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Ex-Kollege mit Kopfschuss hingerichtet

Für einen 39-jährigen Albaner, der einen Landsmann erschossen hat, verlangt der Staatsanwalt lebenslänglich und Verwahrung. Der Verteidiger plädiert auf eine «Zusatzstrafe von null Jahren».

Bei diesem Waldstück am Dorfrand von Bonstetten wurde das 35-jährige Oper regelrecht hingerichtet. (Bild: Stefan Hohler)
Bei diesem Waldstück am Dorfrand von Bonstetten wurde das 35-jährige Oper regelrecht hingerichtet. (Bild: Stefan Hohler)

Die Tat liegt schon über sieben Jahre zurück: Am 7. Januar 2009 hat der heute 39-jährige Beschuldigte einen 35-jährigen Landsmann im Auto mit einem Kopfschuss getötet. Danach warf er die Leiche kopfüber in ein Waldtobel in Bonstetten. Im Auto dabei: Die ahnungslose Freundin des mutmasslichen Täters, die einen hysterischen Schreikrampf erlitt, als sie die Exekution hautnah miterleben musste.

Bei der Tat ging es um Geld. Das Opfer war mit dem Beschuldigten früher eng befreundet gewesen und schuldete ihm 30'000 Euro. Aus diesem Grund war der Albaner extra aus seinem Wohnort in Mailand nach Bonstetten gereist, um mit ihm über «ihre Dinge» zu reden. Das Opfer wohnte mit seiner Frau in der Säuliämtler Gemeinde. Nach der Exekution floh der Schütze mit der geschockten Freundin zurück nach Mailand.

Die italienische Polizei konnte ihn dank Hinweisen der Kantonspolizei Zürich kurz darauf verhaften. Er wurde im Juli 2010 ausgeliefert. Seitdem befindet er sich in der Schweiz in Haft. Der Mann schwieg während der ganzen Untersuchungsdauer. Er weigerte sich auch, mit dem Gerichtspsychiater zu reden. Dieser verfasste ein Gutachten aufgrund der Akten. Er beschied ihm eine sehr hohe Rückfallgefahr, denn er leide unter einer dissozialen Persönlichkeitsstörung.

Mann bereits schuldig gesprochen

Der erste Teil des Prozesses fand bereits im Dezember 2013 vor dem Bezirksgericht Affoltern am Albis statt. Es ging es um die Frage, ob der Mann schuldig sei oder nicht. Dies hat das Gericht bejaht. Der Mann hatte die Tat immer bestritten. Am damaligen Prozess war der Beschuldigte plötzlich bereit, mit dem Gerichtspsychiater zu reden. Das Gutachten wird nun im heutigen zweiten Teil der Verhandlung eine wichtige Rolle spielen, geht es doch um die Frage des Strafmasses. Zudem wird über eine Nachtragsanklage verhandelt. Der Mann soll auch seiner damaligen Freundin, die im Auto sass, eine durchgeladene Pistole an den Hals gehalten und ihr gedroht haben, sie zu töten. Am heutigen Prozess las der Beschuldigte eine Erklärung ab, in der er erneut sein Unschuld beteuerte. Er sei jetzt gesetzeswidrig seit sieben Jahren im Gefängnis und erwarte auf freien Fuss gelassen zu werden. Auf weiterer Frage des Gerichts anwortete er nicht.

Staatsanwalt Alexander Knauss verlangt wegen Mordes eine lebenslängliche Freiheitsstrafe mit anschliessender Verwahrung. Der Beschuldigte habe dem um sein Leben bettelnden Opfer auf dem Beifahrersitz in den Kopf geschossen – «einer eigentlichen Hinrichtung gleich», wie in der Anklageschrift steht. Zur Vorbereitung der Tötung habe er noch die Fensterscheibe auf der Beifahrerseite heruntergelassen. Er habe extra seine damalige Freundin mitgenommen, um das misstrauische Opfer in Sicherheit zu wiegen. Der Psychiater habe beim Mann ein hohes Rückfallrisiko attestiert. Es handle sich um einen Wiederholungstäter.

Nicht das erste Tötungsdelikt

Denn der Beschuldigte ist kein unbeschriebenes Blatt. Er hatte bereits 1998 in Italien zusammen mit einem weiteren Mann einen Nordafrikaner getötet – mit einem Schraubenzieherstich ins Auge –, der eine unter seinem Schutz stehende Prostituierte ausgeraubt hatte. Obwohl der Mann weiterhin in Mailand lebte, fand ihn die Polizei nicht. Im Jahr 2010 wurde er in Abwesenheit zu einer rechtskräftigen Freiheitsstrafe von 22 Jahren verurteilt.

Für den Verteidiger ist sein Mandant zwar unschuldig. Weil das Gericht die Schuld aber bereits bejaht hatte, plädierte er auf vorsätzliche Tötung und nicht auf Mord. Von einer langen Planung könne nicht ausgegangen werden; es habe sich um eine Kurzschlusshandlung gehandelt.

Sein Mandant soll dafür eine «Zusatzstrafe von null Jahren» erhalten. Warum? Das Schweizer Gericht muss eine Zusatzstrafe zu einem italienischen Urteil fällen. Weil er dort für das andere Tötungsdelikt bereits zu 22 Jahren verurteilt wurde, bleibt für das Schweizer Gericht kein Platz mehr für eine zusätzliche Strafe. Eine Zusatzstrafe käme nur in Betracht, wenn das Schweizer Gericht von Mord ausgeht und eine lebenslängliche Freiheitsstrafe verhängen würde.

Der Albaner wurde für den Prozess von den italienischen Behörden in die Schweiz «ausgeliehen». Nach der Verurteilung in der Schweiz wird er an Italien zur Strafverbüssung zurückgebracht.

Das Urteil wird am 19. April gefällt.

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