habe vor allem ihrem Sohn das gönnen wollen, was sie selber als Kind nie erhalten habe. Jede fiktive Zahlung habe sie verdrängt, als sei nichts passiert. Die tatsächliche Summe sei ihr erst beim Auffliegen des Falles bewusst geworden. «Ich bereue es und schäme mich dafür.»

Rückzahlung mit Sozialen Diensten vereinbart

Die Frau hat inzwischen mit den Sozialen Diensten eine Rückzahlungsvereinbarung über 162'000 Franken abgeschlossen – sie wird 20 Jahre brauchen, bis der Betrag abgestottert ist. Dass sie nicht die ganze Summe bezahlen muss, liegt daran, dass ein Teil schon verjährt ist. Sie hat sich inzwischen im Dienstleistungsbereich selbstständig gemacht und verdient monatlich um die 3000 Franken. Nach der Entlassung bei den Sozialen Diensten hatte sie eine neue Stelle verloren, als der Arbeitgeber durch ein anonymes Schreiben über ihre Vergangenheit informiert wurde.

Das Gericht behandelte den Fall im abgekürzten Verfahren und folgte dem Urteilsvorschlag der Staatsanwältin. Diese hatte für die nicht vorbestrafte Frau wegen gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung eine bedingte Strafe von zwei Jahren verlangt. Sie komme mit einem wohlwollenden Urteil davon, sagte der Richter. Zwar habe sie das Vertrauen des Arbeitgebers übel missbraucht, aber sie habe mit den bereits begonnenen Rückzahlungen aufrichtige Reue gezeigt. Zudem habe sich die Beschuldigte beruflich neu orientiert und sei so nicht zu einem Sozialfall geworden – «was gar nicht unrealistisch wäre», wie der Richter sagte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.06.2018, 17:44 Uhr

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