«Es ist eine total ruhige Gegend – wir sind alle schockiert»

Nach der Geiselnahme mit drei Toten berichten Nachbarn von den Ereignissen und den Opfern.

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Ein ruhiges Familienquartier im Zürcher Kreis 3. Dreistöckige Mehrfamilienhäuser reihen sich aneinander. In Sichtweite steht das Sportzentrum Heuried, auf der anderen Seite fährt die Uetlibergbahn. «Es ist eine total ruhige Gegend, perfekt für Familien», sagt eine ältere Dame, die seit Jahrzehnten hier wohnt. «Wir sind alle schockiert.» Eine junge Deutsche, die erst seit letztem Oktober hier wohnt, meint: «Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass hier so etwas passiert.»

Am heutigen Freitagmittag ist noch der eine Abschnitt des Döltschiwegs abgesperrt. Doch auch weitab vom Tatort, an jeder Zugangsstrasse, stehen noch Polizistinnen und Polizisten. Der Durchgang ist für Autos gesperrt.

Am Morgen ist es hier zu einem tragischen Ereignis gekommen. Ein 60-jähriger Mann nahm in einer Wohnung zwei Frauen in Geiselhaft. Nach knapp drei Stunden Verhandlung mit der herbeigerufenen Polizei erschiesst der Schweizer die beiden 34- und 38-jährigen Frauen, deren Nationalitäten noch unklar sind. Darauf richtet er sich selbst. So könnte sich das Drama gemäss ersten polizeilichen Erkenntnissen abgespielt haben.

Zwei Schüsse, und noch einer

Eine andere ältere Frau, die gleich gegenüber der Hinterseite der Tatort-Wohnung zuhause ist, erzählt, was sie erlebt hat. Schon am frühen Morgen, so um 6 Uhr, habe es Polizei in den Strassen gehabt. Etwa um 7 Uhr läuteten die Beamten überall die Türklingeln und sagten den Bewohnern: «Achtung, Schussgefahr, schliessen Sie die Läden und halten Sie sich weg von den Fenstern.» Dann habe sie lange nichts gehört, erklärt die Frau. Nach 8 Uhr habe sie plötzlich zwei Schüsse gehört, kurz nacheinander. Danach kurze Pause. Und noch ein Schuss.

Ein Nachbar bestätigt ihre Aussagen. Er wohnt in der gleichen Häuserreihe etwas weiter oben. Der Familienvater sagt, eine der beiden Frauen habe die Wohnung gemietet, allein. Sie war unauffällig und oft mit ihrem weissen Malteser-Hund unterwegs. Dieser habe manchmal seinen eigenen Hund beschnüffelt. Viel mehr Austausch als ein kurzer Gruss habe es nicht gegeben zwischen den Hundehaltern. Lange blonde Haare habe die Frau gehabt. Der Mann vermutet, dass sie aus Osteuropa stammt.

Laute Stimme am Vortag

Eine direkte Nachbarin sagt, neben der jüngeren, grösseren Frau mit den langen blonden Haaren habe sie im Haus auch eine etwas ältere, kleinere Frau mit kurzen, blonden Haaren angetroffen. Diese sei viel öfter zuhause gewesen, auch sie unauffällig, eher «Typ graue Maus». Die Nachbarin vermutet, die ältere habe die Wohnung gemietet, vor etwa einem halben Jahr. Auch sie denkt, die Frauen kämen aus dem ehemaligen Ostblock.

Da die Frauen sehr zurückhaltend waren, erschrak die Nachbarin, als sie gestern Donnerstag ungewohnte Geräusche und eine laute, männliche Stimme wahrgenommen hat. Diese sprach mit «lateinischem Einschlag», wie sie sagt. Vielleicht sei es Spanisch gewesen.

Jetzt hat die Frau gar keine Lust, wieder nachhause zu gehen. Die Szenen am Morgen waren ziemlich verstörend gewesen.

«Wir haben richtig gehandelt»

«Wir haben richtig gehandelt»: Polizeisprecher Marco Cortesi im Interview beim Tatort. Video pu/Tamedia

Erstellt: 31.05.2019, 15:31 Uhr

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