Unzurechnungsfähiger bedrohte Comedian Stefanie Berger

Ein psychisch schwer gestörter Schweizer, welcher der früheren Ex-Miss Schweiz Stefanie Berger Gewalt in Aussicht stellte, wird in eine Klinik eingewiesen.

Opfer einer Facebook-Attacke: Komödiantin Stephanie Berger (im Bild an der Eröffnung des Arosa Humorfestivals am 8. Dezember 2016).

Opfer einer Facebook-Attacke: Komödiantin Stephanie Berger (im Bild an der Eröffnung des Arosa Humorfestivals am 8. Dezember 2016). Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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«No Stress, No Fun» heisst die neue Comedyshow, mit der Stefanie Berger unterwegs ist – morgen Abend beispielsweise im ausverkauften Sternen in Wangen. Vor zwei Jahren dürfte die bald 40-jährige Comedian den Titel ihres aktuellen Programms kaum so entspannt gesehen haben. Denn damals hatte ein Fitnessberater auf ihrer offiziellen Facebook-Seite einen Link zu einem Youtube-Filme gepostet, der garantiert Stress auslöst, aber ebenso garantiert keinen Spass.

«... wer sie hinrichtet ist ein held»

In Anspielung auf die brutale Attacke, bei welcher am 6. März 2015 der Komiker Beat Schlatter Zufallsopfer einer Schlägerei geworden war, trug der Film den Titel «beat schlatter nach attacke schwer verletzt = nächste zeil stephani berger sf allahluya bei allen hin».

Dass die Frau das nächste Ziel sein sollte, ergab sich auch aus zahllosen Videos, die unter dem Titel «hingabe zu gott allah» auf dem Youtube-Kanal zu sehen waren. Sie zeigten teilweise ebenfalls Berger, gegen die mit Hilfe von wahnhaft religiösen Texten mobilisiert wurde. Eine Textzeile verstörte besonders: «... wer sie hinrichtet ist ein held.»

Strafrechtlich nicht verantwortlich

Dass der 45-Jährige aufgrund seiner schweren psychischen Störungen, darunter unter anderem möglicherweise eine paranoide Schizophrenie nicht zurechnungsfähig war und deshalb für die Drohung strafrechtlich nicht verantwortlich gemacht werden kann, war dem Bezirksgericht Zürich klar. Es ordnete am 8. Dezember 2015 eine stationäre Massnahme an. Dagegen wandte sich der Fitnessberater ans Obergericht. Wenn er vom Vorwurf der Drohung nicht freigesprochen werde, soll wenigstens anstelle der stationären eine ambulante Massnahme angeordnet werden.

Das Obergericht trat auf den Vorwurf, der Mann habe in zahlreichen Videos mit wahnhaft religiösen Texten gegen Berger mobilisiert, gar nicht ein. Es werde aus der Anlageschrift nämlich überhaupt nicht klar, was ihm in diesem Zusammenhang konkret vorgeworfen werde. In Bezug auf die Äusserung, wer sie hinrichte, sei ein Held, stellte das Obergericht das Verfahren ein. Dieser Text sei erst entdeckt worden, nachdem Stefanie Berger Strafanzeige eingereicht habe. Es sei unklar, ob sie von der Äusserung überhaupt Kenntnis gehabt habe.

Im Internet verloren

Im Übrigen bestätigte das Obergericht das bezirksgerichtliche Urteil. Es stellte fest, dass der Mann die Drohung «im Zustand der nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit» begangen habe. Nachdem es noch ein ergänzendes psychiatrisches Gutachten eingeholt hatte, ordnete es die stationäre Massnahme an, in welcher sich der Mann bereits befindet.

Der 45-Jährige ist seit dem jungen Erwachsenenalter psychisch krank, leidet an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit mindestens dissozialen und narzisstischen Zügen sowie an einer wahnhaften Störung. Im Fall Berger hatte er sich im «Magnetfeld Internet» verloren. Er glaubte, einen göttlichen Auftrag zu haben, um die Welt über die «Machenschaften» von Grosskonzernen, Regierung und Geheimbünden aufklären zu müssen. In seiner Arbeit fühlte er sich vom Geheimdienst verfolgt. Nach früheren Delikten war er schon mehrere Jahre hospitalisiert gewesen. Er widersetzte sich Medikamenten.

Die fehlende Krankheitseinsicht erfordert laut Gericht einen Therapiebeginn in einem gesicherten Rahmen. Dies auch wegen den in seiner Wohnung gefundenen gefährlichen Gegenstände – zum Beispiel eine Gehhilfe, an welcher mit Klebebändern Messer befestigt waren – und der nicht geringen Rückfallgefahr für Gewaltdelikte. Zu berücksichtigen sei dabei auch das Schutzbedürfnis der Öffentlichkeit.

Erstellt: 22.03.2017, 16:38 Uhr

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