FCZ-Hooligans verursachten Schäden von 250'000 Franken

Jetzt ist klar, was alles zu Bruch gegangen ist, nachdem randalierende Anhänger des FC Zürich am Samstag den Extrazug aus Basel angehalten haben.

Aus einem Hochhaus neben den Gleisen sind diese Bilder gemacht worden. Video: Leserreporter

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Nach der Rückkehr des FC Zürich in die Super League fallen seine militanten Fans offenbar wieder in ihr altbekanntes Muster von Gewalt und Krawallen. Anders kann das Verhalten nach dem letzten Spiel gegen den FC Basel vom Samstag nicht erklärt werden. Laut einer Medienmitteilung der Polizei Basel-Landschaft zogen FCZ-Fans bei der Rückfahrt des Extrazuges beim Güterbahnhof Muttenz und beim Bahnhof Pratteln mehrfach die Notbremse. Dann verliessen die Fans den Zug und randalierten. Sie warfen Schottersteine auf Autos und auf ein Wohnhaus.

Während die Schäden anfänglich auf mehrere Zehntausend Franken geschätzt wurden, hat sich in der Zwischenzeit die Summe massiv erhöht. Laut Adrian Gaugler, Mediensprecher der Polizei Basel Landschaft belaufen sie sich auf gegen eine Viertelmillion Franken. Die Fans hätten in Pratteln Schottersteine über die Schallschutzwände geworfen und sowohl Fahrzeuge wie Gebäudefassaden beschädigt. Unter anderem wurden beim Helvetiatower, einem Hochhaus direkt an der Bahnlinie, viele Scheiben zerschlagen. Allein hier beträgt der Schaden rund hunderttausend Franken, wie ein Sprecher der Liegenschaftbesitzerin sagt.

Zu Verhaftungen kam es nicht. Gaugler begründet dies mit der grossen Menge von rund 200 Personen und dass die Polizei primär noch weitere Schäden habe verhindern wollen. Dank dem sofortigen Eingreifen der Polizei und dem Zurückdrängen der FCZ-Fans in den Zug, sei der Schaden nicht noch höher geworden. Zudem handelt es sich bei Bahnhof Pratteln um eine eminent wichtige Stelle für den Bahnverkehr (Nord-Süd-Achse), deshalb war es für die Einsatzkräfte wichtig, die Strecke schnellstmöglichst wieder freigeben zu können.

Notbremse gezogen und Knallkörper gezündet

Auch im Zug drin verursachten die Chaoten Vandalismus und Schäden. Sie zogen rund zehnmal die Notbremse und zündeten viele Knallkörper. Auf Anfrage des Tages Anzeiger haben die SBB die Delikte und Störungen minutiös aufgelistet:

So zogen Unbekannte bereits bei der Hinreise nach Basel kurz nach der Abfahrt des Zuges die Notbremse im hintersten Wagen. Im Weiteren warfen Fans Lampenabdeckungen, Bierflaschen sowie Knallkörper aus dem Zug. Nach der Ankunft in Basel im St.-Jakob-Stadion wurde erneut die Notbremse gezogen und diverse Knallkörper gezündet.

So richtig los ging es aber dann bei der Rückreise. Nachdem der Extrazug das Stadion St. Jakob verlassen hatte, wurde wieder die Notbremse gezogen und nach rund 600 Metern die Tür geöffnet. Rund 200 teils vermummte FCZ-Hooligans verliessen beim Bahnhof Pratteln den Zug, wo sie von der Polizei wieder in den Extrazug getrieben wurden. Die Chaoten zündeten sowohl bei der Abfahrt in Basel als auch während der Fahrt und bei der Ankunft in Zürich mehrere Knallkörper.

Scheiben, Abdeckungen und Dichtungen zerstört

Im Zug beschädigten die Vandalen eine Fensterstore, zerstörten mehrere Türen- und Fensterscheiben, rissen Gummidichtungen an Türen und Fenstern heraus und zerrten Lampenabdeckungen und Röhren herunter. Auf vielen Scheiben, Türen und Fenstern hinterliessen sie mit Filzschreibern ihre Tags und brachten Kleber auf Wänden und Scheiben an. Zudem wurde im Zug gekifft und geraucht. Die SBB beziffern die Schadenssumme auf mehrere Tausend Franken. Insgesamt wurde die Notbremse rund 10-mal gezogen, zwischen 35 und 45 Knallkörper wurden gezündet und aus den Fenstern geworfen. Zudem warfen die Fans eine unbekannte Anzahl von Bierflaschen aus dem Zug sowie 6 bis 8 Lampenabdeckungen. Im Weiteren stahlen sie 16 Notfallhämmer.

Das Ziehen der Notbremse und das Verlassen des Zuges hatte natürlich Auswirkungen auf den restlichen Reiseverkehr. So fielen deswegen vier Züge aus: zwei Fernverkehrszüge und zwei Regionalzüge. Auch der Fussball-Extrazug hatte auf der Rückreise 19 Minuten Verspätung.

SBB dürfen Hooligans nicht ablehnen

Die SBB haben laut Gesetz eine Beförderungspflicht. Eine Aufhebung dieser Pflicht bei militanten Fangruppen, wie sie der Bundesrat vorgeschlagen hat, wurde aber vom Parlament abgelehnt. So müssen die SBB auch in Zukunft Fangruppen Extrazüge zur Verfügung stellen. Für die Kosten für die mutwilligen Sachbeschädigungen, deren Urheber zu eruieren fast unmöglich ist, muss der Steuerzahler aufkommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.09.2017, 12:43 Uhr

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