«Du bist auch Grasshopper Club»

Ein 25-jähriger FCZ-Fan hat einem gleichaltrigen Mann den Augenhöhlenboden zertrümmert. Der Ausraster kommt ihn teuer zu stehen.

Im Saal 134 des Bezirksgerichts Zürich wurde der junge Mann verurteilt.

Bezirksgericht Zürich

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3. November 2017, morgens um 2.30 Uhr, in der Toilettenanlage des «Mascotte». Ein 24-jähriger Bündner steht vor dem Pissoir, als ein gleichaltriger Zürcher mit zwei, drei Schritten Anlauf auf ihn zuläuft und ihm die Faust ins Gesicht schlägt.

Der völlig überraschte, unvorbereitete und wehrlose Mann erleidet eine sogenannte Orbitabodenfraktur. Die Folge: In einer Operation musste der Augenhöhlenbogen des Mannes mit Hilfe eines Titanimplantats rekonstruiert werden. Nötig ist auch eine intraoperative radiologische Lagekontrolle.

Ein fataler Irrtum

Da kommt selbst der Verteidiger des Zürchers nicht darum herum, von einer «bedauerlicherweise gravierenden Verletzung» des Opfers und von der Tat seines Mandanten als einer «Entgleisung» zu sprechen. Gleichzeitig möchte er aber auch klargestellt haben, dass die Tat «nichts mit dem Umstand zu tun hat, dass der Beschuldigte FCZ-Fan ist».

Das sieht die Anklage und letztlich auch das Gericht anders. Und es zeigt sich, dass die erhebliche Verletzung des jungen Mannes letztlich das Ergebnis eines fatalen Irrtums ist. Und die Folge einer zu spät gemachten Bemerkung.

Mit Fussball gar nichts am Hut

Der Zürcher, er ist FCZ-Fan, hatte an jenem Novemberabend draussen vor dem Club einen Mann gesehen, den er als GC-Fan vom Sehen kannte. In dessen Begleitung war der Bündner, das spätere Opfer. Kurz drauf traf der Zürcher ihn in der Toilette, wo es zum verhängnisvollen Schlag kam. «Du bist auch GC», sagte er zu ihm, nachdem er zugeschlagen hatte.

Der Zürcher hätte die Bemerkung besser vor seinem Schlag gemacht. Denn dann hätte der Bündner vielleicht noch die Chance gehabt zu erklären, dass er mit Fussball nicht das Geringste zu tun hat, ihm der Grasshopper Club so egal ist, wie jeder andere Club.

«Was willst Du denn jetzt, Kleiner?»

Vor dem Bezirksgericht zeigte sich der wegen einfacher Körperverletzung angeklagte Mann reuig. Es tue ihm leid, er habe den Bündner nicht so schwer verletzen wollen. Er habe daraus gelernt. So etwas werde nicht mehr vorkommen. Seit er wieder einen festen Job und eine Freundin habe, mit der er zusammenwohne, habe er sich geändert.

Damals habe es ihm einfach «die Sicherungen herausgejagt»: Der GC-Fan habe draussen vor dem Club «so eine abschätzige Bewegung gemacht». Und der Bündner habe ihn auf dem Pissoir «so von oben herab» angeschaut, als wolle er sagen:«Was willst Du denn jetzt, Kleiner».

Elf Monate bedingt, aber hohe Kosten

An diesen Tatmotiven zweifelte das Gericht. Dass er glaubte, es mit GC-Fans zu tun zu haben, habe mitgespielt, hielt ihm das Gericht entgegen. Denn dass GC-Fans für den Beschuldigten grundsätzlich «keine Sympathieträger» sind, hatte der Mann, der behauptet, trotz Jahreskarte nur «gelegentlich» Spiele des FCZ live zu verfolgen, freimütig eingeräumt.

Das Bezirksgericht verurteilte den 25-Jährigen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von elf Monaten und einer unbedingten Busse von 2000 Franken. Aufgrund von nicht einschlägigen Vorstrafen wurde die Bewährungszeit auf vier Jahre festgesetzt. Dem Opfer muss einer eine Genugtuung von 2000 Franken und eine Entschädigung von 500 Franken zahlen.

Am kurzen Ausraster dürfte der Bauarbeiter noch lange zu knabbern haben. Neben den erwähnten Beträgen muss er auch die Kosten des Untersuchungs- und Gerichtsverfahrens sowie die Leistungen einer Versicherung übernehmen. Alles in allem: gut 16'000 Franken.

Erstellt: 19.04.2019, 11:26 Uhr

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