Kaninchen zu Tode gequält

In einem Gemeinschaftsstall in Zürich-Höngg haben Unbekannte drei Zwergkaninchen getötet und drei entführt. «Das ist kein Lausbubenstreich mehr», sagt Psychologe Allan Guggenbühl.

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Das Tierdrama ereignete sich zwischen Samstagabend und Sonntagmorgen im «QuarTierhof» an der Regensdorferstrasse 189 in Zürich-Höngg. Unbekannte töteten im Stall drei Zwergkaninchen, drei weitere der insgesamt 40 Kaninchen fehlen seither. Es könnten Jugendliche gewesen sein. Die Stadtpolizei sucht Zeugen (044 411 71 17).

Der «QuarTierhof» Höngg ist rund ein Hektar gross und wird vom gleichnamigen Verein betreut. Rund 50 Mitglieder kümmern sich in Freiwilligenarbeit um den Unterhalt des Hofs, der Gartenflächen für Obst und Gemüse und die Hühner, Geissen, Pferde und Ponys.

Verein ist schockiert

Im Verein ist man schockiert. Unbekannte hätten mehrere Kaninchen auf brutale Art zu Tode gequält, schreibt er auf der Website: «Die Kinder und ihre Eltern sind sehr traurig, der Vorstand ist entsetzt ob der sinnlosen Gewalt und hat Strafanzeige erstattet.»

Vereinspräsidentin Kathrin Schmocker sagte gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Es ist sehr bedrückend und vor allem schlimm für die Kinder, die jetzt sehr traurig sind.» Die Hasen gehören nämlich Kindern ab 6 Jahren, die zuhause keine Tiere halten können. «In unserem Stall gibt es eine Gemeinschaftshaltung, mehrere Kinder kümmern sich nach einem Plan um die Tiere», so Schmocker.

Erschüttert ist auch eine betroffene Mutter. Sie betreut mit ihren Kindern einen Hasen, der beim Vorfall aber nicht zu Schaden gekommen ist. «Dass so etwas an einem solchen Ort passieren kann, ist für mich unverständlich», sagt sie. Der QuarTierhof sei für viele Kinder aus dem Quartier ein wichtiger Treffpunkt. Über die Tiere seien sich Gross und Klein nahe gekommen. «Es herrschte eine extrem friedliche Atmosphäre», sagt sie. Nun seien die Kinder verängstigt.

«Das ist kein typischer Fall mehr»

Bei Tierquälerei schlagen bei Fachleuten die Alarmglocken. Denn oft beginnt es mit Tierquälerei und endet bei Sadismus bei Menschen. Deshalb ist die Früherkennung solcher Täter wichtig. Auch für den Zürcher Jugendpsychologen Allan Guggenbühl ist die Tat «kein Lausbubenstreich mehr». Sadistische Fantasien und das Herantasten an Grenzsituationen und darüber hinaus, komme bei Jugendlichen immer wieder vor, sagt er. Bei den meisten handle es sich aber um Fantasien, hier habe aber eine Entgrenzung stattgefunden: «Das ist kein typischer Fall mehr.»

Denn mit der Tötung sei ein Tabu gebrochen worden. Guggenbühl ist überzeugt, dass es sich um mehrere Personen gehandelt haben muss. Es habe wohl eine Dynamik mit krimineller Energie und eine sich gegenseitige Anfeuerung stattgefunden. «Der Fall muss ernst genommen werden.»

Bereits im Sommer aufgebrochen

Die Kaninchen des «QuarTierhofs» sind vom Pech verfolgt. Letztes Jahr war ein Grossteil der Tiere von der so genannten Chinaseuche heimgesucht worden, einer ansteckenden Krankheit. Ein Drittel des Bestandes verendete. Und bereits in dem Sommerferien hatten Unbekannte die Kaninchenställe aufgebrochen.

Damals wurden aber keine Tiere getötet. Als Sicherheitsvorkehrungen hat der Verein nun einen Bewegungsmelder installiert und die Türen verstärkt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.09.2017, 11:37 Uhr

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