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Bundesgericht entschied: Taekwondo-Lehrer bleibt in U-Haft

Ein bekannter Zürcher Kampfsportlehrer, der sich an zwei Mädchen vergriffen haben soll, bleibt wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft.

Laut dem Bundesgericht besteht für den Kampfsportler weiterhin Wiederholungsgefahr. (Bild: Laurent Gilliéron / Keystone)
Laut dem Bundesgericht besteht für den Kampfsportler weiterhin Wiederholungsgefahr. (Bild: Laurent Gilliéron / Keystone)

Der 48-jährige zweifache Weltmeister und ehemaliger Nati-Trainer ist angeklagt, sich in seinem Studio in Thalwil an zwei Mädchen vergriffen zu haben. Der nicht geständige Mann ist im Mai 2017 vom Zwangsmassnahmengericht Zürich wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft gesetzt worden. Dagegen hat er beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht und Haftentlassung gefordert. Dieses wies die Beschwerde ab, wie aus dem gestern veröffentlichten Urteil hervorgeht.

Sein Anwalt Thomas Fingerhuth hatte argumentiert, dass sein Mandant über ein intaktes Privatleben verfüge und mit seiner Familie seit Jahrzehnten in der Schweiz wohne. Die Übergriffe hätten immer in einem speziellen Setting (Lehrer-Schüler-Verhältnis) stattgefunden. Dabei sei dem Kampfsportler klar geworden, dass er nicht mehr als Lehrer arbeiten könne und wolle. Es genüge, ihm ein richterliches Verbot für den Unterricht mit Kindern zu erteilen. Es bestehe keine Wiederholungsgefahr mehr.

Mädchen zu «Spiel» aufgefordert

Der Taekwondo-Sportler hatte in seinem Studio in Thalwil Kinder trainiert und soll sich dabei an zwei Mädchen vergriffen haben. Im Bundesgericht wird beschrieben, was ihm vorgeworfen wird. Er habe zwischen 2014 und März 2017 ein damals fünf- bis achtjähriges Mädchen jeweils aufgefordert, ein «Spiel» mit ihm zu machen. Er soll dem Kind eine Augenbinde aufgesetzt und es aufgefordert haben, seinen Mund zu öffnen. Dabei habe die Schülerin herausfinden müssen, welchen beziehungsweise wie viele Finger er ihr in den Mund stecke. Statt dessen habe er ihr seinen Penis in den Mund gelegt. Andere Male, so das Bundesgericht, forderte er sie auf, mit geschlossenen Augen sogenannte Kicks zu üben, wobei sie vorgeblich seine Hand hätte halten sollen. In der Tat hielt er jeweils seinen Penis hin.

Ein zweites Mädchen, das im Tatzeitpunkt in den Jahren 2014 und 2015 etwa 8 bis9 Jahre alt gewesen war, soll er ebenfalls aufgefordert haben, ein «Spiel» mit ihm zu machen. Auch dieser Schülerin verband er die Augen. Sie hätte dann die Hand ausstrecken und erraten sollen, mit welchem Finger er ihr in die Hand tippe. Nachdem er ihr einige Mal mit einem Finger in die Hand getippt habe, habe er seine Hosen heruntergezogen und versucht, ihr seinen Penis in die Hand zu legen. Da das Kind unter der Augenbinde den Penis sah, zog es die Hand noch rechtzeitig zurück.

Einschlägig vorbestraft wegen Sexualdelikt

Der Mann war bereits im September 2009 vom Zürcher Obergericht wegen mehrfacher sexueller Nötigung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt wurde. Er hatte in den Jahren 2005 und 2006 zwei von ihm trainierte Elite-Sportlerinnen sexuell missbraucht. Die Opfer seien damals 18 und 20 Jahre alt gewesen. Aus diesen Gründen, so das Bundesgericht, dränge sich eine ungünstige Rückfallprognose auf, und es bestehe Wiederholungsgefahr. Deshalb hat das oberste Gericht in Lausanne die Beschwerde des Kampfsportlers und Taekwondo-Trainers abgewiesen. Der Mann bleibt in Untersuchungshaft.

Anklage Anfang 2018

Laut seinem Verteidiger Thomas Fingerhuth bestreitet sein Mandant die ihm vorgeworfenen Taten. Es sei aber unbestritten, dass die Gerichte heute bei sexuellem Kindesmissbrauch relativ schnell von Wiederholungsgefahr ausgehen würden. Die Untersuchung sei abgeschlossen, zur Anklage werde es Anfang nächstes Jahr kommen. Sobald Anklage erhoben wird, müsse das Gericht darüber entscheiden, ob sein Mandant noch weiter in Haft bleibt; die Untersuchungshaft dauert noch bis zum 20. Januar 2018.

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