«Schneekönig» muss nochmals 7,5 Jahre ins Gefängnis

Die Staatsanwältin forderte für den notorischen Kokaindealer Reinhard Lutz 8,5 Jahre Gefängnis. Das Gericht folgte ihr weitgehend.

In diesem Gebäudekomplex mit Restaurant, Wohnungen und Gewerberäumen lebte Lutz mit seiner Freundin nach seiner bedingten Entlassung im Frühsommer 2016. (Bild: Stefan Hohler)

In diesem Gebäudekomplex mit Restaurant, Wohnungen und Gewerberäumen lebte Lutz mit seiner Freundin nach seiner bedingten Entlassung im Frühsommer 2016. (Bild: Stefan Hohler)

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Heute Mittwoch hat der Prozess gegen den 62-jährigen Reinhard Lutz vor dem Bezirksgericht Zürich stattgefunden. Der als «Schneekönig» bekannt gewordene Schweizer ist beschuldigt, im Februar 2017 rund 200 Gramm Kokain beschafft und für 10'000 Franken weiterverkauft haben.

Zudem soll Lutz bereits im Januar nach Rotterdam gereist sein, um eine Kokainübergabe zu arrangieren. Den eigentlichen Schmuggel übernahm eine Nachbarin, welche jedoch auf der Heimreise in die Schweiz an der holländisch-deutschen Grenze von Polizisten verhaftet wurde.

In einem dritten Fall wird Lutz beschuldigt, Mitte März weitere 700 Gramm Kokain in seiner Wohnung in Menziken im Kanton Aargau gelagert zu haben. Zu einem Verkauf kam es aber nicht, die Polizei verhaftete Lutz am 20. März 2017. Seither sitzt der 62-Jährige in Untersuchungshaft. Der nicht Drogensüchtige ist geständig.

«Habe ‹Blödsinn›gemacht»

Auf die Frage des Gerichtsvorsitzenden, warum er schon wieder rückfällig geworden sei, antwortete Lutz ausweichend. Er habe einem Kollegen Geld geschuldet. Er habe ein Burnout gehabt und sei unter Stresse gestanden, darum habe er den «Blödsinn» gemacht.

Die Staatsanwältin verlangte eine Freiheitsstrafe von 8,5 Jahren. Sie begründete den hohen Strafantrag damit, dass Lutz im Jahr 2016 bedingt entlassen wurde. Er müsse neben der eigentlichen Strafe für die ihm vorgeworfenen Delikte noch eine Reststrafe von über dreieinhalb Jahren absitzen. Dies aufgrund eines Entscheids des Kantonsgerichts St. Gallen, das ihn 2011 zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt hatte.

Der Verteidiger plädierte für eine Strafe von 3 Jahren, als Eventualantrag fünf Jahre. Sein Mandant leide unter einer dissozialen Persönlichkeitsstörung, verursacht durch die langen Gefängnisaufenthalte. Er sei leicht vermindert schuldfähig. Beim Drogenschmuggel von Holland in die Schweiz habe er der Kurierin helfen wollen, damit sie etwas Geld verdiene. Der Verteidiger machte auch ein Fragezeichen bezüglich des hohen Reinheitsgehalts der Drogen von über 90 Prozent.

Hälfte des Lebens im Knast

Das Gericht folgte aber weitgehend den Argumenten der Staatsanwältin. «Ihr Verteidiger hat alles gemacht, was er kann. Aber schlussendlich haben Sie es verbockt und sich so saublöd verhalten», sagte der Vorsitzende. Dass Lutz die aufgeschobene Strafe der Vorinstanz noch absitzen müsse, stehe ausser Diskussion. Als strafmildernd erachtete das Gericht das Geständnis und die leicht verminderte Schuldfähigkeit. Straferhöhend waren die verübten Delikte während der Probezeit. Das Urteil sei eher mild und keineswegs drakonisch, betonte der Vorsitzende. Der Verteidiger liess durchblicken, dass er das Urteil nicht ans Obergericht weiterziehen werde.

Reinhard Lutz beschäftigt seit Jahrzehnten die Zürcher Justiz. Schon über ein halbes Dutzend Mal ist er wegen Kokaindeals verurteilt worden. Insgesamt sass er rund 30 Jahre in Gefängnissen – die Hälfte seines Lebens. Nun kommen 7,5 Jahre dazu. Am Prozess sagte er, dass er momentan im Gefängnis Tupperware abpacke und eine Autobiografie schreibe. Er habe schon rund 300 Seiten verfasst. Am Prozess anwesend war auch seine deutlich jüngere südamerikanische Freundin, mit der er nach der Freilassung in Südamerika oder Spanien ein neues Leben beginnen will.

Erstellt: 08.11.2017, 09:15 Uhr

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