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Entführungsopfer von Sudanesen in Bonstetten kritisiert

Vor einigen Wochen hielt Margrit Schenkel in der reformierten Kirche einen Vortrag – dabei kam es zu einem Vorfall.

Margrit Schenkel in Darfur im Sudan, wo sie sich seit Jahrzehnten für die Ärmsten einsetzt. (Bild PD)
Margrit Schenkel in Darfur im Sudan, wo sie sich seit Jahrzehnten für die Ärmsten einsetzt. (Bild PD)

Regelmässig ist Margrit Schenkel in ihre Heimatgemeinde Bonstetten im Zürcher Säuliamt zurückgekehrt. Dort erholte sie sich und sammelte mit Vorträgen über ihre Arbeit im Sudan Geld. Die 71-Jährige ist in Bonstetten geboren und aufgewachsen und will ihren Lebensabend hier verbringen. Jeweils am Chilbisonntag Ende August berichtete die gelernte Krankenschwester in der reformierten Kirche nach dem Gottesdienst über ihre Arbeit.

Auch in diesem Sommer, wie Rolf Werner, Präsident der Kirchenpflege, sagte. Dabei habe er aber eine Beobachtung gemacht, welche ihn stark irritiert habe. Denn beim Vortrag mit Bildern sei auch ein Foto des sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir zu sehen gewesen, der dem Hilfswerk mit der Hebammenschule und dem Ernährungszentrum einen Besuch abstattete. Nach dem Vortrag, so Rolf Werner, hätten sich zwei Sudanesen gemeldet, welche in der hintersten Kirchenbank sassen. Sie seien nach vorne gegangen und hätten auf Margrit Schenkel und das Publikum auf Englisch laut und gestikulierend und drohend eingeredet. Er vermutet, dass es sich um sudanesische Flüchtlinge gehandelt habe, welche in Opposition zur Regierung unter Bashir stehen würden.

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat 2008 Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten erlassen wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen.

Kritik an Zusammenarbeit mit Regime

Rückblickend, so Rolf Werner, frage er sich, ob die Entführung nicht einen politischen Grund haben könnte. Der «Anzeiger des Bezirks Affoltern» berichtete am 5. September über den Vorfall in der Kirche. Margrit Schenkel habe eine kurze allgemeine Einführung zum Sudan gemacht und dabei ein Porträt des Staatspräsidenten gezeigt. Nach dem Vortrag hätten zwei Sudanesen sich darüber entrüstet, dass Margrit Schenkel mit diesem Regime «zusammenarbeiten» könne. Schenkel habe dann aufgezeigt, dass ohne Zusammenarbeit mit den staatlichen Organen ihre Tätigkeit in Darfur gar nicht möglich wäre.

Margrit Schenkel arbeitet seit 43 Jahren im Sudan. Sie hat in der Stadt Fashir in der Provinz Darfur ein therapeutisches Ernährungszentrum aufgebaut und wird in der Schweiz vom Verein Mutter+Kind-Betreuungs-Arbeit Sudan (Mukiba) unterstützt. Das Tätigkeitsfeld umfasst laut Mukiba neben dem Zentrum auch die Mithilfe auf der Kinderstation im Spital von Fashir sowie eine Hebammenschule in der nahe gelegenen Ortschaft Kutum. Dieses Projekt wird auch von der Deza (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der UNO unterstützt.

Bereits Wohnung in Bonstetten

Die 71-Jährige plante auf diesen Herbst, sich in Bonstetten definitiv niederzulassen und hat mithilfe des Vereins auch schon eine Wohnung beziehen können. Sie wollte nochmals in den Sudan reisen, um die von ihr geleiteten Einrichtungen der Nachfolgerin zu übergeben. Dabei wurde sie am Samstagabend aus ihrer Wohnung in Darfur von Unbekannten entführt. Was die Männer fordern, ist nicht bekannt.

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat gegen den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Bashir Haftbefehl erlassen – ihm werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen: Der sudanesische Präsident bei einem Treffen der Afrikanischen Union in Johannesburg. (Archivbild)
Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat gegen den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Bashir Haftbefehl erlassen – ihm werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen: Der sudanesische Präsident bei einem Treffen der Afrikanischen Union in Johannesburg. (Archivbild)
Shiraaz Mohamed/AP, Keystone
Die Entführung der Schweizerin geschah in der westsudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur – dort kämpfen Rebellen seit 2003 gegen die Regierung, der sie die Unterdrückung der nicht-arabischen Bevölkerung vorwerfen: Einheiten der regierungstreuen Paramilitärs der «Rapid Support Forces» patrouillieren die Grenze zwischen dem Sudan und Libyen. (23. September 2017)
Die Entführung der Schweizerin geschah in der westsudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur – dort kämpfen Rebellen seit 2003 gegen die Regierung, der sie die Unterdrückung der nicht-arabischen Bevölkerung vorwerfen: Einheiten der regierungstreuen Paramilitärs der «Rapid Support Forces» patrouillieren die Grenze zwischen dem Sudan und Libyen. (23. September 2017)
Ashraf Shazly, AFP
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