Durstige Einbrecher

In Zürich gehen Weindiebe um. Für ihre Opfer gibt es einen kleinen Trost: Gratisprosecco.

Ziel von Einbrechern: Weine in Kellerabteilen. (Foto: TA)

Ziel von Einbrechern: Weine in Kellerabteilen. (Foto: TA)

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Philipp Meier, ehemaliger Co-Direktor des Dada-Hauses (Cabaret Voltaire), hat ungebetene Gäste in seinem Haus an der Agnesstrasse im Kreis 4 erhalten. Unbekannte haben das Kellerabteil aufgebrochen und rund 40 Flaschen Wein gestohlen, wobei der Verlust von einigen Schaumweinen ihn doch schmerzen würde, wie er sagte. Aber zum Glück seien die Diebe keine Naturweinkenner gewesen und hätten es auf klassische Weine mit langweiligen Etiketten abgesehen.

Auf Facebook warnt er deshalb die Bewohner im Kreis 4. Der Polizist habe ihm gesagt, dass in den letzten Monaten etliche Keller aufgebrochen worden und Weinflaschen gestohlen worden seien. Seine Tipps: Die Weine so lagern, dass man sie von aussen nicht sieht, das Kellerabteil zusätzlich mit einem Veloschloss sichern und unbekannten Leuten nicht die Haustüre öffnen, wenn man nicht wisse, zu wem sie wollten.

Nimmt den Verlust mit Humor: Philipp Meier, in dessen Keller die Diebe rund 40 Flaschen mitlaufen liessen. (Bild: Facebook)

Dass im Kreis 4 Weindiebe unterwegs sind, geht auch aus einer Meldung der Stadtpolizei von Mitte August hervor. Damals wurde die Polizei wegen mehrerer Einbrüche in Kellerabteile in einer Liegenschaft an der Zwinglistrasse gerufen. Praktisch zeitgleich kontrollierten Fahnder an der Langstrasse, unweit des Tatorts, zwei Männer, die sich verdächtig verhielten. Die Polizisten fanden bei den Männern mehrere Flaschen Rotwein, die sie zuvor an der Zwinglistrasse gestohlen hatten. Die beiden Einbrecher im Alter von 36 und 51 Jahren wurden verhaftet. Es handelt sich um zwei Schweizer.

Starke Zunahme von Kellereinbrüchen

Dass vermehrt in Kellern eingebrochen wird, kann Michael Walker, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, bestätigen. Obwohl die Zahl der Einbruchsdelikte im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent zugenommen hatte, waren die Einbrüche in Wohnungen rückläufig. Der Anstieg betraf vor allem Gartenhäuser und Kellerabteile.

Der Trend habe sich auch in diesem Jahr bewahrheitet. Er illustriert die Entwicklung in Zahlen: Im Jahr 2017 wurden rund 300 Einbrüche in Kellern bei der Stadtpolizei Zürich angezeigt, in diesem Jahr sind es bereits mehr. Laut Walker habe die Stadtpolizei Zürich auch schon Kellereinbrecher verhaften können.

Zum Trost: Gratisprosecco

Auf den Post von Philipp Meier auf Facebook hat die Firma Huber Getränkehandlung sofort reagiert. Damit niemand verdursten muss, habe man sich als «Hoflieferant des Chreis Cheib» etwas überlegt: «Wir schenken allen Betroffenen zwei Flaschen Prosecco! Die erste zur Beruhigung, die zweite zum Spass.»

Die Betroffenen eines Weindiebstahls müssten nur eine Kopie des Polizeirapports und die ID zur Rampe der Weinhandlung an der Allmendstrasse 91 in Wollishofen mitbringen. Die Aktion dauert bis zum 30. September. Bis jetzt habe sich aber noch niemand gemeldet, sagt ein Firmensprecher.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2018, 13:22 Uhr

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