«Huren-Heiko» lässt Gerichtstermin platzen

Seine «echten Girls» stellt er gerne ins virtuelle Schaufenster. Heiko S. selber zieht es vor, sich der Öffentlichkeit zu entziehen.

Auch in diesem Haus an der Badenerstrasse beim Albisriederplatz nutzte der verurteilte eine Wohnung zum Bordell um. (Bild: TA-Archiv/Samuel Schalch)

Auch in diesem Haus an der Badenerstrasse beim Albisriederplatz nutzte der verurteilte eine Wohnung zum Bordell um. (Bild: TA-Archiv/Samuel Schalch)

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Wann hat man das jemals erlebt, dass sich vor dem Bezirksgericht Zürich knapp ein Dutzend Medienschaffende einfinden, um eine Gerichtsverhandlung zu verfolgen, bei der es – juristisch betrachtet – um eine Lappalie geht? Um eine blosse Übertretung, für welche das Gesetz als Höchststrafe nur eine Busse vorsieht? Es ist ein wohl einmaliges Ereignis.

Beim Beschuldigten handelt es sich halt um den 47-jährigen Deutschen Heiko S. Der Mann hatte Ende 2017 die Medienaufmerksamkeit ein erstes Mal auf sich gezogen, weil es zu seinem Geschäftsgebaren gehört, als vermeintlicher Untermieter Wohnungen zu mieten, in welchen er dann, wie er es nennt, «Mädchen-WGs» einrichtete. Oder etwas deutlicher: Er richtete Bordelle ein. Leidtragende damals war eine Zürcherin, die ihre Wohnung Heiko S. untervermietete, während sie selber einen Sprachaufenthalt in Hawaii absolvierte.

Ohne Bewilligungen

Nicht zum ersten Mal hätte er vor Gericht erscheinen müssen. Im aktuellen Fall war er mit einer Busse von 9000 Franken bestraft worden, weil er in der Stadt Zürich in dreizehn verschiedenen Wohnhäusern Wohnungen mietete, und sie angeblich als Familienwohnungen zu nutzen. Tatsächlich richtete er darin Bordelle ein, die er auf Sexinseraten anpries.

Konkret vorgeworfen wird ihm, er habe keine Bewilligung für den Betrieb einer Salonprostitution eingeholt. Er habe es auch unterlassen,die von ihm als Prostituierte beschäftigte Frauen aus dem EU-/EFTA-Raum vor Aufnahme der Tätigkeit dem zuständigen Amtsstelle zu melden. Seine Partnerin, eine 27-jährige Deutsche, sollte wegen der gleichen Delikte eine Busse von 7500 Franken bezahlen.

Dass der 47-Jährige über einen ausgeprägten Geschäftssinn verfügt, zeigt sich nicht nur darin, dass er in der Stadt Zürich und in weiteren Zürcher Gemeinden Wohnung im Dutzend anmietet und mit Frauen aus dem EU-EFTA-Raum besetzt.

Der Geschäftssinn zeigt sich auch andernorts: Nur einen Tag, nachdem ihm die Boulevard-Presse den Übernamen «Huren-Heiko» verpasst hatte, liess er die Domain «huren-heiko.ch» registrieren. Dort wird man auf eine andere Webseite umgeleitet, auf der sich unter anderem «echte Girls» mit angeblich über einer Million privater Bilder und Videos präsentieren. Auf der gleichnamigen deutschen Adresse, deren Besitzer verschleiert wird, wird auf den «Highclass-Escort-Service in der Schweiz» verwiesen.

Urteil in Abwesenheit

Während die Medienvertreter auf Heiko S. und seine Partnerin warten, wird darüber diskutiert, welche Folgen es hat, wenn die beiden Beschuldigten nicht vor Gericht erscheinen.

Die beiden haben nämlich Einsprache gegen ihre Strafbefehle erhoben. Laut Strafprozessordnung gilt die Einsprache als zurückgezogen, wenn die einsprechende Person «der Hauptverhandlung unentschuldigt fernbleibt».

Damit würde der Strafbefehl zum rechtskräftigen Urteil. Doch diese sogenannte «Einspracherückzugsfiktion» kommt bei Beschuldigten nicht zum Tragen, die ihren Wohnsitz nicht in der Schweiz haben.

Konkret bedeutet das: Der Strafbefehl wird nicht zum rechtskräftigen Urteil, sondern zur Anklageschrift, über welche das Gericht zu entscheiden hat – und zwar in Abwesenheit der Beschuldigten. Eine öffentliche Gerichtsverhandlung findet nicht statt. Denn Heiko S. hat dem Verteidiger das Mandat entzogen hat, wie der Anwalt erst wenige Stunden vor Prozessbeginn dem Gericht mitteilte.

Erstellt: 29.04.2019, 11:02 Uhr

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