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Mutter vom Vorwurf der Schändung freigesprochen

Vor Gericht stand heute eine Frau, die der Schändung und der sexuellen Handlungen mit ihrer Tochter beschuldigt wurde. Das Urteil: Freispruch und 2000 Franken Genugtuung.

Die Anschuldigungen gegen die Mutter kamen vom Vater der Tochter. Archivbild: Walter Bieri/Keystone
Die Anschuldigungen gegen die Mutter kamen vom Vater der Tochter. Archivbild: Walter Bieri/Keystone

Die Anklage bezog sich auf Vorfälle, die sich von Herbst 2011 bis Ende 2014 in der Familienwohnung zugetragen haben sollen. Anzeige erstattet hatte der Mann und Vater, nachdem die Frau mit der gemeinsamen siebenjährigen Tochter nach Weihnachten 2014 aus der Wohnung ausgezogen war.

Gemäss Schilderung in der Anklageschrift, die sich ausschliesslich auf die Angaben des Ehemanns stützten, hatte die Frau immer wieder die Nähe zum Kind gesucht: Sie habe das vier- bis siebenjährige Mädchen an ihrer Brust nuckeln lassen, wobei das Kind die andere Brust jeweils gestreichelt habe. Die Beschuldigte wies die Vorwürfe zurück. Der Mann habe die Vorwürfe erst erhoben, nachdem sie ihn verlassen habe. Sein Motiv? «Er will mich vernichten.»

Verteidigerin Karen Schobloch zeigte in ihrem umfangreichen Plädoyer auf, wie die Vorwürfe entstanden waren. Wie auf dem Hintergrund eines «hochstrittigen Trennungskonflikts» aus einem «anfänglich kuschelnden, innigen Verhältnis zwischen Mutter und Tocher, bei dem niemand an Sexualität oder Missbrauch denken würde», mit der Zeit der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs erhoben wurde, «der mit immer mehr Details und Elementen ausgeschmückt wurde».

Gericht hatte «erhebliche Zweifel»

Das Bezirksgericht Dietikon sprach die Mutter von Schuld und Stafe frei und sprach ihr eine Genugtuung von 2000 Franken zu. Es gebe nur die Vorwürfe des Ehemanns, die auf dem Hintergrund einer sehr belasteten, ja zerrütteten Beziehung abgegeben worden seien. Dabei falle auf, dass der Mann zu Beginn alle möglichen Vorwürfe erhoben habe, bloss nicht jene, die zum Prozess geführt haben. Das sei «unverständlich».

Dazu komme, dass seine Aussagen «nicht stimmig und widersprüchlich» seien. Es gehe nicht nur um Nuancen, sondern um «grundlegende, eklatante Unterschiede, für die es keine Erklärung gibt». So hatte der Mann einmal gesagt, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass das Verhalten seiner Frau problematisch war. An anderer Stelle sagte er aus, er habe seine Frau mehrfach, aber erfolglos auf ihr problematisches Verhalten aufmerksam gemacht.

Das Gericht hatte deshalb «erhebliche Zweifel», ob sich der beahauptete Sachverhalt überhaupt zugetragen hat. Das Gericht musste sich deshalb nicht einmal mit der Frage befassen, ob das behauptete Tun strafrechtlich relevant gewesen wäre. Pikant ist der Freispruch, weil der Ehemann im Frühjahr letzten Jahres von Staatsanwalt Pascal Gossner mit einem Strafbefehl bestraft wurde, weil er die angebliche Schändung und die sexuellen Handlungen mit Kindern durch seine Frau zugelassen hatte.

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