Frauen geschlagen und sexuell genötigt

Zwei Männer stehen vor Gericht, welche in Zürich und Dübendorf gewalttätig gegenüber Frauen wurden.

Nach der Gewaltorgie gegen Frauen in Genf gingen Frauen auf die Strasse, auch in der Stadt Zürich.

Nach der Gewaltorgie gegen Frauen in Genf gingen Frauen auf die Strasse, auch in der Stadt Zürich. Bild: Keystone

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Die Prügelattacke auf fünf Frauen in Genf hat die Schweiz schockiert. Es war aber kein Einzelfall, wie zwei Prozesse an Zürcher Gerichten zeigen. Beide Male sind die Frauen auf offener Strasse von Männern geschlagen worden, denen es um Machogehabe und Dominanz ging.

Beim ersten Fall, der am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich verhandelt wird, geht es um versuchte schwere Körperverletzung. Ein 27-jähriger Eritreer aus dem Zürcher Oberland hatte an einem frühen Morgen im Mai 2017 vor dem Club Lions an der Hohlstrasse in Zürich-Altstetten mit seiner Ex-Freundin Streit. Der Handwerkerlehrling bezeichnete die Landsfrau als Schlampe, was diese sich nicht gefallen liess. So schlug sie ihm den gefalteten Taschenschirm ins Gesicht.

Der junge Mann sah rot: Er versetzte ihr einen kräftigen Handkantenschlag an den Hals, worauf sie stürzte. Sie schlug mit dem Kopf am Boden an und blieb liegen. Dann stampfte der Mann mit seinem Turnschuh mindestens fünfmal auf ihren Kopf und versetzte ihr fünf Fusstritte gegen Hinterkopf und Rücken. Die Frau erlitt eine leichte Hirnerschütterung und hatte während rund zwei Monaten Gleichgewichtsstörungen und Kopfschmerzen. Der Arzt schrieb sie fast zwei Monate arbeitsunfähig.

Er liess sich nicht abwimmeln

Beim zweiten Prozess vor dem Bezirksgericht Uster am Donnerstag geht es um versuchte sexuelle Nötigung. Ein 32-jähriger Schweizer Montage-Elektriker verlangte an einem frühen Morgen im Juli 2017 an der Zürichstrasse in Dübendorf von einer Frau, ihm «eins zu blasen». Die Frau wies ihn ab und drohte mit der Polizei. Sie ging weiter, der Mann verfolgte sie. Sie konnte gerade noch den Handynotruf drücken, als er sie auf den Hinterkopf schlug.

Bei einer Bushaltestelle setzte sie sich auf eine Bank und hielt die Arme schützend vor sich. Der Elektriker schlug weiter auf sie ein und drückte ihr den Penis gegen die Wange. «Blas mer eis», sagte er immer wieder und schlug ihren Kopf gegen die Hinterwand der Haltestelle. Erst als ein Bewohner eines Nachbarhauses eingriff, hörte der Täter auf. Die Polizei verhaftete ihn, er kam drei Monate lang in Untersuchungshaft.

Unbedingte Freiheitsstrafe und Therapie

Beim ersten Fall beantragt der Staatsanwalt eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren und – was den Mann sicher mehr schmerzen wird – einen Landesverweis von fünf Jahren, der für den ganzen Schengenraum gelten soll. Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Eritreer überhaupt ausgeschafft werden kann.

Beim zweiten Beschuldigten wird wegen versuchter sexueller Nötigung und einfacher Körperverletzung eine zweijährige Freiheitsstrafe verlangt, die jedoch zugunsten einer ambulanten Therapie aufgeschoben werden soll. Bereits schon in einem früheren Prozess hat das Bezirksgericht Uster eine Therapie angeordnet. Denn gemäss psychiatrischem Gutachten wird der Beschuldigte im alkoholisierten Zustand aggressiv. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2018, 12:46 Uhr

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